Von kurios bis hochprozentig: Das geht dem Schweizer Zoll ins Netz

9.10.2019 - 12:09, Von Silvana Guanziroli

Gut versteckt und trotzdem gefunden – sechs Kilogramm Kokain im Auto
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Gut versteckt und trotzdem gefunden – sechs Kilogramm Kokain im Auto

Spezialisten der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) bemerkten, dass über der Reserveradmulde eine Stahlplatte angebracht war. Diese Stahlplatte liess sich nur durch einen elektrischen Mechanismus anheben. Darin waren fünf Pakete mit insgesamt knapp sechs Kilogramm Kokain.

08.10.2019

Die Tricks sind ausgefallen. Mit kreativen Verstecken versuchen Schmuggler verbotene Ware in die Schweiz einzuführen. Die Eidgenössische Zollverwaltung ist den Betrügern aber auf der Spur.

Es wird geschmuggelt, was das Zeug hält. Immer ausgefallener sind die Verstecke, immer grösser die Menge der geschmuggelten Ware. Gemäss der Eidgenössischen Zollverwaltung ist vor allem bei Fleisch eine deutliche Zunahme festzustellen.

Die Fahnder entdecken immer häufiger, aber auch lebendige Tiere. Erst diesen Frühling konnten sie einer Hundeschmuggler-Bande aus Italien und der Ukraine das Handwerk legen. Mindestens 17 Welpen haben die Männer in die Schweiz gebracht. Vier Tiere mussten schliesslich wegen eines «akuten Tollwutrisikos» eingeschläfert werden.

Die Schweizer Grenze ist also längst nicht so löchrig, wie unser Käse. «Bluewin» zeigt die verhinderten Schmuggelversuche der letzten Wochen:

Grenzübergang Boncourt JU, 5. Oktober

Zuletzt waren die Zöllner beim Grenzübergang im jurassischen Boncourt erfolgreich. Am letzten Samstag kontrollierten sie gegen 23 Uhr ein Fahrzeug mit deutschem Kennzeichen. Der Fahrer, ein 24-jähriger Weissrusse, verstrickte sich schnell in Wiedersprüche. Er gab an, als Tourist in der Schweiz unterwegs zu sein.

Die Zöllner durchsuchten den Wagen – und entdeckten zahlreiches Diebesgut. Darunter Notebooks, Spielkonsollen, Parfümflaschen sowie 300 Aufsätze für elektrische Zahnbürsten, 200 Rasierklingen, Kleidungstücke und Sonnenbrillen.

Unter dem Fahrersitz fanden die Zöllner zudem ein Gerät, mit dem Diebstahlsicherungen schnell und lautlos entfernt werden können. Das Diebesgut hat einen Gesamtwert von mehreren zehntausend Franken. Der Fall wurde an die jurassische Polizei übergeben. Dort stellte sich heraus, dass der mutmassliche Täter bereits für ähnlicher Fälle im Tessin unter Verdacht steht.

Die Rasierklingen waren in einem Koffer versteckt. Insgesamt stiessen die Zöllner im Wagen des Weissrussen auf Diebesgut im Wert von mehreren zehntausend Franken.
Eidgenössische Zollverwaltung

Postzentrum Mülligen ZH, 3. Oktober

Dieses Päckchen war wohl nicht für ein Kind bestimmt. Im Postzentrum Mülligen untersuchten die Zöllner am letzten Donnerstag eine Lego-Packung etwas genauer. Und wurden fündig. In der Verpackung waren statt der Legosteine über 1000 Ecstasy-Pillen versteckt.

Die Legopackung kam aus den Niederlanden über den Postweg in die Schweiz. Sie war in Geschenkpapier eingewickelt und an eine Person im Kanton Zürich adressiert. Die Drogen wurden sichergestellt und der Kantonspolizei Zürich übergeben.

Ecstasy-Pillen statt Legosteine.
Eidgenössische Zollverwaltung

Grenzübergang La Motta GR, 3. Oktober

Geschmuggelt wird in allen Landesteilen, auch im Bündnerland. Dort ging den Zöllnern ein Wohnmobil voller Alkohol ins Netz. Bei den Schmugglern handelt es sich um ein belgisches Rentnerehepaar. Sie versuchten insgesamt 84 Liter an Spirituosen in die Schweiz einzuführen. Sie versteckten die Flaschen dazu im ganzen Fahrzeug. Den Zöllnern hatte das Paar bei der ersten Befragung noch angegeben, lediglich zwei Flaschen Whisky dabei zu haben. 

Die Belgier mussten eine Busse in der Höhe von 2'500 Franken bezahlen.

Die Rentner versteckten den Alkohol im ganzen Wohnmobil. Insgesamt waren es 84 Liter. 
Eidgenössische Zollverwaltung

Nyon, 1. Oktober 

Nur zwei Tage zuvor kam es in der Romandie zu einem weiteren Schmuggelversuch. Der gefasste Portugiese war in Nyon ohne gültigen Führerschein unterwegs.

Im Lieferwagen des 47-Jährigen entdeckten die Zöllner schliesslich über 72 Kilogramm an nicht deklariertem Fleisch, 21 Liter Öl und verschiedene Kosmetik- und Reinigungsmittel.

Eine traurige Entdeckung machten die Beamten im Laderaum des Wagens: Ein Bulldoggenwelpe, der nicht am Zoll angemeldet worden war, sass inmitten seines Kots. Das Tier war unterversorgt und hatte in seinem Käfig keinerlei Wasser zur Verfügung.

Gemäss der Eidgenössischen Zollverwaltung wird der Fahrer wegen Widerhandlung gegen die Zoll- und Einfuhrbestimmungen sowie gegen das Tierschutz- und Strassenverkehrsgesetz eine Busse bezahlen müssen.

Diese Kosmetikartikel versuchte der Portugiese in die Schweiz einzuführen, ohne dass er sie dem Zoll angab.
Eidgenössische Zollverwaltung

Grenzübergang Diepoldsau SG, 26. September

Viel kriminelle Energie bewies der Schmuggler dieser verbotenen Fracht. Erst nach langem Suchen entdeckten die Zollbeamten das Versteck. Dieses lag unter einer Stahlplatte, die sich nur über einen ausgeklügelten elektrischen Mechanismus öffnen liess. Doch die Fahnder entdeckten die Installation im hinteren Teil des Fahrzeugs und kamen so dem Täter auf die Schliche. Unter der Stahlplatte lagerten fünf Pakete mit insgesamt sechs Kilogramm Kokain.

Der 42-jährige Serbe und das Kokain wurden der Kantonspolizei St. Gallen übergeben. Gegen den Mann läuft ein Strafverfahren wegen des Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz. Das Fahrzeug wurde beschlagnahmt.

Grenzübergang Thayngen SH, 17. September

Bei diesem Schmuggelversuch sparte ein Hochzeitspaar an der falschen Stelle. Für ihr Fest engagierten sie einen Lastwagenchauffeur aus Kroatien illegal 72 Liter Honiglikör in die Schweiz einzuführen. 

Offiziell war der Sattelschlepper mit Gewürzgurken und Paprikapaste aus Kroatien beladen. Bei der Kontrolle mit einem mobilen LKW-Röntgengerät stellten Spezialisten der Eidgenössischen Zollverwaltung aber nicht nur Saures und Scharfes, sondern auch Süffiges fest. In einem Stauraum unterhalb der Ladefläche waren 14 Kartonschachteln mit insgesamt 72 Liter Honiglikör versteckt. 

Gelohnt hat sich der illegale Partyservice nicht. Der Chauffeur wurde gebüsst und musste Abgaben von über 1'000 Franken nachbezahlen.

Der Honiglikör für die Hochzeitsgesellschaft.
Eidgenössische Zollverwaltung
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