Vulkan-Katastrophe von Santorin: Bringt ein Olivenzweig die Lösung?

gusi

15.8.2018

Es war eine der grössten Katastrophen der Bronzezeit. Der Vulkanausbruch auf der griechischen Insel Santorin. Doch bis heute ist unklar, wann genau es zur Explosion auf der Insel kam.
Bild: ZDF / Gerd Anhalt

Dieser Vulkanausbruch soll das Ende einer ganzen Kultur gewesen sein. In der Bronzezeit explodierte ein Teil der griechischen Insel Santorin. Bis heute ist allerdings unklar, in welchem Jahr genau es zur Katastrophe kam. Bringt ein Olivenzweig die Lösung?

Der Vulkanausbruch von Thera, wie Santorin einst hiess, war eine Katastrophe von gigantischem Ausmass. Die Eruptionen gehörten zu den gewaltigsten der vergangenen 5000 Jahre. Davon zeugen nicht nur geologische Spuren, sondern auch Wandmalereien, die Leichen und Schiffswracks zeigen.

Der Ascheregen hat im Boden des gesamten östlichen Mittelmeerraums dunkle Schichten hinterlassen. Doch einer Frage konnten die Forscher bis heute nicht genau auf den Grund gehen: In welchem Jahr genau ereignete sich die Explosion?

Die Meinungen gehen weit auseinander. Es gibt Experten, die glauben, es kam zwischen 1500 und 1520 vor Christus zur Eruption, andere sehen den Ausbruch rund hundert Jahre früher. Um Klarheit zu bekommen, versuchten die Wissenschaftler eine ganze Menge. So untersuchten sie etwa stilistische Veränderungen in der Keramik auf Kreta oder gar Spuren des Ausbruchs im grönländischen Eis.

Bringt ein angekokelter Ast die Lösung?

2004 entdeckte ein deutscher Doktorand im Bimsstein der Insel ein angekokeltes Stück Holz. Es war der Ast eines Olivenbaums, er steckte genau in jener Schicht, die durch den Vulkanausbruch entstanden war.

Die  Alter des Holzes lässt sich mit einer C14-Analyse genau datieren, dachten die Forscher. Man müsste nur den äusseren Ring des Stamms untersuchen, der sich kurz vor der Eruption gebildet haben muss. Das Ergebnis lag im Zeitraum von 1630 bis 1600 vor Christus - gut hundert Jahre früher, als es einige angenommen hatten. Eines der grössten Geheimnisse der Archäologie schien gelöst.

Das antike Olivenbaum-Stück. Es sollte die Frage klären, wann es auf Santorin zur Explosion kam.
Bild: Keystone

Olivenbaum-Datierung schwierig

Doch eine neue Studie kommt erneut zu einem anderen Schluss. Die Datierung von Olivenholz entpuppt sich als viel komplizierter als gedacht, wie Forscher um Elizabetta Boaretto im Fachblatt «Scientific Reports» schreiben. Die Wachstumsringe der Bäume eignen sich nicht nur wegen ihrer optischen Unregelmässigkeit bedingt für eine Altersbestimmung. Wird ein Olivenbaum nicht ausreichend mit Wasser und Nährstoffen versorgt, beispielsweise weil seine Wurzeln geschädigt sind, können Teile der Pflanze das Wachstum über mehrere Jahre komplett einstellen. Andere Bereiche der Pflanze können zugleich ganz normal normal weiter wachsen und entsprechend auch Jahresringe entwickeln.

Für die Studie hatte Boaretto jeweils aus dem äusseren Ring von Teilen eines Olivenbaums mehrere Proben genommen, die dann im Labor datiert wurden. Statt eines einheitlichen Ergebnisses gab es eine starke Varianz, mitunter um mehrere Jahrzehnte bei einem Baum.

Das genaue Vulkanausbruchs-Datum scheint also noch immer nicht gefunden zu sein. Doch Gewissheit gibt es immerhin in einem anderen Punkt: Die These vom plötzlichen Ende des in der Region lebenden Volkes der Minoer ist nicht korrekt. Zwar war ein Leben auf Santorin erst mal vorbei. Doch der Niedergang der Minoer im nahen Kreta erstreckte sich auf einen viel späteren Zeitraum, wie Ausgrabungen zeigen.

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