Nach 70 Jahren Funkstille Was Südkoreaner einen Nordkoreaner fragen würden - wenn sie könnten

Von Eric Talmadge und Kim Tong-Hyung, AP

14.2.2018

Sie stellen zwar eine gemeinsame Olympia-Mannschaft. Aber nach Jahrzehnten der Teilung scheinen sie einander fast fremd zu sein. Was würden Südkoreaner einen Nordkoreaner fragen, wenn sie die Chance dazu hätten?

Nach 70 Jahren Teilung fast ohne jede Kontakte sind Nord- und Südkoreaner so auseinandergewachsen, dass sie fast wie Fremde erscheinen. Die Olympischen Spiele in Pyeongchang haben zwar Athleten, Musiker, Sänger und Cheerleader aus dem Norden in den Süden gebracht. Aber strikte Sicherheitsmassnahmen machen es beiden Seiten fast unmöglich, wirklich miteinander zu reden.

Was würden denn Südkoreaner einen Nordkoreaner fragen, wenn sie es könnten? Reporter der Nachrichtenagentur AP haben sich vor einem Spiel des gemeinsamen Frauen-Eishockeyteams der beiden Koreas bei Fans danach erkundigt:

Lee So Mi, 28 Jahre alt und derzeit auf Jobsuche, ist neugierig, würde gern mehr über das Leben in Nordkorea wissen - in einer Gesellschaft, in der es offenbar wenige persönliche Freiheiten gibt. Aber eine Antwort darauf, was sie fragen würde, wenn sie eine Chance dazu hätte, fällt ihr sichtlich schwer: Sie hätte Hemmungen, sich nach dem zu erkundigen, was sie interessiert.

Sind direkte Fragen überhaupt erlaubt?

«Wenn du eine (nordkoreanische) Frau in den späten 20ern bist...Wie soll ich es ausdrücken? Eheleben? Beruf? Ich möchte nach solchen Dingen fragen, etwa danach, ob sie ein gutes Leben haben. (Aber) du kannst sie wirklich nicht so direkt fragen», sagt Lee. Und wenn sie es etwas vorsichtiger formulieren würde, wie würde ihre Fragen dann lauten? Lee lacht und sagt: «Ich weiss nicht! Es ist zu schwierig!»

Der Büroangestellte Kim Jae In hält Nordkorea nicht für schlecht, kreidet ihnen auch nicht den Besitz von Atomwaffen an. «Nordkoreaner gehören derselben Nation an wie wir. Sie verfolgen ihre eigenen Wege um zu überleben. Ich habe nichts Schlechtes darüber zu sagen», erklärt der 54-Jährige.

Fragen würde er gern, ob die Nordkoreaner wirklich eine Wiedervereinigung wollen. «Natürlich würden sich unsere Brüder in Nordkorea das wünschen, aber welche Art von Vereinigung wäre es? Wir im Süden wollen eine demokratische friedliche Vereinigung, während sie vielleicht eine sozialistische wollen. Es könnte Unterschiede geben.»

Park Jin Woo ist 14 Jahre alt und mit seinem Vater, einem Zeitungsreporter, zum Eishockeyspiel gekommen. Er erzählt, dass sich seine Meinung geändert habe, und das nicht nur wegen Olympia. «Ich dachte erst, sie sind schlecht. Aber nachdem ich in der Schule gelernt habe, denke ich jetzt gut über sie. Sie sind nicht Leute mit kaltem Herzen - die Nordkoreaner sind Teil unserer Nation.»

So würde auch dieser Mittelschüler fragen, ob die Nordkoreaner eine Vereinigung mit Südkorea wollten. «Es wäre grossartig für uns alle, wenn wir uns mit unseren Freunden in Nordkorea vereinigen könnten. Ich würde mir gern vorstellen, dass unsere Freunde in Nordkorea denken, dass es eine Vereinigung geben wird, und dass sie wollen, dass es geschieht.»

Zu viele Hürden für eine Vereinigung?

Hong Seong Hun, der Orgeln entwirft, wusste nicht, dass es ein gemeinsames koreanisches Team gibt, als er seine Eishockey-Eintrittskarten reservierte. Die diplomatischen Massnahmen zwischen den Koreas im Zuge der nordkoreanischen Olympia-Teilnahme hätten ihn «fröhlich-ausgelassen» gemacht, «als ob ich wieder ein Kind wäre», so der 59-Jährige. Man wisse zwar nicht viel über den Norden, aber was bekannt sei, deute auf eine wirklich rigide Gesellschaft hin. «Es gibt kein anderes Land wie das auf der Welt. Ich hoffe, dass wir helfen können, jedwede Engstirnigkeit zu ändern, die sie haben mögen.»

Hong meint, dass eine Menge Gespräche nötig wären, um die kulturellen Unterschiede zu überwinden. «Vielleicht können wir mit Essen beginnen - das würde uns helfen, ihre Gedanken und Emotionen zu verstehen und Ansichten ändern, die wir übereinander hatten (...). Wir haben nur oberflächliche Kenntnisse vom nordkoreanischen Essen. Was kann uns Nordkorea durch sein Essen über sich selbst sagen? Vielleicht, wenn wir eine Menge über Essen sprechen, fangen wir an, einander zu verstehen.»

AP-Journalist Kim Tong-Hyung, einer der Interviewer und selber Südkoreaner, hat ebenfalls eine Frage, die er gern stellen würde. «Was würdest du tun, wenn du einen Tag in Seoul hättest? Ich bin wirklich daran interessiert, was sie von der südkoreanischen Kultur denken. Ich glaube, ihre Antwort würde eine Menge darüber offenbaren.»

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