Zu luftiges Kopftuch? Dann eben gar keines – Iranerin beweist Mut

phi

14.1.2020 - 12:04

Zu légère für Orthodoxe: Bayat mit Kopftuch an der Schach-WM der Frauen in Shanghai.
Bild: Twitter/FIDE

Shohreh Bayat steht bei der Schach-WM der Frauen im Fokus, obwohl sie bloss die Schiedsrichterin ist: Nachdem sie im Iran für ihr loses Kopftuch heftig kritisiert wurde, hat die 32-Jährige es nun ganz abgelegt.

Seit dem 5. Januar gibt es in Shanghai die Schach-Weltmeisterschaft der Frauen. Das Ganze ist ein Zweikampf zwischen der Titelverteidigerin Ju Wenjun aus China und der russischen Herausforderin Alexandra Gorjatschkina – und obwohl erst sechs von zwölf Partien gespielt sind, gibt es bei dem Turnier schon jetzt eine grosse Gewinnerin, und zwar die Schiedsrichterin.

Die heisst Shohreh Bayat, ist 32 Jahre alt und kommt aus dem Iran. Weil sie ihren nationalen Verband präsentiert, trug Bayat zu Beginn des Turniers ein Kopftuch. Wie viele andere ihrer Landsfrauen interpretiert die Chef-Schiedsrichterin die islamischen Kleiderregeln aber eher locker – was dann auch für den Sitz ihres Kopftuchs galt.

Das Problem: Iranische Medien machten ihre Haarbedeckung zum Thema, rügten sie für ihr luftiges Outfit und sorgten im Internet für einen Shitstorm.

«Nach dem Turniertag schaute ich auf mein Telefon und sah, dass in iranischen Medien plötzlich über mein Kopftuch berichtet wird», sagte Bayat der ARD. Ihr sei unterstellt worden, sie habe «aus Protest gegen das Kopftuch keines getragen», was die Iranerin jedoch von sich wies.

Keine Sicherheitsgarantie

Dennoch: Der iranische Schachverband verlangte von der 32-Jährigen, sich schriftlich zu entschuldigen und den Kopf fortan streng zu verhüllen. Nachdem Bayat erfolglos versuchte, vom Verband eine schriftliche Garantie für ihre Sicherheit nach einer Rückkehr zu bekommen, musste sie eine Entscheidung fällen – und entschied sich, Mut zu beweisen: Nun tritt sie ohne Haarbedeckung auf.

«Mir war klar, dass es nicht sicher für mich ist, zurückzukehren, und dass es nun auch keinen Unterschied mehr macht, ob ich das Kopftuch trage oder nicht.»

Aus Angst vor Gängelung und Strafe wird Bayat nach dem Ende der WM vorerst nicht wieder in ihre Heimat fahren.

Rückendeckung bekommt die Unparteiische vom Weltschachverband FIDE, dessen Vize Nigel Short sich um ihre Sicherheit sorgt. Bayat sei eine sehr professionelle Schiedsrichterin, die tadellose Leistungen abliefere, so Short.

Auch wenn ihre Regierung das anders sieht, der einen oder anderen Frau wird Bayat im Iran ein Vorbild sein.

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