200 Bestellungen für Boeings 737 – Amerikaner überflügeln Airbus

phi

18.6.2019

Nachdem Boeing zuletzt keinerlei Bestellungen verzeichnen konnte, ruhen alle Hoffnungen auf der Paris Air Show. Fakt ist: Auch bei Airbus spüren die Verkäufer, dass der Markt gesättigt scheint.

Sie ist mit 110 Dienstjahren die älteste Luftfahrtschau der Welt – und die grösste obendrein: Seit dem 17. Juni steigt auf dem Pariser Flughafen Le Bourget die Paris Air Show 2019. Der «Salon du Bourget» findet in den ungeraden Jahren statt, während die zweitgrösste Branchenmesse in Farnborough, England, und die Internationale Luftfahrtausstellung Berlin in den geraden Jahren veranstaltet werden.

In den vergangenen Jahren haben die grossen Flugzeugbauer auf diesen Messen immer mit Grossaufträgen glänzen können: Airbus wie Boeing vermeldeten zuletzt Aufträge in der Grössenordnung von 500 Maschinen und Optionen auf 700 weitere Modelle, weiss «CNN». Doch 2019 herrscht an der Verkaufsfront bisher Flaute (siehe unten stehendes Update).

Keine Neuaufträge für Boeing

Airbus kann zum Beginn der Branchenschau kleinere Erfolge verbuchen: Nach der Vorstellung des neuen A321XLR bestellte als erste Fluggesellschaft Middle East Airlines vier der Langstreckenjets. Die Air Lease Corporation beschert den Europäern den bis dato grössten Auftrag: Sie ordert 27 Maschinen des neuen Typs sowie 50 A220-300 und bis zu 23 A321 Neo. Virgin Atlantic bestellt acht A330-900 und sichert sich eine Option auf sechs weitere Exemplare.

Und Boeing? Die Amerikaner heben nach dem Drama um die 737 Max einfach nicht mehr ab: Am Firmensitz in Chicago, Illinois, ging nicht ein einziger neuer Auftrag ein, nachdem schon im April und Mai keine Bestellungen zu verzeichnen waren. Eine Leasinggesellschaft kaufte zwar bei der Paris Air Show zehn Boeing 737-800, doch dabei handelt es sich um zu Frachtern umgebaute Passagiermaschinen älteren Baujahrs, die nicht als neue Bestellung zählen.

«Die Leute haben, was sie brauchen»

«Anscheinend will niemand der Erste sein, der eine Max ordert», analysiert Cai von Rumohr die Lage. Der Luftfahrtexperte von der Investmentbank Cowen glaubt, dass nun ein Eisbrecher gefragt ist – etwa in der Form von Preisnachlässen. «Es ist im Interesse von Boeing wie auch der Max-Kunden, dass das Vertrauen in das Flugzeug wiederhergestellt wird.»

Es gibt aber auch noch einen grösseren Zusammenhang, glauben Experten: Die beiden Konzerne haben demnach das Maximum in der Branche in den letzten Jahren ausgereizt. «Jeder, der ein Schmalrumpfflugzeug der nächsten Generation will, hat schon einen bestellt», meint Richard Aboulafia von der Teal Group. «Es gibt noch 11'000 offene Bestellungen. Die Leute haben, was sie brauchen.»

Update 18. Juni, 17:30 Uhr

Riesenauftrag für den krisengeschüttelten Flugzeugbauer Boeing: Der British-Airways-Mutterkonzern IAG will auf einen Schlag 200 Mittelstreckenjets der 737-Max-Reihe bestellen, obwohl für den Typ ein weltweites Flugverbot gilt. Bei der Kaufvereinbarung handelt es sich zunächst um eine Absichtserklärung: IAG vermeidet es dabei, die Maschinen als «Max» zu bezeichnen, die bei Vueling, Level und British Airways eingesetzt werden sollen.

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