Das schmutzige Geschäft mit Schweizer Gold

tali

10.1.2019 - 13:34

Gold, das in der Schweiz eingeschmolzen wurde, ist wegen seiner Reinheit gefragt. Aber in manchen Fällen vermutlich trotzdem schmutzig.
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Ist die Schweiz ein riesiger Umschlagplatz für Blutgold? Einem Report zufolge macht sich die Regierung darüber Sorgen – aber zieht laut Menschenrechtlern nicht die richtigen Schlüsse.

Uhren und Schokolade mögen die ersten Dinge sein, die bei der Frage nach den wichtigsten Handelsgütern der Schweiz in den Sinn kommen. Tatsächlich gibt es jedoch ein Schweizer Exportgut, dass international viel gefragter ist: Gold. Gold mit einem Reinheitsgehalt von 99,95 Prozent, rein genug, um an der Londoner Börse gehandelt zu werden.

Obwohl die letzte Schweizer Goldmine 1961 geschlossen wurde, hat sich die Schweiz zum Hauptumschlagplatz des Edelmetalls entwickelt: 70 Prozent des weltweit geförderten Goldes landen jährlich in einer der hiesigen Raffinerien. Vier davon zählen zu den neun grössten der Welt. Allein im Jahr 2017 macht der Handel mit Gold 31 Prozent der Schweizer Importe und 24 Prozent der Exporte aus. Damit ist die Goldindustrie nach der Pharmaindustrie die zweitstärkste des Landes – und gleichzeitig wohl die mit dem grössten Image-Problem.

Woher stammt das Gold wirklich?

Immer wieder werfen Menschenrechtsorganisationen den Raffinieren vor, Gold zu verabeiten, dass unter höchst zweifelhaften Bedingungen abgebaut wurde: etwa in Minen, in denen Bergleute in menschenunwürdigen Verhältnissen arbeiten, oder für deren Erschliessung ganze Landstriche entvölkert wurden.

Dass ein Teil des in der Schweiz verarbeiteten Goldes Blutgold sein könnte, räumt einem Bericht von «Swissinfo» zufolge inzwischen auch die Regierung ein. Nur zieht sie aus dieser Einsicht nicht die richtigen Schlüsse, beklagt Marc Ummel vom Schweizer Hilfswerk Swissaid.

So sei es zwar Pflicht, die Herkunft des Goldes bei seiner Ankunft in der Schweiz auszuweisen, in der Praxis jedoch werde jedoch nur das Land erfasst, dass den Rohstoff verkauft, nicht das, in dem er gefördert wurde. Rund die Hälfte der Schweizer Goldimporte stammt aus Grossbritannien, den Vereinigten arabischen Emiraten und Hong Kong – Ländern, in denen gar kein Gold gefördert wird: «Die Regierung muss von der Zollverwaltung verlangen, den wahren Ursprung ankommender Waren zu ermitteln und nicht nur das letzte Land, das sie exportierte», fordert Ummel.

Wo das Rohgold herstammt, ist oftmals nicht bekannt.
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Gehen Wirtschaftsinteressen vor?

Rein theoretisch sollte das kein Problem sein: «Die Unternehmen, die Gold in der Schweiz einschmelzen lassen, wissen genau, wo ihr Rohgold herkommt», meint der Experte. «Sie wollen es nur nicht sagen».

Über die Gründe, warum nicht genauer nachgefragt wird, kann Ummel nur spekulieren: «Die Regierung betont, wie hart die internationale Konkurrenz ist, in der die Schweizer Wirtschaft bestehen muss», erklärt er. «Um das Geschäft ein einem Sektor, der ein Drittel aller Importe und ein Viertel aller Exporte ausmacht, will die Regierung wohl keine weiteren Hürden schaffen und hat darum kaum geneigt, die Dinge aufzuklären».

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