Der Mann, der die Credit Suisse ins Verderben gestürzt hat

tafi

6.4.2021

Bill Hwang erklärte in einem Video bei Youtube, warum er niemals aufhören will, riskant zu investieren.
Screenshot Youtube

Die Credit Suisse war gewarnt: Mit dem Archegos-Fonds von Bill Hwang Geschäfte zu machen, war hochriskant. Der Name des Finanzjongleurs lässt in der Branche die Alarmglocken schrillen.

tafi

6.4.2021

Er brockte der Credit Suisse Milliardenverluste ein: Dabei stand Bill Hwang (56) bei vielen Investmentbanken seit Jahren auf der schwarzen Liste. Der ehemals gefeierte Hedgefonds-Manager wurde 2012 in den USA wegen Insiderhandels mit mehr als 40 Millionen Dollar gebüsst. In Hongkong wurde er 2014 sogar vom Börsenhandel ausgeschlossen.

Trotzdem machte Bill Hwang weiter Geschäfte, unter anderem mit der Credit Suisse. Die Grossbank gewährte seiner Privatfirma Archegos Capital Investment Milliardenkredite – das fliegt ihr jetzt um die Ohren und kostet nicht nur CS-Präsident Urs Rohner mutmasslich den Bonus. Aber das Geschäft mit Hwang schien einfach zu lukrativ.



Dabei hätten die Banken gewarnt sein müssen. Als Schüler des legendären Hedgefonds-Managers Julian Robertson machte Hwang sein Vermögen mit äusserst riskanten Wetten am Aktienmarkt. Das funktionierte auch sehr gut – bis 2012. Nach der Strafe durch die US-Börsenaufsicht musste Hwang seinen Hedgefonds zwar schliessen, hatte aber privat ein erkleckliches Vermögen aufgebaut, mit dem er Archegos Capital Investment gründete.

Weil Archegos nur das Privatvermögen von Bill Hwang verwaltet, bei vielen Deals nicht als Käufer namentlich in Erscheinung trat und keiner Meldepflicht unterlag, konnte sich das Finanzvehikel relativ unbehelligt von Aufsichtsbehörden entwickeln. Hwang zog im Hintergrund die Strippen und innert nicht einmal eines Jahrzehnts wuchs sein Vermögen von 200 Millionen Dollar auf mehr als 10 Milliarden. Nur um in wenigen Tagen komplett vernichtet zu werden.

Der liebe Gott und das viele Geld

Vielen Banken war offenbar zunächst nicht klar, mit wem sie Geschäfte machten. Wenn doch, warfen sie irgendwann die Bedenken über Bord: So wie Goldman Sachs, wo Hwang 2018 von der schwarzen Liste gestrichen wurde. Mit Archegos liess sich einfach zu gutes Geld verdienen.

Ohnehin ist nicht viel über Bill Hwang bekannt. Sicher ist nur, dass er als Sohn eines südkoranischen Priesters in seiner Jugend in die USA auswanderte und bei McDonald's arbeitete. Bis heute ist der fromme Christ beim evangelikalen Fuller Theological Seminary im kalifornischen Pasadena aktiv – und bezeichnet den Glauben als Antrieb seines Handelns: «Ich werde nicht aufhören, zu investieren und zu arbeiten, solange Gott mich lässt.»