Mieter müssen 2020 weniger bezahlen – aber nicht überall 

sda/tafu

19.12.2019

Mietinteressenten stehen Schlange, um eine Wohnung in Zürich zu besichtigen. 
Archivbild: Keystone

Mieter in der Schweiz können im kommenden Jahr auf sinkende Kosten hoffen. Weil es mehr Leerstand gibt, dürften die Mietpreise besonders in ländlichen Gegenden sinken.

Das Jahr 2020 könnte für Mieter in der Schweiz günstiger werden, denn glaubt man den Einschätzungen von Experten, sinken die Mieten in den kommenden Monaten. Grund dafür seien wachsende Leerstände und sinkende Zinsen, berichtet der «Tages-Anzeiger» und bezieht sich auf den «Immobilien-Almanach 2020» des Beratung- und Forschungsunternehmens Fahrländer Partner Raumentwicklung.

Was sich in diesem Jahr abzeichnete, wird sich 2020 fortsetzen. Auch nach Ansicht der Immobiliendienstleister IAZI macht die Zunahme der Leerstände die Vermietung von Wohnungen «anspruchsvoll». Angesichts der Bautätigkeit und des bestehenden Leerstands dürften auch in Zukunft immer mehr Wohnungen leer stehen.



Wachsender Leerstand

Nach Berichten des «Tages-Anzeiger» geht die Credit Suisse von einer Zunahme von 5’000 bis 8’000 leer stehenden Wohnungen aus. Bereits im Juni 2019 waren 3’000 Wohnungen mehr verwaist als im Vorjahreszeitraum.

Allerdings betreffe der Leerstand vor allem die ländlichen Gegenden – in den grossen Zentren wie Zürich oder Genf werden Mietwohnungen nach wie vor rar sein. «Wir gehen davon aus, dass die Mieten auch im kommenden Jahr regional weiter sinken», erklärt Claudio Saputelli, Immobilienexperte bei der UBS.

Doch auch in den Zentren können Mieter auf günstige Wohnungen hoffen. Wegen der anhaltend tiefen Zinsen dürfte im zweiten Quartal 2020 der für die Mietpreise relevante Referenzzinssatz gesenkt werden, was zu einem Rückgang der Mieten um rund 3 Prozent führen werde.



Höhere Mieten durch Sanierungen

Auf der anderen Seite könnte der anhaltende Tiefzins Investoren dazu bringen, auf anderem Wege ihre Rendite zu verbessern. So werde einerseits durch den Kauf von Immobilien, andererseits durch Renovationsarbeiten an bestehendem Eigentum versucht, den Profit zu erhöhen.

Für renovierte Wohnungen könne mehr Miete verlangt werden – alteingesessene Mieter können die Mieten nicht mehr zahlen und werden aus ihren Quartieren gedrängt, erklärt der Chef der Beratungsfirma Fahrländer Partner Raumentwicklung, Stefan Fahrländer, dem «Tages-Anzeiger». «Ich vermute, dass die Regulierung auf dem Mietermarkt weiter zunehmen wird.»



Zurückverteilung von Mehrkosten

Ein weiterer Faktor, der die Mieten im neuen Jahr beeinflussen könnte, sind Gesetze und Regelungen. Besonders das neue CO2-Gesetz, mit dem der Klimawandel bekämpft werden soll, dürfte für Mehrkosten auf dem Wohngebäudepark der Schweiz von rund 1,4 Milliarden Franken im Jahr führen, sagte IAZI-Chef Donato Sconamiglio im November.

Diese Mehrkosten von rund 2 bis 3 Prozent dürften zwar meist auf die Mieter überwälzt werden. Ein Grossteil der Erträge aus der CO2-Abgabe werde aber wieder über die Krankenversicherer und die AHV-Ausgleichskassen an die Bevölkerung zurückverteilt.

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