Ölpreiskrieg

Panik ergreift den Schweizer Aktienmarkt – so reagieren Anleger

SDA/tsha

9.3.2020

Die Aktienkurse befinden sich im freien Fall. Anleger weichen deshalb auf andere Anlageformen aus.

Panik hat die Aktienmärkte ergriffen: Saudi-Arabien und Russland sind miteinander in einen Ölpreiskrieg getreten, nachdem sich die OPEC und ihre Kooperationspartner nicht auf eine weitere Beschränkung der Rohölproduktion einigen konnten. Die Ölpreise sind am Montag um etwa 30 Prozent in die Tiefe gerauscht.

Der Swiss Market Index (SMI) reagierte mit Kursverlusten von zeitweise mehr als sechs Prozent im frühen Handel. Er folgte damit den Kurseinbrüchen in Asien. Aktuell hat der Leitindex damit innerhalb von zwei Handelstagen zehn Prozent verloren, da er sich bereits am Freitag mit einem deutlichen Minus ins Wochenende verabschiedet hatte.

Im Laufe des Wochenendes haben dann die Nachrichten zum Coronavirus gezeigt, dass es sich immer weiter ausweitet und damit ein Abschätzen der wirtschaftlichen Folgen immer schwieriger wird. Im besonders stark betroffenen Italien sind ganze Regionen und Städte im Norden abgeriegelt worden.

SMI sackt deutlich ab

Gegen 9.20 Uhr am Montag sackte der SMI um 5,69 Prozent ab auf 9'183,06 Punkte. Prozentual zweistellig ging es zeitweise für Finanzwerte abwärts. UBS und Credit Suisse verloren im frühen Handel zehn Prozent und sind damit auf unter neun Franken gefallen. Für die Belastung sorgen die sinkenden Renditen der US-Staatsanleihen: Tiefe Renditen bedeuten auch tiefere Einnahmen für die Finanzinstitute. Ebenso deutlich kamen noch konjunktursensible Werte wie AMS (-9,2%) und ABB (-8,8%) unter die Räder. Am breiten Markt warfen Investoren unter anderem die Aktien von Sulzer, die stark vom Ölmarkt abhängig sind, im grossen Stil auf den Markt. Die Aktien brachen um ein Viertel ein.



Angesichts dieser Entwicklungen flüchten sich Anleger aus Aktien in als sicher geltende Staatsanleihen. In Ländern wie Deutschland und den Niederlanden gaben die Renditen deutlich nach. Die Rendite zehnjähriger deutscher Anleihen fiel um 0,13 Prozentpunkte auf minus 0,846 Prozent. Besonders stark stiegen die Kurse von US-Anleihen. Bereits am Freitag hatten die US-Staatspapiere deutlich zugelegt. Insbesondere Anleihen mit einer langen Laufzeit legten weiter kräftig zu. Dagegen wurden italienische Staatsanleihen zu Beginn der Woche massiv verkauft. Hier stieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen um 0,22 Prozentpunkte auf 1,29 Prozent.

Gold auf höchstem Stand seit 2012

Auch am Devisenmarkt setzten Anleger auf sichere Häfen: Der Schweizer Franken und der japanische Yen legten zu. So fiel der Euro etwa zum Franken am Montagmorgen auf 1,0551 Franken – ein Stand, der zuletzt im Sommer 2015 erreicht wurde. Der US-Dollar notierte mit 0,9252 Franken um mehr als einen Rappen unter seinem Stand von Freitagabend. Kurzzeitig war er im frühen Handel gar bis auf 0,9183 Franken gefallen.



Gefragt war in diesem Umfeld auch der Euro. Gegenüber dem US-Dollar stieg er am Montag im frühen Handel zeitweise auf den höchsten Stand seit über einem Jahr. So ging er zeitweise für 1,1495 US-Dollar über den Tisch, bewegte sich zur Berichtszeit aber bei 1,1405 Dollar wieder klar tiefer.

Die klare Dollarschwäche erklärten Händler mit dem Zinssenkungsspielraum der US-Notenbank. Zudem wird in den USA viel Schieferöl produziert. Auch weitere Währungen von Ländern, die stark vom Rohöl abhängig sind, gerieten unter Druck. So fielen die norwegische Krone und der kanadische Dollar. Zulegen konnte auch der Goldpreis. Das Edelmetall stieg auf mehr als 1'700 Dollar je Feinunze. Das war der höchste Stand seit Dezember 2012.

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