Schweizer Unternehmen starten trotz Pandemie durch

Von Kaspar Wolfensberger, AWP

15.8.2021

Das Logo des Logistikunternehmens Kuehne und Nagel, aufgenommen auf einem Model eines Airbus A380 am Montag, 5. Maerz 2012 in Zuerich. Wie der Logistikkonzern mitteilte, ist der Umsatz um 3,3 Prozent auf 19,6 Milliarden Franken gesunken. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)
Das Logo des Logistikunternehmens Kühne+Nagel ziert das Model eines Airbus A380. 
Bild: Keystone/Alessandro Della Bella

Schweizer Unternehmen sind mit viel Schwung aus der Corona-Krise gekommen. Das Wachstum fiel in vielen Fällen sogar stärker aus als von Experten erwartet worden war.

Von Kaspar Wolfensberger, AWP

15.8.2021

Nach einem langen Winter mit harten Lockdowns atmete die Welt im Frühling auf: Läden wurden wieder geöffnet, die weltweiten Warenströme kamen wieder in Gang, und auch der Tourismus erholte sich – wenn auch zaghaft und auf tiefem Niveau. Dazu profitierte die Weltwirtschaft von staatlichen Konjunkturprogrammen in vielen Ländern.

Diese Erholung zeigt sich auch an den Halbjahresabschlüssen der grossen Schweizer Firmen, die dieser Tage veröffentlicht werden. Die Umsätze zogen zumeist an.

Schätzungen übertroffen

Doch ging es nicht nur schwungvoll aufwärts, die meisten Gesellschaften übertrafen auch die Erwartungen der Bankenanalysten, wie eine Datenauswertung der Nachrichtenagentur AWP zeigt.

Beim Umsatz etwa überrundeten fast vier von fünf an der Schweizer Börse SIX kotierten Firmen die durchschnittlichen Schätzungen. Zwei von fünf lagen selbst über den kühnsten Prognosen. Noch ausgeprägter präsentiert sich das Bild beim Gewinn, wo zwei von drei Firmen die Bandbreite sämtlicher Schätzungen übertrumpften.



Dabei sticht etwa der Logistikkonzern Kühne+Nagel heraus, der mit seinem Rekordumsatz die Analysten auf dem falschen Fuss erwischte. Doch auch den Pharmakonzernen Roche und Novartis, dem Luxusgüterhersteller Richemont sowie den Industriefirmen ABB, Schindler, Sika sowie Georg Fischer gelang es, die Schätzungen deutlich zu übertrumpfen.

Beim Gewinn auf operativer Ebene tut sich vor allem die Grossbank UBS hervor. Sie erzielte im zweiten Quartal einen Gewinn vor Steuern von 2,59 Milliarden Franken. Die Finanzanalysten hatten bloss einen Wert von knapp 1,9 Milliarden erwartet.

Was heisst das für die Zukunft?

Die guten Resultate spiegeln sich vielfach in den Aktienkursen. Der Schweizer Aktienmarkt – gemessen am Leitindex SMI – reihte zuletzt Rekordhoch an Rekordhoch. 

Mit Blick nach vorne ist nun gemäss Experten trotzdem Vorsicht angesagt. Die Liste von potenziellen Risiken sei lang, frische Impulsgeber seien nicht in Sicht, schrieb etwa Raiffeisen Schweiz in einem Marktkommentar.

Andere Experten wie etwa Equity Stratege Wolf von Rotberg von der Bank J. Safra Sarasin meinen derweil, dass gerade die besseren Zahlen der Unternehmen die Kurse nochmals steigen lassen könnten. Denn die Analysten überarbeiteten nun ihre Prognosen – und würden wohl den einen oder anderen Titel zusätzlich zum Kauf empfehlen.

Diese positiven Bewertungen bergen aber auch eine Gefahr in sich, heisst es an der Börse. Mahner vergleichen die aktuelle Situation mit dem Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende. Analysten hätten damals die Börsenhysterie befeuert und Anleger in Schrottaktien getrieben – die Quittung folgte prompt.