Starke Erholung in den USA beflügelt die Weltwirtschaft

SDA

6.4.2021 - 19:25

ARCHIV - 11.04.2020, China, Erenhot: Ein Mann rangiert Container für die Weiterverladung in einer Logistikstation.      (zu dpa "IWF will Prognose für Wachstum der Weltwirtschaft erhöhen") Foto: Lian Zhen/XinHua/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Trotz Pandemie soll die Weltwirtschaft in diesem Jahr stark wachsen.
Lian Zhen/XinHua/dpa (Symbolbild)

Trotz Pandemie soll die Weltwirtschaft in diesem Jahr stark wachsen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) zeigt sich optimistisch und verweist auch auf die Impfungen. Profitieren dürften aber vor allem die reicheren Industrieländer.

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6.4.2021 - 19:25

Dank Impfungen und Konjunkturpaketen soll die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 6 Prozent wachsen. Das sind 0,5 Prozentpunkte mehr als noch im Januar angenommen, wie der IWF am Dienstag mitteilte. Es war seit Oktober bereits die zweite Erhöhung der Prognose.

Das Wachstum wird 2021 vor allem von einer starken Erholung in den USA, der weltgrössten Volkswirtschaft, angetrieben. Im kommenden Jahr soll die globale Wirtschaft dann um 4,4 Prozent wachsen, eine Erhöhung der Prognose um 0,2 Punkte.

Wachstumslokomotive USA

Die höheren Wachstumserwartungen begründete IWF-Chefvolkswirtin Gita Gopinath mit den Impfungen, einer stärkeren Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft und Massnahmen zur Stützung von Konjunktur und Arbeitsmarkt. «Trotz der hohen Unsicherheit über den Verlauf der Pandemie ist ein Ausweg aus dieser Gesundheits- und Wirtschaftskrise zunehmend sichtbar», erklärte Gopinath.

Dabei gibt es eine klare Wachstumslokomotive: Für die USA hebt der IWF seine Prognose für dieses Jahr um 1,3 Punkte auf 6,4 Prozent an. Damit würden sie bereits 2021 ein höheres Bruttoinlandsprodukt (BIP) als noch vor der Pandemie erreichen. Für 2022 erwartet der IWF in den USA ein um einen Punkt höheres Wachstum von 3,5 Prozent.

Ein Grund für das starke Wachstum ist das jüngst beschlossene Konjunkturpaket im Volumen von rund 1,9 Billionen US-Dollar. Das Paket entspricht fast zehn Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung. Zudem geht es mit dem Impfen voran: Präsident Joe Biden hat versprochen, bis Ende Mai genügend Impfstoff für alle rund 260 Millionen Erwachsenen zu haben.

Für die Eurozone hebt der IWF seine Prognose für dieses und kommendes Jahr um jeweils 0,2 Punkte an: 2021 soll die Wirtschaft um 4,4 Prozent wachsen und 2022 um 3,8 Prozent. China, die weltweit zweitgrösste Volkswirtschaft, die die Pandemie weitgehend unter Kontrolle hat, dürfte laut IWF 2021 um 8,4 Prozent wachsen.

Entwicklungsländer fallen zurück

Die wirtschaftliche Erholung wird ungleich verlaufen. Den Entwicklungs- und Schwellenländern fällt es schwer, die Corona-Krise zu überwinden, weil sie nicht genügend Geld für Massnahmen zur Stützung der Konjunktur haben. Zudem stehen die ärmeren Länder bei der Verteilung der Impfstoffe eher am Ende der Schlange.

Das Pro-Kopf-Einkommen dieser Länder – unter Ausschluss Chinas – soll von 2020-2022 im Vergleich zum Jahr vor der Pandemie um 20 Prozent niedriger sein. In industrialisierten Ländern liegt dieser Wert bei 11 Prozent. «Das hat Erfolge bei der Reduzierung der Armut rückgängig gemacht», schrieb Gopinath. Die Zahl der in extremer Armut lebenden Menschen soll 2020 um 95 Millionen gestiegen sein.

Der IWF forderte die internationale Gemeinschaft auf, Corona-Impfstoffe weltweit verfügbar zu machen und bei der Überwindung der Krise zusammenzuarbeiten. «Ohne zusätzliche Anstrengungen, allen Menschen eine faire Chance zu geben, könnte sich die Kluft zwischen den Lebensstandards verschiedener Länder deutlich erweitern, und seit Jahrzehnten bestehende Trends der weltweiten Verringerung der Armut könnten sich umkehren», warnte Gopinath.

Schlimmeres verhindert

Die vergleichsweise hohe IWF-Wachstumsprognose liegt zum Teil auch daran, dass viele Staaten im Vorjahr wegen der Corona-Krise eine Rezession von historischem Ausmass erlebt hatten und nun wieder aufholen. Laut IWF brach die globale Wirtschaft 2020 um 3,3 Prozent ein. Ohne staatliche Unterstützung von rund 16 Billionen Dollar weltweit hätte der wirtschaftliche Einbruch im vergangenen Jahr «dreimal so schlimm» ausfallen können, erklärte der IWF.