180-Grad-Wende

Biden stellt Klimaschutz ins Zentrum der US-Aussenpolitik

dpa/toko

27.1.2021 - 21:03

«Wir haben mit dieser Klimakrise schon zu lange gewartet. Wir können nicht länger warten», sagt der neue US-Präsident Joe Biden.
dpa

Präsident Biden vollzieht eine 180-Grad-Wende im Vergleich zur Klimapolitik seines Vorgängers Trump. Biden will die USA an die Spitze der internationalen Klimaschutzbemühungen setzen. Daran sollen sich künftig auch die Sicherheits- und Aussenpolitik ausrichten.

Der neue US-Präsident Joe Biden macht den Klimaschutz zu einem zentralen Bestandteil der Aussen- und Sicherheitspolitik der Weltmacht USA. Biden unterzeichnete eine entsprechende Verfügung sowie weitere Anordnungen, die seine ambitionierte Klimaschutzpolitik vorantreiben sollen.

«Wir haben mit dieser Klimakrise schon zu lange gewartet. Wir können nicht länger warten», sagte Biden. «Es ist Zeit zu handeln.» Der Demokrat – der den Klimawandel erneut als «existenzielle Bedrohung» einstufte – markiert mit seinen neuen Massnahmen einen weiteren Bruch mit der Politik seines republikanischen Vorgängers Donald Trump.

180-Grad-Wende

Trump hatte wiederholt Zweifel am Klimawandel geäussert. Er kündigte die Mitgliedschaft der USA im Pariser Klimaabkommen. Am ersten Tag im Amt hatte Biden am 20. Januar die Rückkehr zu dem Abkommen eingeleitet, dem die USA vom 19. Februar an wieder angehören werden. Der neue Präsident betonte am Mittwoch: «Wir brauchen dringend eine einheitliche nationale Antwort auf die Klimakrise.» Die USA müssten sich weltweit an die Spitze der Klimaschutzbewegung stellen, weil sie die Bedrohung nicht alleine bewältigen könnten.



«Diese Präsidentenverfügung, die ich heute unterschreibe, macht es auch offiziell, dass der Klimawandel das Zentrum unserer nationalen Sicherheits- und Aussenpolitik sein wird», sagte Biden.

«Wir werden auf die Wissenschaft hören»

Mit der Verfügung wird US-Geheimdienstkoordinatorin Avril Haines angewiesen, einen Bericht über die Sicherheitsauswirkungen des Klimawandels zu erstellen. Ausserdem bekräftigt die Biden-Regierung, dass die USA bei der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens eine Führungsrolle einnehmen werden. Biden will nach Angaben des Weissen Hauses am Tag der Erde am 22. April einen internationalen Klimagipfel einberufen – in welcher Form das Spitzentreffen stattfinden soll, ist noch offen.

Biden betonte: «Wir werden auf die Wissenschaft hören.» In einem von ihm am Mittwoch unterzeichneten Memorandum ordnete er an, dass Bundesbehörden sich bei ihren Beschlüssen von wissenschaftlichen Erkenntnissen leiten lassen müssen. Der Einfluss der Politik auf die Wissenschaft soll beschnitten werden. «Unzulässige politische Einmischung in den wissenschaftlichen Prozess, in die Arbeit von Wissenschaftlern und in die Kommunikation wissenschaftlicher Fakten untergräbt das Wohlergehen der Nation, trägt zu strukturellen Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten bei und verletzt das öffentliche Vertrauen», teilte das Weisse Haus mit.



Biden hat Ex-Aussenminister John Kerry zum Klima-Sonderbeauftragten ernannt, der in dieser Funktion dem Nationalen Sicherheitsrat im Weissen Haus angehört. «Die Welt wird uns daran messen, was wir hier zu Hause tun können», sagte Kerry am Mittwoch. «Man kann das Problem nicht allein lösen, aber unser Tun macht einen enormen Unterschied.» Kerry betonte, beim Klimaschutz könne nicht mehr auf dem Spiel stehen als derzeit. Es gehe nun darum, die verlorenen letzten vier Jahre wettzumachen. Auch Biden kritisierte den «Schaden», der unter der Vorgängerregierung von Präsident Trump angerichtet worden sei.

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