Das müssen Sie über Cyanobakterien wissen

uri

16.9.2020 - 18:04

Ein Mann schaut Ende Juli auf den wegen einer Blaualgenblüte geschlossenen Strand bei Boudry am Neuenburgersee. Zuvor waren sechs Hunde an den Folgen einer Vergiftung gestorben. (Archiv)
Bild:Keystone

Neuenburgersee, Luganersee, Moossee und zuletzt der Zürichsee: In immer mehr Schweizer Gewässern wird vor giftigen Blaualgen gewarnt. «Bluewin» erklärt, was es damit auf sich hat.

Darum geht es

Bei traumhaftem Spätsommerwetter trüben derzeit sogenannte Blaualgen das Badevergnügen in mehreren Schweizer Seen: Nachdem Ende Juli mehrere Hunde nach einem Bad im Neuenburgersee gestorben sind, warnte das Tessiner Gesundheitsdepartement Anfang August vor dem Baden im Luganersee. 

Zuletzt wurde vermutet, dass ein Hund verendete, weil er mit Blaualgen belastetes Wasser aus dem Mossee im Kanton Bern getrunken hat. Nachdem die Blaualgen im Zürichsee vor Horgen und Wädenswil aufgetaucht sind, wurde auch hier eine Warnung der Baudirektion an Schwimmer ausgesprochen.

Was sind Blaualgen und wo kommen sie vor?

Auch wenn der landläufige Name etwas anderes suggeriert, sind Blaualgen eigentlich gar keine Algen. Weil die mikroskopisch kleinen Lebewesen über keinen Zellkern verfügen, werden sie wissenschaftlich korrekt inzwischen den Bakterien zugeordnet.

Diese sogenannten Cyanobakterien gehören nicht nur zu den ältesten Lebensformen der Erde wie das Wasserforschungsinstitut Eawag des ETH Bereichs aufklärt, sondern kommen in niedriger Konzentration sowohl im Wasser als auch an Land «sehr häufig vor». Lediglich unter speziellen Bedingungen, vor allem im Sommer und Herbst, verbreiten sich Blaualgen in Seen massenhaft. Dann spricht man von einer «Blüte». In fliessenden Gewässern findet man sie hingegen nicht in kritischer Konzentration.

Wie giftig sind Cyanobakterien?

Weltweit existieren etwa zweitausend Arten von Blaualgen, wobei gerade einmal rund 40 von ihnen giftige Stoffwechselprodukte bilden, die für Mensch und Tier schädlich werden können. Einzelne dieser Cyanotoxine können das Nervensystem oder die Leber schädigen, den Magen-Darm-Trakt und das Immunsystem beeinflussen, oder unter Umständen auch das Tumorwachstum begünstigen.

Cyanobakterien werden allerdings erst bei entsprechender Konzentration im Wasser für Menschen – und dann vor allem für Kleinkinder – schädlich. Bei Hautkontakt sind dann Symptome wie Hautausschlag und gerötete Augen möglich, bei Verschlucken und Aspiration des Wassers auch Atembeschwerden, Übelkeit und Durchfall.

Blaualgen sind eher grün als blau. Wer sie im Gewässer entdeckt, sollte Kinder und Hunde fernhalten.
handout LAGeSo/dpa

Tödlich sein können die Toxine der Bakterien indes für Haus- und Nutztiere, vor allem für Hunde, wenn diese grössere Mengen des verunreinigten Wassers zu sich nehmen. Kranke oder verendete Hunde, die sich an Seen aufhielten, gelten deshalb häufig auch als Indikatoren für eine starke Belastung des Gewässers mit Blaualgen.

Beispielsweise wurde im Jahr 2017 in Berlin längere Zeit nach einem Hundehasser gefahndet, der mehrere Tiere mittels Giftködern getötet haben soll. Dann stellte sich jedoch heraus, dass alle Vierbeiner im Tegeler See gebadet hatten und hier in Kontakt mit dem für sie tödlichen Nervengift von Blaualgen gekommen waren.

Warum gibt es derzeit so viele Blaualgen?

Zur massenhaften Vermehrung der Cyanobakterien kommt es vor allem in längeren Schönwetterperioden, wie wir sie derzeit erleben. Gerade im Spätsommer und im Herbst herrschen für die Blaualgen laut dem Eawag ideale Bedingungen: «ruhiges, warmes Wasser, starke Sonneneinstrahlung und ausreichend Nährstoffe (Stickstoff und Phosphor)».

Hat die Erderwärmung damit zu tun?

Experten gehen davon aus, dass auch der Klimawandel die Häufigkeit und Dauer von Cyanobakterienblüten weltweit erhöhen wird. In der Schweiz seien alle rund 1'500 Seen mehr oder minder stark von der Erderwärmung betroffen, berichtete dazu SRF. Zudem gelangen durch Kläranlagen und Überdüngung in der Landwirtschaft auch hierzulande zu viel Phosphor und anderer Stickstoff in die Gewässer. Diese Stoffe begünstigen das Wachstum der Algen stark.

Wie kann man sich schützen?

Eine hohe Cyanobakterien-Konzentration in Gewässern kann sich laut den Eawag-Experten durch verschiedene Anzeichen ankündigen. Dazu gehöre, dass das Wasser muffig oder erdig rieche, sich hier Schaum, Schlieren und Algenmatten bildeten oder man seine eigenen Füsse im trüben Wasser nicht mehr sehen könne. In solchen Fällen solle man das Wasser meiden.

Was ist nach dem Kontakt zu tun?

Haustiere sollen von grünlichen Gewässern ferngehalten werden. Sie sollen hier also weder schwimmen noch trinken. Sind sie bereits mit verdächtigem Wasser in Kontakt gekommen, soll man die Tiere gründlich mit frischem Wasser abspritzen.

Besteht der Verdacht, dass man selbst, Kinder oder auch Tiere durch die Bakterien vergiftet wurden, gilt es unverzüglich ärztlichen Rat einzuholen. Eine typische Behandlung beim Menschen sieht dann den Einsatz von Medizinalkohle vor. In der Folge empfiehlt sich eine klinische Beobachtung.

Das müssen Sie über Cyanobakterien wissen

Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, kommen hauptsächlich in Flüssen und Seen vor. Besonders durch Kläranlagen und die Landwirtschaft kommen Stoffe wie Phosphor und weiterer Stickstoff in die Gewässer. Diese Nährstoffe begünstigen das Wachstum von Blaualgen.

Cyanobakterien können sowohl für Tiere wie auch für Menschen giftig sein. Meist kann man bereits mit blossem Auge erkennen, wenn Blaualgen in hohen Konzentrationen vorkommen.

Wesentliche Merkmale für das Bilden von Algenblüten sind die Einschränkung der Sichttiefe und eine starke Trübung des Gewässers. Das Wasser ist milchig-trüb. Haben sich die Cyanobakterien ausgebreitet, sind diese an ihrer eher grünen Farbe und schleimiger Konsistenz zu erkennen. Die Blaualgen begrenzen sich auf einen gewissen Bereich und sind oft in Ufernähe lokalisiert.

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