Miese CO2-Bilanz? So rechnen deutsche Forscher E-Autos schlecht

tafi

24.4.2019

Ein PKW mit Dieselmotor soll die Umwelt mit weniger CO2 belasten als ein Elektroauto (Im Bild: Tesla Model 3): Das behaupten jedenfalls deutsche Forscher in einer Studie, die heftig kritisiert wird.
Keystone

Elektroautos haben eine schlechtere CO2-Bilanz als Dieselfahrzeuge, behaupten deutsche Forscher. Doch ihre Berechnungen basieren auf fragwürdigen Annahmen. 

Diese Studie sorgte für Aufsehen: Forscher des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung kamen in einer Studie zu dem Schluss, dass Elektroautos die Klimabilanz nur auf dem Papier entlasten. In Wahrheit würden sie den CO2-Ausstoss sogar erhöhen. Gegenüber einem Diesel-Auto sie die Belastung durch Elektroautos um elf bis 28 Prozent höher, je nachdem wo die Batterie hergestellt wird. Der Diesel kam demnach auf einen CO2-Ausstoss von 141 Gramm pro Kilometer, das Elektroauto auf 155 bis 180 Gramm.

Das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» hat die Studie überprüft und kommt in seiner Onlineausgabe zu einem anderen Schluss. Die Studie würde auf fragwürdigen Grundannahmen basieren. In anderen Worten: Die Bilanz der Elektroautos wird von von den Ifo-Wissenschaftlern schlechtgerechnet. Vor dem «Spiegel» haben auch schon andere Medien  und Experten die Studie kritisiert.

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Nur das Schlimmste angenommen

Das Ifo hatte für die Studie einen Mercedes C220d und ein Tesla Model 3 mit grosser Batterie verglichen. Darin liegt laut «Spiegel» der erste Fehler. Der Mercedes ist deutlich schwächer motorisiert (194 PS) als der Tesla (351 PS). Seriöser wäre es gewesen, wenn der stärkste C-Klasse Diesel (das Modell 300 d 4Matic mit 254 PS) in die Vergleich einbezogen würde. Der kommt schon auf staatliche 176 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer.

Zudem haben die Forscher einen Strommix für das Aufladen der Batterie zugrunde gelegt, der reichlich Kohlestrom enthält. Auch bei der tatsächlich energieintensiven Herstellung der Batterien gingen die Autoren von einer vorrangigen Kohlestromnutzung aus. Dabei hätten sie nur mit den Werten der grösstmöglichen Tesla-Batterie (75KWh) gerechnet, in deren Herstellung elf bis 15 Tonnen CO2 stecken. Weil aber grosse Batterien Autos unnötig schwer machen, bieten Hersteller – auch Tesla – kleinere Akkus an.

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Realität und Perspektiven ignoriert

Falsch ist das alles nicht, allerdings auch nicht der Realität entsprechend. So ignorierten die Forscher den Fakt, dass E-Autos auch komplett mit Ökostrom aufgeladen werden können und dass Tesla bei der Herstellung der Batterien in den USA auf Solarstrom zurückgreift.

Auch dass an Produktionsstandorten wie China der Ökostromanteil wächst und damit die CO2-Bilanz der Batterien verbessert, wird von den Autoren ignoriert. Sie unterschlagen laut «Spiegel» das Potenzial, das im Ausbau erneuerbarer Energien steckt völlig.

Nicht zuletzt geht die Studie von eineer Batterielaufleistung von 150'000 Kilometern aus. Bei einer längeren Laufleistung verringert sich die CO2-Bilanz merklich: Tesla selbst gibt eine Batteriegarantie für 192'000 Kilometer.

Am Ende bleiben 31 Gramm CO2 übrig

Die «Spiegel»-Autoren kommen zu dem Schluss, dass die Ifo-Studie Elektroautos schlechtrechnet, weil sie nur vom «Worst Case» ausgeht: hoher Kohlestromanteil beim Laden und CO2-intensive Herstellung der Batterien, grösstmögliche Akkuausstattung und geringe Laufleistung. Dass Besitzer von Elektroautos auch Ökostrom tanken, die Batterien länger halten und mit weniger CO2-Ausstoss produziert werden, fliesst in die Berrechnungen der Forscher nicht ein.

Dann wären sie nämlich im Idealfall nur noch auf 31 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer gekommen, wie der «Spiegel» berechnet hat. Und damit würde das E-Auto den Diesel doch deutlich deklassieren.

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