Fehlende Daten

Experten fordern systematische Erfassung von Long-Covid-Fällen

sda

16.1.2022 - 09:32

25.11.2021, Hessen, Gießen: Daniel Gran, Intensivpfleger, kümmert sich auf der Intensivstation der Uniklinik Gießen um einen jungen, intubierten Corona-Patienten. Ärzte, Schwestern und Pfleger kämpfen gegen dauerhafte Erschöpfung, Personalmangel und fehlende gesellschaftliche Akzeptanz. Den Intensivbereich der Station nennen sie scherzhaft «Covid-City». (Zu dpa «Zu Besuch in Covid-City») Foto: Boris Roessler/dpa - ACHTUNG: Person(en) wurde(n) aus rechtlichen Gründen gepixelt +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Boris Roessler)
Der Bundesrat basiert seine Strategie auf der Auslastung der Spitäler: Doch wie entwickelt sich die Krankheit nach dem Spitalaufenthalt? Dazu werden in der Schweiz noch keine Daten zentral erfasst. (Symbolbild)
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Bei steigenden Covid-19-Fallzahlen steigt auch die Gefahr von Langzeitschäden durch das Coronavirus. Experten fordern deshalb in Zeitungsinterviews eine systematische Erfassung der Long-Covid-Fälle in der Schweiz.

sda

16.1.2022 - 09:32

«Es gibt keine zentrale Meldestelle, die alle Long-Covid-Fälle sammelt», kritisierte der Neurowissenschafter Dominique de Quervain im Interview mit dem «SonntagsBlick». «Solche Daten wären jedoch wichtig, um mehr über die gesundheitspolitische Bedeutung der Erkrankung zu erfahren.»

Im Register der Invalidenversicherung (IV) seien nur die schlimmsten Fälle registriert, sagte de Quervain, also jene, in denen die Betroffenen nicht mehr arbeiten könnten. Der Grossteil der Fälle von Long Covid bleibe so unerkannt.

Auch der Basler Infektiologe Manuel Battegay wünscht eine systematische Erfassung von Long Covid. «Ein Register wäre gut, aber noch besser wäre eine schweizweite Kohortenstudie», sagte er im Interview mit der «SonntagsZeitung». Eine solche Studie müsse in die Tiefe gehen und Beschwerden detailliert erfassen.

Denn noch immer sei nicht bekannt, wie die Symptome von Long Covid mit der Schwere des Verlaufs korrelierten, sagte Battegay. «Und bei Omikron wissen wir noch weniger.» Wer in der Intensivstation behandelt worden sei, habe mehr Long-Covid-Symptome. Doch auch nach einem mildem Verlauf können Long Covid auftreten.

Für die Politik spiele beim Erlassen oder Aufheben von Massnahmen gegen das Coronavirus ausschliesslich die Belastung der Spitäler eine Rolle, bemängelt de Quervain. «Long Covid könnte sich aber als weiteres, grosses gesundheitspolitisches Problem entpuppen.»

Für einen Teil der Bevölkerung seien die Symptome sehr belastend. Mit der Omikron-Variante des Coronavirus könnten sehr viele Menschen von Langzeit-Folgen einer Infektion betroffen sein. Man wisse noch nicht, ob Omikron abgesehen von der Lunge auch für andere Organe – etwa das Gehirn – weniger schädlich sei.

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