Fast alle Pommes-Chips offenbar stark mit Pflanzenschutzmitteln belastet

tafi

18.9.2020 - 11:23

AP Photo/Frank Augstein

Heikle Inhaltsstoffe: Bei Untersuchungen in einem Labor wiesen fast alle Pommes-Chips Spuren von Pestiziden auf. Ein Produkt liegt mit hohem Bleigehalt besonders schwer im Magen.

Als wären der hohe Fettgehalt und das viele Salz nicht schon schlimm genug: Viele Pommes-Chips enthalten bedenkliche Rückstände von Pestiziden. Das hat das Konsumentenmagazin «K-Tipp» in einem Labortest  herausgefunden.

Das Resultat ist eigentlich nicht überraschend: Wenn Pestizide in der Landwirtschaft verspritzt werden, landen sie zwangsläufig in der Nahrungskette. Erschreckend ist aber, wie hoch die Belastung teilweise ist. Im Labor wurde nach mehr als 500 Pestiziden gesucht, erläutert «K-Tipp», Punktabzug gab es, wenn mehr als vier Pestizide in einem Produkt gefunden wurden. Pflanzenschutzmittel liessen sich in fast allen Chips nachweisen. Lediglich bei den Bio-Chips von Zweifel fanden sich keine Rückstände.

Gefährliches Pestizid bald verboten

Besonders bedenklich sei, dass in 13 der 15 untersuchten Produkte das Pestizid Chlorpropham gefunden wurde. Das Mittel wird verwendet, um Kartoffeln länger lagern zu können. Weil es in Verdacht steht, das menschliche Hormonsystem zu beeinflussen, ist der Einsatz von Chlorpropham in der Schweiz ab Oktober generell verboten.

Obwohl es bei Bio-Kartoffeln schon länger nicht mehr eingesetzt werden darf, wiesen auch die Bio-Paprikachips der Migros Spuren von Chlorpropham auf. Die Migros erklärte den Befund damit, dass das Pestizid von anderen Feldern verweht worden sei.



Das von «K-Tipp» beauftragte Labor fand bis zu vier verschiedene Pestizide in den Chips. Die Potato Chips Pimentón der Coop-Marke «Fine Food» waren ausserdem mit einem gefährlich hohen Bleigehalt belastet. 1,2 Milligramm pro Kilogramm massen die Tester hier: Der EU-Grenzwert liegt bei 0,1 mg/kg. Blei gilt als Nervengift und kann gemäss Bundesamt für Lebensmittelsicherheit zu «Nervenschäden, Störungen der Hirnfunktionen und zur Beeinträchtigung der Intelligenz» führen.

Trotz der teilweise hohen Pestizidbelastung verwiesen die meisten Hersteller laut «K-Tipp» darauf, dass gesetzlich erlaubte Höchstwerte nicht überschritten wurden. Bei Intersnack, zu dem die Marken Chios und Tyrrell's gehören, verwies zudem darauf, dass eigene Messungen deutlich tiefere Werte ergeben hätten als im Testlabor der Konsumentenschützer.

Entwarnung bei Acrylamid und Glutamat 

Neben dem Pestizidgehalt untersuchte das Testlabor auch, wie viel Fettschadstoff 3-MCPD, Glutamat und Acrylamid in den Chips enthalten ist. Beim Geschmacksverstärker Glutamat erreichten die meisten Produkte eine gute Bewertung, lediglich die Paprikachips «M-Classics» von der Migros waren mit 4'600 Milligramm pro Kilo deutlich über dem Durchschnitt, aber immer noch unter dem Schweizer Grenzwert von 10 Gramm pro Kilo. Zu viel Glutamat kann bei sensiblen Personen Kopfschmerzen und Hautausschläge auslösen.

Entwarnung gibt es beim als krebserregend geltenden Acrylamid, das beim Frittieren entsteht. Hier lagen alle getesteten Produkte deutlich unter den Richtwerten. Auch die Belastung mit 3-MCPD, einem Schadstoff, der bei der Herstellung von Fetten und Ölen entsteht, sei bei allen Produkten unbedenklich gewesen.

Zurück zur Startseite