Wie im echten Leben

Forscher kommen Erfolgsgeheimnis von «Game of Thrones» auf die Spur

dpa/uri

2.11.2020

Die Schauspieler und Crewmitglieder von «Game of Thrones» stehen Mitte April hinter Buchstaben, die den Seriennamen bilden, vor der Premiere der achten Staffel von «Game of Thrones» in der Waterfront Hall in Belfast, Grossbritannien.
Die Schauspieler und Crewmitglieder von «Game of Thrones» stehen Mitte April hinter Buchstaben, die den Seriennamen bilden, vor der Premiere der achten Staffel von «Game of Thrones» in der Waterfront Hall in Belfast, Grossbritannien.
Bild: Liam Mcburney/PA Wire/dpa

Was macht «Game of Thrones» so erfolgreich? Forscher bieten eine Antwort: Offenbar hat die fantastische Erzählung mehr mit dem Leben normaler Menschen gemeinsam, als man gemeinhin denken könnte. 

Der Erfolg von «Game of Thrones» beruht unter anderem auf der Ähnlichkeit der dargestellten sozialen Geflechte mit denen im echten Leben vieler Menschen. Zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung von Wissenschaftlern aus Grossbritannien und Irland.

Die Anzahl und die Intensität der sozialen Kontakte, die die Charaktere pflegten, sei demnach vergleichbar mit denen, die Menschen durchschnittlich im echten Leben hätten, schreiben die Forscher in den «Proceedings» («PNAS») der britischen Akademie der Wissenschaften. Trotz der Fantasy-Welten und der komplexen Erzählstränge sei es daher gut möglich, sich in die Geschichte hineinzufinden.

Buch verkaufte sich mehr als 70 Millionen Mal 

Bei ihrer Untersuchung mittels Netzwerkanalysen und mathematischer Verfahren beziehen sich die Psychologen und Mathematiker allerdings nicht auf die bekannte Serie, sondern auf deren literarische Vorlage – die «A Song of Ice and Fire»-Bücher des amerikanischen Autors George R.R. Martin.

Diese Visualisierung zeigt das soziale Netzwerk am Ende des ersten Buches «A Game of Thrones». Die blauen Punkte repräsentieren männliche Charaktere, die roten weibliche, und die durchsichtigen grauen Punkte jene Charaktere, die getötet wurden.
Diese Visualisierung zeigt das soziale Netzwerk am Ende des ersten Buches «A Game of Thrones». Die blauen Punkte repräsentieren männliche Charaktere, die roten weibliche, und die durchsichtigen grauen Punkte jene Charaktere, die getötet wurden.
Grafik: University of Cambridge/dpa

Das erste Buch der Reihe, das namensgebend für die spätere Serie «Game of Thrones» war, erschien 1996 und hat sich seither mehr als 70 Millionen Mal verkauft. In der Erzählung kämpfen in einer fiktiven, ans Mittelalter angelehnten Welt, in der auch Fantasy-Wesen leben, verschiedene Königreiche um die Vorherrschaft des eisernen Throns.

Unerwartete Todesfälle

Die Abfolge, mit denen Todesfälle beliebter Charaktere oder andere unvorhersehbare Ereignisse eingeführt werden, sei ebenfalls entscheidend für den Erfolg, schreiben die Forscher. Sie kämen oft und überraschend genug, um die Leser zu fesseln, aber nicht so oft, dass es die Fähigkeit übersteige, der Handlung zu folgen oder unglaubwürdig erscheine.



«Diese Bücher sind bekannt für unerwartete Wendungen, oft im Hinblick auf den Tod eines Hauptcharakters», sagt Mitautor Pádraig MacCarron von der University of Limerick (Irland). «Es ist interessant, zu sehen, wie der Autor die Kapitel in einer Reihenfolge anordnet, die dies noch zufälliger erscheinen lässt als es in einer chronologischen Erzählung wäre.»

Robin Dunbar von der University of Oxford (Grossbritannien), ebenfalls an der Studie beteiligt, sagt: «Diese Studie liefert überzeugende Beweise dafür, dass gute Schriftsteller innerhalb der psychologischen Grenzen des Lesers sehr sorgfältig arbeiten.»

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