Fünf Fragen und Antworten zum Asteroiden-Besuch

phi

1.9.2020 - 18:18

Ein Asteroid, in diesem Fall 2012 DA14, schwebt an der Erde vorbei.
EPA

Der Asteroid 2011 ES4 hat unseren Planeten passiert. Erst im Juli kam 2020 LD uns ähnlich nahe – bemerkt wurde das erst zwei Tage später. Was wissen wir eigentlich über die Himmelskörper?

Der Asteroid 2011 ES4 ist an der Erde vorbei gerauscht. Der Himmelskörper hat zwischen 22 und 49 Meter Durchmesser und hält den Sicherheitsabstand zu unserem coronageplagten Planeten knapp: Er flitzt in nur etwa einem Drittel der mittleren Monddistanz an uns vorbei.

Was hat es mit dem Himmelsstürmer auf sich? Und stimmt es, dass es noch über 2'000 von seiner Sorte gibt?



Ist ein Meteor dasselbe wie ein Komet?

Ein Objekt im All, die zwischen einem Millimeter und einem Meter gross ist und um die Sonne kreist, nennt man Meteorid. Wenn dieser auf die Erdatmosphäre trifft, wird er zum Meteor, der entweder als Sternschnuppe verglüht oder als Meteorit die Erdoberfläche erreicht.

Ein Objekt, das in der Nähe der Sonne ausgast, bildet einen Schweif aus, der Koma heisst – beim Objekt handelt es sich dann um einen Kometen. Ist der Komet weiter von der Sonne entfernt und gibt keine Teile mehr ab, ist er von einem Asteroiden nicht mehr zu unterscheiden. Auch gemein ist beiden, dass sie um die Sonne kreisen.

Der Meteor von Tscheljabinsk ging am am 15. Februar 2013 im russischen Ural runter.

Was ist der Unterschied zu Asteroiden?

Asteroiden sind grösser als ein Meter und kleiner als Zwergplaneten, die rund 1'000 Kilometer messen. Bisher sind knapp eine Million Asteroiden bekannt und jeden Monat kommen Tausende hinzu. Man nennt sie auch Kleinplaneten oder Planetoiden. Der Unterschied ist: Ab etwa 1'000 Kilometern Durchmesser ist die Masse eines Objektes so gross, dass sie eine Kugel formen. Asteroiden hingegen haben davon zu wenig und können deshalb alle möglichen Formen haben.

SAblenkung der Bahn des Asteroids 2004 FH durch die Schwerkraft der Erde.
Bild: Nasa

Warum heissen Asteroiden so komisch?

Früher wurden sie nach römischen oder griechischen Gottheiten benannt, heute bekommen sie ihren finalen Namen erst, wenn ihre Laufbahn geklärt ist und sie stets wiederzufinden sind. Sie bekommen dann eine vorangestellte Nummer und einen Namen, meistens das Jahr ihrer Beobachtung, und weitere Buchstaben und Zahlen, die das Entdeckungsdatum komplettieren. Unter den sogenannten erdnahen Asteroiden gibt es die Gattung der Erdbahnkreuzer, die je nach Laufbahn zum Aten-Typ oder – wie im Falle von 2011 ES4 – zum Apollo-Typ gehören.

Der Orbit des Apollo-Typs in blau und weitere erdnahe Orbits
Grafik: WikiCommons/Gemeinfrei

Wie viele Asteroiden sind gefährlich?

Im Juni 2020 schätzte man 2'093 Asteroiden als potenziell gefahrvoll ein, von denen 157 mehr als einen Kilometer Durchmesser haben. Die gute Nachricht ist jedoch, dass 98 Prozent dieser Objekte in den nächsten 100 Jahren kein Thema sein werden. Das US-Überwachungssystem Sentry (Wachposten) zählt nur 38 Asteroiden, die in den nächsten 100 Jahren zu einem Problem werden könnten. Die Europäische Raumfahrtbehörde ESA führt eine Special Risk List mit derzeit drei Kandidaten sowie eine Risk List mit 1'081 entsprechenden erdnahen Asteroiden.

Wer spürt die Asteroiden auf – und wie?

Optisch mit Teleskopen, per Radar oder durch die Suche im Infrarot-Bereich. Nasa, US Air Force und das Massachusetts Institute of Technology haben sich dazu unter dem Namen Linear zusammengetan. Die Nasa mischt aber auch bei den amerikanischen Projekten Atlas (Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System), Loneos (Lowell Observatory Near-Earth-Object Search) und Spacewatch mit, die vor allem auf Teleskope setzen.

Ein Observartorium in Arizona führt den Catalina Sky Survey durch, während das auf Hawaii am Pan-STARRS (Panoramic Survey Telescope and Rapid Response System) arbeitet. Auch Neowise und Atlas sind entsprechende Nasa-Projekte.

Wer die bisher bekannten erdnahe Asteroiden (Near Earth Asteroids, kurz NEAs) aufgespürt hat.
Grafik: WikiCommons/Gemeinfrei

Bonusfrage: Hat die Sache auch einen Haken?

Erst vor zwölf Jahren konnte bei 2008 TC3 zum ersten Mal der Aufprall eines kleinen Asteroiden auf die Erde richtig vorhergesagt werden, der dann 20 Stunden später in der Atmosphäre verglühte. Und ein naher Vorbeiflug wurde nur ein Jahr zuvor richtig prognostiziert. Oft genug bekommt auch heute niemand etwas mit, wenn ein Asteroid nahe an der Erde vorbeifliegt: Erst im Juli fand die ESA erst zwei Tage später heraus, dass 2020 LD näher an uns herankam als der Mond.

Von vielen Asteroiden, die nahe an der Erde vorbeifliegen, bekommen wir gar nichts mit.
Screenshot: Wikipedia/List of Asteroid Close Approaches to Earth
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