Fünf Gründe, warum Kakerlaken unseren Respekt verdienen

Jonas-Erik Schmidt, dpa/tafi

3.5.2020

Küchenschaben sind ziemlich vielseitige Gesellen: robust, schnell, clever. Man muss sie nicht lieben, aber sollte ihnen Respekt zollen, findet ein Kölner Insektenforscher. (Symbolbild/Archiv) 
Keystone/AP Photo/Katsumi Kasahara

Katzenbabys, Delfine, kleine Eisbären: Es gibt viele Tiere, denen die Herzen zufliegen. Küchenschaben gehören nicht dazu. Ein Forscher findet aber, ihnen gebührt auch ohne Niedlichkeitsfaktor Anerkennung.

Eine Küchenschabe in Grösse eines Schäferhundes? Das wäre eine verdammt einschüchternde Vorstellung. So sieht das auch der deutsche Wissenschaftler Tom Weihmann von der Universität Köln. Der Biologe und Biomechaniker muss es wissen – er hat die Tiere in seinen Forschungsarbeiten eingehend untersucht.

Klar, die Tiere, die als ungebetene Gäste auch in Schweizer Vorratskammern und Küchen vorkommen, geniessen einen zweifelhaften Ruf. Trotzdem haben sie Anerkennung verdient, findet Tom Weihmann und bricht eine Lanze für die ungeliebten Insekten. Denn es gibt gute Gründe, die vielseitigen Überlebenskünstler zu respektieren, wie der Wissenschaftler erläutert.

Grund 1: Schaben haben kaum Schwachstellen

«Ich habe viel mit der amerikanischen Küchenschabe gearbeitet, die auch in Deutschland vorkommt. Und man muss anerkennen: Ihre Fähigkeiten erinnern schon an die der Comic-Superhelden. Sie können einfach alles. Sie rennen, sie springen, sie fressen praktisch alles und sie sind clever. Eine Schabe mit der Grösse eines Schäferhundes wäre schon eine bedrohliche Vorstellung.»



Grund 2: Hindernisse sind für Schaben kein Problem

«Küchenschaben können auch glatte, senkrechte Flächen erklimmen. Dafür haben sie neben den üblichen Krallen spezielle Haftorgane an ihren Füssen. Es gibt auch Untersuchungen, die zeigen, wie schmal sie sich machen können. Wenn sie stehen, sind sie ungefähr einen Zentimeter hoch. Wenn sie aber durch einen Spalt wollen, dann können sie sich auf ein Viertel dieser Höhe zusammenpressen. Das einzige, was sie nicht verkleinern können, ist ihre Kopfkapsel. Alles andere kann zusammengedrückt werden.»

Grund 3: Schaben sind schneller als Geparden

«Schaben sind sehr schnelle Läufer, sie gehören zu den schnellsten Gliedertieren der Welt. Wenn man die Geschwindigkeit in Körperlängen pro Sekunde misst, sind sie sogar schneller als jedes Wirbeltier inklusive des Geparden. Sie erholen sich auch sehr schnell, so dass sie in kurzer Folge mehrere Sprints einlegen können.»



Grund 4: Roboter können von Küchenschaben lernen

«Glatte Böden wie in unseren Küchen und Kellern sind für Küchenschaben natürlich nicht vergleichbar mit den Untergründen auf denen sie sich in ihren natürlichen Lebensräumen bewegen. Dort gibt es viel mehr Unebenheiten und Hindernisse. Sie können sich aber auch dort ausgesprochen schnell bewegen, weil es ihr motorischer Apparat schafft, Unebenheiten auszugleichen und mit Störungen wie Stolpern oder Ausrutschen umzugehen. Diese Fähigkeiten sind hochinteressant für die Entwicklung von Robotern, die das ja auch können sollen. Schaben sind ein klassisches Vorbild für Robotik.»

Grund 5: Schaben sind sehr robust

«Wenn man Küchenschaben auf Kühlschranktemperatur kühlt, können sie sich als wechselwarmes Tier nicht mehr bewegen. Nach zehn Minuten Aufwärmzeit bewegen sie sich aber wieder wie vorher. Die Tiere wiegen ungefähr ein Gramm, man kann ihre Körper aber mit einem Gewicht von mehreren Hundert Gramm belasten ohne sie damit zu verletzen. Sie sind wirklich in allen denkbaren Bereichen sehr robust. Das Einzige, gegen das sie nicht robust sind, ist Trockenheit. Sie verdursten recht schnell. Wenn man ein modernes Gebäude ohne feuchte Stellen hat, dann überleben sie höchstens ein paar Tage.»

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