Kein Phänomen der Neuzeit – schon Dinosaurier hatten Krebs

tafi

4.8.2020 - 16:10

Forschende aus Kanada haben erstmals einen bösartigen Krebstumor bei einem 76 Millionen Jahre alten Fossil eines Centrosaurus apertus nachgewiesen.
Fred Wierum/CC BY-SA 4.0

Kanadische Wissenschaftler weisen erstmals einen bösartigen Krebstumor bei einem Dinosaurier nach. Die bahnbrechende Entdeckung kann der modernen Medizin helfen. 

Vor 76 Millionen Jahren zog der Horndinosaurier mit seiner Herde durch das heutige Kanada und litt bereits an einer Krankheit, die es heute noch gibt: Knochenkrebs. Das Skelett des Centrosaurus apertus wurde bereits 1989 gefunden – mit auffälligen Verhärtungen am Wadenbein.



Ging die Wissenschaft bislang davon aus, dass es sich dabei um verheilte Knochenbrüche handelt, kommen Forschende der McMaster University in Hamilton, Kanada, nun in einer Studie zu einem anderen Ergebnis. Sie wiesen nach, dass der Dinosaurier an einem Osteosarkom litt – einer aggressiven bösartigen Krebserkrankung, die heute auch Menschen befällt und gewöhnlich im zweiten oder dritten Lebensjahrzehnt auftritt.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die neue Diagnose wurde durch die Verwendung moderner medizinischer Techniken möglich. Der Knochen wurde komplett mit einem Computertomografen gescannt, bevor eine dünne Scheibe unter dem Mikroskop untersucht wurde. Dann haben die Forschenden mit leistungsstarken Computerprogrammen dreidimensionale Bilder errechnet, um die Ausbreitung des Krebses durch den Knochen sichtbar zu machen, erläutern sie auf der Homepage der McMaster University.



Um die Diagnose zu bestätigen, hat aus Team aus Pathologen, Radiologen, orthopädischen Chirurgen und Paläopathologen die Ergebnisse mit den Fossilien eines gesunden Horndinosauriers sowie dem Wadenbein eines nachweislich an Knochenkrebs erkrankten Menschen verglichen. «Es ist sowohl faszinierend als auch inspirierend zu sehen, wie ein interdisziplinäres Vorgehen, das wir auch bei der Diagnose und Behandlung von Osteosarkomen bei Menschen anwenden, zur ersten Diagnose eines Osteosarkoms bei einem Dinosaurier geführt hat», wird Seper Ekhtiari, Mitautor der Studie, bei CNN zitiert

Schon Dinosaurier konnten an Krebs erkanken.
McMaster University

Fossile Krankheiten helfen der modernen Medizin

«Der Knochen zeigt aggressiven Krebs in einem fortgeschrittenen Stadium», erläutert Ekhtiaris Kollege David Evans vom Royal Ontario Museum in Toronto. «Die Tatsache, dass dieser pflanzenfressende Dinosaurier in einer grossen, schützenden Herde lebte, hat es ihm möglicherweise ermöglicht, länger zu überleben, als es normalerweise bei einer so verheerenden Krankheit der Fall gewesen wäre.» Gestorben ist der krebskranke Dinosaurier den Forschenden zufolge wahrscheinlich, als seine Herde von einer Flut überrascht wurde.



Die Bedeutung der Entdeckung der Forschungsgruppe könne auch Auswirkungen auf die heutige Medizin haben, weil sie präzisere Diagnosen in Fossilien ermöglicht. Das würde Wissenschaftlern helfen, die Evolution und Genetik von Krankheiten besser zu verstehen. «Es gibt Hinweise darauf, dass bösartige Erkrankungen, einschliesslich Knochenkrebs, ziemlich tief in der Evolutionsgeschichte der Organismen verwurzelt sind», heisst es in der Studie.

Das Knochenfossil wurde in extrem dünne Scheiben geschnitten und mit dem Mikroskop untersucht.
McMaster University
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