Offroad extrem: Mit 692 PS auf den Acker

uri

13.8.2018

Der Case IH Steiger/Quadtrac 620 gilt als  König der Traktoren.
Getty Images 

Wer mit 690 PS durch die Gegend heizen will, der kann sich für rund 300'000 Franken einen Ferrari GTC4 Lusso kaufen. Oder man legt fast nochmal die selbe Summe obendrauf und gönnt sich den Case IH Steiger/Quadtrac 620.

Zugegeben, der Ferrari mag auf dem Asphalt ungebremste Freude bringen. Und mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 335 km/h hängt man auch fast alle anderen Autos ab. Aber ein unangreifbares Spitzenmodell ist der GTC4 Lusso nicht. Unter den Top 30 der PS-stärksten Sportwagen sucht man ihn vergebens. Und im Gelände kann man den Flitzer aus Italien ohnehin vergessen.

Beim Quadtrac 620 ist das definitiv anders. Mit dem 25 Tonnen schweren Monster bekommt man den wohl stärksten und in jedem Fall extremsten Serientraktor der Welt – den unanfechtbaren König auf jedem Feld.

Er bewegt sich angeblich «wie auf Plüschpantoffeln»

Seine Motorisierung kann den Quadtrac 620 auf der Strasse immerhin auf 37 km/h beschleunigen – dadurch sticht er allerdings noch nicht aus der Masse. Denn vor allem der Antrieb des Quadtrac 620, der den Traktor an einen Panzer erinnern lässt, gilt als riesiges Plus. Die gigantische Maschine wird nämlich nicht konventionell auf Rädern bewegt, sondern von Bandlaufwerken, wie man sie etwa von Baumaschinen und geländegängigem Militärgerät kennt.

Der Traktor bietet mit seinen vier voneinander unabhängigen Laufwerken so eine maximale Traktion bei minimalem Bodendruck. Beim Wenden auf kleinem Radius gräbt er sich also nicht zerstörerisch in den Boden. Stattdessen bewegt er sich angeblich geradezu «wie auf Plüschpantoffeln», wie Norbert Zehne, Produktmanager des Herstellers, dem Nachrichtenmagazin Spiegel erklärte.

25 Tonnen schwer ist der Gigant auf vier Laufwerken.
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Durchaus umweltschonend soll der Quadtrac 620 auch trotz seines mitunter immensen Treibstoffverbrauchs sein. Der Sechszylinder-Turbodiesel kann bei schweren Ackerarbeiten nämlich durchaus 100 Liter Kraftstoff in der Stunde schlucken – die Tankkapazität von 1900 Litern scheint da mehr als angebracht. Laut Zehne erreicht der Traktor aber trotzdem Topwerte in Sachen Nachhaltigkeit, denn umgerechnet auf einen Liter Treibstoff beackere er bedeutend mehr Ackerfläche als andere Traktoren.

Der Traktor lohnt sich erst auf Flächen ab 1000 Hektar 

Der Einsatz des rund 600'000 Franken teuren Giganten lohnt sich allerdings nur auf Flächen ab 1'000 Hektaren, wie Spiegel berichtet. Landwirtschaftsbetriebe in dieser Grösse sind in Mitteleuropa eine absolute Seltenheit und eher in den USA oder Australien zu finden. Selbst nach Deutschland, wo im Ostteil des Landes in Folge der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der DDR noch sehr grosse Betriebe existieren, werden nur 30 Exemplare pro Jahr verkauft.

Nicht zuletzt für diejenigen, die den Traktor steuern, soll der Quadtrac 620 ein perfekter Arbeitsplatz sein – zumindest solange es dem Lenker in seiner gefederten Kabine mit Klimaanlage, belüftetem Sitz und multicontroller-Armlehne nicht zu monoton wird. Der Traktor ist nämlich nicht nur hinsichtlich der Bewirtschaftung eines Feldes extrem effizient – in naher Zukunft ist gut vorstellbar, dass er das sogar vollautomatisch und ohne jegliches menschliches Zutun macht.

Schon heute sorgen automatische Lenksysteme und Satellitennavigation dafür, dass der Traktor bis auf 2,5 Zentimeter genau auf der Spur bleibt – und dem Fahrer bei zwar idealen Bedingungen stinklangweilig wird. Womöglich sollte man in dem Fall doch lieber ein bisschen weniger ausgeben – und sich stattdessen den durchschnittlichen Ferrari kaufen.

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