Mysteriöse Radioblitze aus dem All funken die Erde an

tafi

12.2.2020 - 17:57

Wer funkt denn da? Kanadische Forscher empfangen alle 16 Tage Radiosignale aus dem All. Die Regelmässigkeit gibt ihnen Rätsel auf. (Symbolbild)
Getty Images / Dong Wenjie

Radioblitze sind im Weltall nicht aussergewöhnlich. Nun entdecken Wissenschaftler aber eine Quelle, die in regelmässigen Abständen Signale aussendet – und suchen nach einer Erklärung. 

Die Erde wird offenbar regelmässig «angefunkt»: Wissenschaftler in Kanada empfangen seit einiger Zeit mysteriöse Radiowellen von weit ausserhalb unserer Galaxie. Das Besondere daran: Die Radioblitze kommen in regelmässigen Abständen. Alle 16,35 Tage beginnt ein Zyklus, berichtet unter anderem CNN. Vier Tage lang empfangen die Astronomen dann Signale unterschiedlicher Stärke, bevor wieder zwölf Tage Funkstille herrscht.

Schon während eines Testlaufs mit dem riesigen und extrem leistungsfähigen Radio-Teleskop CHIME in der kanadischen Provinz British Columbia seien im Sommer 2018 ein Dutzend schneller Radioblitze (Fast Radio Burst, FRB) gemessen worden.



Im Untersuchungszeitraum von September 2018 bis Oktober 2019 haben die Astronomen das sich wiederholende Radiosignal bei insgesamt 28 Strahlungsausbrüchen entdeckt, schreiben sie in einer Studie. Es stammt offenbar aus derselben Quelle (Codename: FRB 180916.J0158+65). Dabei soll es sich um eine im Durchmesser etwa sieben Lichtjahre grosse Region in einer 500 Millionen Lichtjahre entfernten Spiralgalaxie handeln.

Theorien zur Entstehung

Wie die Signale entstanden, ist unklar. Schnelle Radioblitze dauern nur wenige Millisekunden, können aber so viel Energie freisetzen wie die Sonne im Laufe von 10'000 Jahren. Entdeckt wurde das Phänomen 2007. «FRBs werden wahrscheinlich in dichten, turbulenten Regionen von Gastgalaxien erzeugt», sagte der an den Studien beteiligte Astronom Shriharsh Tendulkar von der McGill University. Mögliche Entstehungsorte sind Gaswolken, aus denen Sterne hervorgehen, oder stellare Explosionen wie eine Supernova.



Für die nun gemessenen regelmässigen Strahlungsausbrüche haben die Forscher zwei wahrscheinliche Theorien. Zum einen könnte die Quelle der Radioblitze ein Schwarzes Loch umkreisen. Die Signale könnten dann nur an bestimmten Stellen nach aussen dringen.

Eine weitere Theorie geht von einem binären Sternensystem aus einem rotierenden Neutronenstern (Pulsar) und einem massereichen Stern aus. Die Sonnenwinde des grossen Sterns würden dann die von Pulsar ausgesendeten Signale regelmässig blockieren.

Es sei auszuschliessen, dass die sich wiederholenden schnellen Radioblitze durch Katastrophen entstünden, bei denen ihre Quelle zerstört wird. Ein FRB, der durch das Verschmelzen von zwei Neutronensternen oder eines Neutronensterns mit einem Schwarzen Loch entsteht, kann sich nicht wiederholen.

Waren es doch Aliens?

Sich wiederholende schnelle Radioblitze sind ein für die Wissenschaft besonders interessanter Sonderfall. Vor der Messung durch die kanadischen Forscher wurde das Phänomen sich wiederholender Radioblitze erst einmal im Jahr 2012 beobachtet.



Dass es sich bei Radioblitzen um Botschaften von Leben in fernen Galaxien handelt, halten die meisten Wissenschaftler für extrem unwahrscheinlich. Aber nicht alle: Der Astrophysiker Avi Loeb kann sich durchaus vorstellen, dass Radioblitze von ausserirdischen Lebensformen zum Antrieb von Raumschiffen gesendet werden.

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