Schwarzmeergrundel – ein unliebsamer Gast

Corina Hany

2.11.2018 - 15:43

Wer im Rhein um Basel abtaucht, wird sich wahrscheinlich Auge in Auge mit der Schwarzmeergrundel wiederfinden. Der kleine, graubraune Fisch aus dem Schwarzen Meer hat es im Ballastwasser von Transportschiffen bis in die Schweiz geschafft. Er vermehrt sich in den hiesigen Gewässern munter und rasend schnell weiter.

2011 taucht der rund 20 Zentimeter lange Fisch in der Schweiz das erste Mal auf. 2012 schwimmen den Forschern der Universität Basel 254 Schwarzmeergrundeln in die Falle, ein Jahr später sind es bereits 2118. 

Einheimische Arten unter Druck

Die Schwarzmeergrundel lebt bevorzugt am Grund ruhiger Gewässer – die Becken des Hafens Kleinhüningen in Basel sind deshalb ein Paradies für die Fische. Die Invasoren vertreiben nicht nur heimische Arten wie die Groppe von ihren Laichhöhlen, sondern schützen ihre eigenen Brutplätze mit äusserst aggressivem Verhalten.

Grundelweibchen legen in der Laichsaison von April bis September bis zu vier Mal zwischen 500 bis 1000 Eier. Damit die wachsende Grundelschar ihren Hunger stillen kann, frisst sie den Laich von grösseren Fischen wie der Forelle oder dem Hecht. Der Invasor aus dem Schwarzen Meer stellt daher mit seinem Verhalten eine existenzielle Bedrohung für einheimische Fische dar – insbesondere für die Groppe, die Lauge oder junge Egli.

Allerdings gibt sich die Schwarzmeergrundel nicht nur mit dem Gebiet rund um den Basler Hafen zufrieden. Längst hat sie sich auf den Weg rheinaufwärts gemacht. Im Sommer 2017 überwanden erste Exemplare die Hürde beim Kraftwerk Rheinfelden. Doch bereits wenige Monate später schafften es die Fische über das Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt hinaus. Dies ist umso erstaunlicher, da die Schwarzmeergrundel als schwimmschwach gilt.

Wer stoppt die Schwarzmeergrundel?

Mit ein Grund für die rasche Verbreitung sind sanierte Fischtreppen und Umgehungsgewässer wie beim Kraftwerk Rheinfelden. Diese erlauben es den einheimischen Arten, frei zu wandern. So will es das Gesetz. Aus diesem Grund müssen die Schweizer Kraftwerke ihre Fischtreppen bis spätestens 2030 entsprechend erneuern. Das ermöglicht aber auch invasiven Fischen wie den Schwarzmeergrundeln die Ausbreitung – ein Dilemma.

Das Problem Schwarzmeergrundel lässt sich buchstäblich nicht von der Hand weisen.
Keystone

Forscher und Behörden suchen nun nach Wegen, wie sie die Schwarzmeergrundel stoppen können. Forscher der Universität Basel um Professorin und Grundelspezialistin Patricia Holm testen verschiedene Methoden wie beispielsweise einen ins Wasser eingelassenen Metallrahmen als Grundelsperre. Ein solcher Rahmen kam bereits bei invasiven Krebsarten in kleineren Gewässern zum Einsatz. Er verhindert, dass sich die Tiere hinter Steinen ausruhen können, bevor sie die nächste Etappe gegen die Strömung in Angriff nehmen.

Möglich wären auch mit Kameras überwachte Becken bei den Fischtreppen. Per Funksignal würde der Durchgang gesperrt, sobald Schwarzmeergrundeln in das Becken schwimmen. Dort könnte man sie abfischen.

Gefahr droht von vielen Seiten

Noch aber befinden sich diese Methoden erst im Versuchsstadium. Und auch wenn die Fischtreppen vor den Grundeln sicher gemacht werden könnten – gelöst wäre das Problem noch lange nicht. Zwar müssen Frachtschiffe vor dem Kraftwerk Rheinfelden umkehren, für kleinere Boote gilt das aber nicht. Da die Schwarzmeergrundeln ihre Eier auch an Bootsrümpfen und Ankereingängen kleben können, ist die Verbreitung durch Boote ein sehr wahrscheinliches Szenario.

Auch unwissende Fischer, die gefangene Schwarzmeergrundeln wieder ins Wasser zurücksetzen oder sie als lebende Köder einsetzen, tragen möglicherweise ihren Teil zur Ausbreitung bei. Ebenso Aquarier, die Schwarzmeergrundeln in Bäche oder Seen aussetzen. Bund und Kantone betreiben deshalb eine intensive Informationskampagne und unterstützen weiterhin die Forschung. Doch ob das genügt, um die Schwarzmeergrundel dauerhaft aufhalten zu können, darf bezweifelt werden. Dafür ist der kleine Fisch schon zu weit gekommen.

Zumindest auf der Waage ist die Schwarzmeergrundel kein Schwergewicht.
Keystone
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