Studie zur Zukunft des Wetters – die Schweiz muss sich warm anziehen

SDA

13.11.2018

Schweizer Forscher haben in die Klima-Glaskugel geschaut. Das Ergebnis: Die Aussichten sind trübe. Die Sommerhitze wird länger dauern, extreme Wetterlagen häufen sich.

Der Blick in die Klimazukunft der Schweiz ist düster: Er zeigt trockenere, heissere Sommer, regenreichere, schneearme Winter und heftigere Starkniederschläge. Mit den «Klimaszenarien Schweiz» stellen Forschende vor, auf was sich das Land vorbereiten muss.

Der Klimawandel wird die Schweiz demnach ganz schön mitnehmen. Der Blick in die mögliche Zukunft des Landes war noch nie so genau wie in der dritten Auflage der «Klimaszenarien Schweiz» – sie wurde von Forschenden von MeteoSchweiz, der ETH Zürich und vom Oeschger-Zentrum der Universität Bern erarbeitet und am Dienstag in Zürich präsentiert.

Die Aussichten sind – huch! – trübe

Die Trends sind bekannt: Ohne einen ambitionierten Klimaschutz durch die Weltnationen wird die Schweiz deutlich trockener, heisser und schneearmer werden – und sie wird häufiger mit heftigen Niederschlägen zu kämpfen haben.

Neu am Bericht «Klimaszenarien CH2018» ist jedoch, dass die Forschenden dank modernster Klimamodelle und Simulationen Zahlen in einer anderen Grössenordnung liefern und bewerten können.

So trifft der Klimawandel die Schweizer Städte

Die Berechnungen der Forschenden zeigen zum Beispiel, dass die längste Trockenperiode im Sommer bis Mitte des Jahrhunderts bis rund eine Woche länger dauern wird. Eine extreme Trockenheit, wie sie bis anhin ein- bis zweimal pro Jahrzehnt aufgetreten ist, könnte im Schnitt jedes zweite Jahr vorkommen.

Hitzestress wie 2018 bald die Regel

Weil die Temperaturen steigen, wird ausserdem mehr Bodenfeuchte entzogen. Die Böden werden trockener, was besonders Landwirte zu spüren bekommen. Wenn es regnet, dann häufiger sehr heftig, was Kellerräume unter Wasser setzt und Erdrutsche und Überschwemmungen zur Folge hat. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts hat die Niederschlagsmenge einzelner Starkniederschläge bereits um zwölf Prozent zugenommen.

Bis Mitte des 21. Jahrhunderts könnten noch einmal zehn Prozent dazukommen. Jahrhundertniederschläge könnten sogar bis zu 20 Prozent mehr Regen bringen, wie es im Bericht heisst. Hochwasserschutzbauten und Kanalisation müssen künftig dementsprechend ausreichend dimensioniert sein.

Der Sommer 2018 bedeutete Hitzestress für Mensch und Tier, damit muss künftig deutlich häufiger gerechnet werden: Bis Mitte des Jahrhunderts könnten die Sommer in einem durchschnittlichen Jahr bis 4,5 Grad wärmer sein als heute.

Schlechte Nachrichten für Gletscher

Noch extremer steigen die Höchsttemperaturen: 2060 könnte das Thermometer südlich der Alpen um bis zu 4,5 Grad, nördlich der Alpen sogar um bis zu sechs Grad Celsius höher klettern als heute. In einem durchschnittlichen Jahr würde das Thermometer in Genf am heissesten Tag 40 Grad anzeigen. Die Anzahl sehr heisser Tage könnte von heute rund einem Tag pro Sommer auf bis zu 18 Tage steigen.

Den trockenen, heissen Sommern stehen verregnete, warme Winter gegenüber: Schnee wird besonders in tieferen Lagen der Schweiz Seltenheitswert bekommen. Mitte des Jahrhunderts könnte die winterliche Nullgradgrenze von heute 850 Meter auf bis zu 1'500 Meter über Meer steigen. Unter 1'000 Metern wird die Schneebedeckung um die Hälfte, bis Ende des Jahrhunderts sogar um mehr als 80 Prozent zurückgehen.

Klimawandel bedroht Skitourismus in Alpen

Aber auch in höheren Lagen wird Schneefall seltener, besonders im Frühjahr. Das sind schlechte Nachrichten, nicht nur für den Schneesport-Tourismus, sondern auch für die Schweizer Gletscher: Geringere Schneemengen bedeuten auch weniger Futter für die Gletscher und ein schnelleres Abschmelzen. Seit 1850 haben die Alpengletscher bereits rund 60 Prozent ihres Volumens verloren.

Grundlagen Schweizer Klimapolitik

Der Bericht macht aber auch Hoffnung: Auch wenn sich diese Entwicklungen nicht komplett abwenden lassen, so könnte eine Begrenzung der weltweiten Klimaerwärmung auf zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit doch einiges bewirken.

«Mit konsequentem Klimaschutz liessen sich bis Mitte des 21. Jahrhunderts etwa die Hälfte, bis Ende Jahrhundert zwei Drittel der möglichen Klimaveränderungen in der Schweiz vermeiden», sagte Klimaforscher Reto Knutti gemäss einer Mitteilung der Hochschule gemeinsam mit MeteoSchweiz.

Die Klimaszenarien 2018 sind nach 2007 und 2011 bereits der dritte Ausblick in die Klimazukunft der Schweiz – dies abermals im Auftrag des Bundesrats an MeteoSchweiz. Der Bericht liefert eine wichtige Grundlage für die Strategie, wie sich die Schweiz an den Klimawandel anpassen sollte.

Klimawandel und Umweltverschmutzung in drastischen Bildern
Zurück zur Startseite