«Tor zur Unterwelt» frisst sich unaufhaltsam durch die Taiga

jfk

16.3.2019

Der Batagaika-Krater in Sibirien hat die Form einer Kaulquappe. (Archiv)
Bild: Nasa

Unaufhörlich dehnt sich ein Krater in der sibirischen Taiga aus. Wissenschaftler befürchten gravierende Folgen für die globale Umwelt.

Einheimische nennen den Krater, der inzwischen 1000 Meter lang und 100 Meter tief, ehrfurchtsvoll das «Tor zur Unterwelt». Die Vertiefung im nordöstlichen Teil des asiatischen Russlands nahe der Stadt Batagaika ist in den 1960er Jahren entstanden, nachdem dort für den Strassenbau Wald gerodet wurde.

Ohne den Schutz und Schatten der Nadelbäume heizte sich der sibirische Permafrostboden im Sommer unter der direkten Sonneneinstrahlung auf. Die oberen Erdschichten tauten und sanken in den weicheren Untergrund ab. so entstand an dieser Stelle eine kaulquappenförmige Kraterlandschaft, in deren Senken sich Wasser zu Tümpeln ansammelte. Bei Geomorphologen ist dieser Landformungsprozess als Thermokarst bekannt.

Durch das fortschreitende Abtauen des Permafrostbodens kam 2018 im Batagaika-Krater dieses Fohlen zum Vorschein, das vor 30'000 bis 40'000 Jahren lebte. (Archiv)
Bild: Keystone

Das Loch wächst seitdem, wie Satellitenbilder der Nasa deutlich zeigen. Das bringt nicht nur Veränderungen für die Landschaft mit sich, sondern Probleme, die uns am Ende alle betreffen können. Denn durch das Abtauen werden bisher im Permafrostboden gebundene Treibhausgase wie Methan und Kohlendioxid freigesetzt. Forscher untersuchen auch anhand des Batagaika-Kraters die komplexen Zusammenhänge zwischen den Thermokarst-Vertiefungen und dem menschengemachten Klimawandel.

Der Welt zufolge nehmen Wissenschaftler vom Alfred-Wegener-Institut in Potsdam (D) an, dass im Dauerfrostboden weltweit zwischen 1300 und 1600 Gigatonnen Kohlenstoff gespeichert sind – viel mehr als die 800 Gigatonnen Kohlenstoff, die derzeit in Form von Kohlenstoffdioxid in der Atmosphärenluft enthalten sind.

Und sie weisen auch darauf hin, dass sich der Permafrostboden innerhalb der letzten 20 Jahre in einer Tiefe von 20 Metern um etwa zwei Grad Celsius erwärmt hat. Manche Experten warnen bereits vor «klimatischen Zeitbomben», wie sie Krater wie das «Tor zur Unterwelt» in Nordostsibirien  darstellen könnten.

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