Wie der Klimawandel Killerviren in der Arktis freisetzt

phi

12.11.2019

Der Klimawandel konfrontiert Seehunde vermehrt mit gefährlichen Staupeviren.
Bild: Keystone

Dass der Klimawandel Meerestieren Lebensräume und Nahrung kostet, ist bekannt. Doch nun haben Forscher herausgefunden, dass er auch noch Viren den Weg ebnet, die sich verheerend auswirken.

Wenn das Seehund-Staupevirus zuschlägt, werden die Meeressäuger zu Tausenden dezimiert. Das erste Mal machte die Wissenschaft 1988 mit dem Erreger Bekanntschaft: Über 18'000 Seehunde starben damals in Nordeuropa.

2002 wütete die Staupe in der Nordsee: Dort fielen ihm mehr als 21'000 Tiere zum Opfer. Das erneute Auftreten 2004 passte dann nicht so recht ins Bild: Diesmal waren Seeotter betroffen – und zwar in Alaska. Dass der Erreger nicht nur die Art, sondern auch noch den Ozean gewechselt hat, war äusserst ungewöhnlich.

Nun haben Forscher offenbar den Grund dafür herausgefunden – und sie haben weder für Mensch noch Tier gute Nachrichten: Das Seehund-Staupevirus konnte in neue Gefilde vordringen, weil der menschgemachte Klimawandel die Grenzen zwischen Hocharktis und subpolaren Regionen aufweicht, wie ein Team von Wissenschaftlern im Fachmagazin «Nature» erklärt.

Seehundsterben 2002 in der Nordsee.
Bild: Keystone

Während es früher kaum Austausch zwischen den Wassermassen gegeben habe, würde die Erwärmung nun Brücken zwischen den Klimazonen schaffen – etwa zwischen Alaska und Russland. Über diese Wege würden sich auch Viren in neuen Gefilden verbreiten: Deren Auftreten ist laut der Studie immer in den Jahren besonders massiv, in dem das Eis in der Arktis am dünnsten ist.

«Die Gesundheit von Tieren und Menschen wie auch der Umwelt sind so verknüpft: Wenn es bei einem schlechter wird, wird es das bei den anderen auch», erläutert Forscherin Tracey Goldstein bei CNN – sie war an der Studie beteiligt. 

Barfuss von Amrum nach Föhr

Ein weiterer Nachteil, wenn das Eis dünn wird: Die Nahrung der Meeressäuger taucht tiefer, um in kälteres Wasser zu kommen. So dünnt das Angebot aus, und Seehunde und -otter müssen mehr Aufwand für die Futtersuche betreiben – und könnten deswegen auch anfälliger für die Staupe sein. Für Meeressäuger sind das zum Jahresausklang keine guten Aussichten: Am zweitwenigsten Eis in der Arktis gab es 2019.

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