Fruchtbarkeitsparadoxon Wie moderner Schönheitswahn aus manchen Männern Mäuse macht

phi

28.5.2019

Bodybuilder-Wettbewerb im Januar 2019 in Mumbai, Indien: Steroide machen 90 Prozent der männlichen Nutzer unfruchtbar.
Bodybuilder-Wettbewerb im Januar 2019 in Mumbai, Indien: Steroide machen 90 Prozent der männlichen Nutzer unfruchtbar.
Bild: Keystone

Was tut Mann nicht alles, um zu gefallen: Der eine schuftet im Fitness, der andere hat dank Chemie die Haare schön. Forscher warnen: Diese Herren machen sich zu «evolutionären Nieten».

Wenn sich Männer an Professor Allan Pacey von der Universität Sheffield wenden, sind sie verzweifelt: Als Experte für Sperma ist er ihre letzte Hoffnung, sich doch noch fortzupflanzen. Doch eine Gruppe dieser Spezies ist selbst schuld an ihrer Misere. «Ist es nicht ironisch, dass Männer ins Fitnessstudio gehen, um gut auszusehen und vor allem um Frauen zu gefallen – und versehentlich ihre Fruchtbarkeit senken?»

Der Wissenschaftler spielt auf ein Phänomen an, dass Pacey mit seinem Kollegen Dr. James Mossman von der Brown University in Providence im US-Bundesstaat Rhode Island erforscht hat. Es ist ein evolutionäres Paradoxon: Männer versuchen, attraktiver auszusehen, doch sie schmälern damit ihre Aussicht, Nachwuchs zu zeugen. Die Gruppe, um die es geht, sind Herren mit einem Fitnessabo, aber auch solche, die ihren Haarausfall bekämpfen.

Bei der Schweizer Bodybuilding-Meisterschaft im Mai 2017 in Epalinges bei Lausanne.
Bei der Schweizer Bodybuilding-Meisterschaft im Mai 2017 in Epalinges bei Lausanne.
Bild:  Keystone

Reine Beobachtung hat die Biologen auf die Spur gebracht. «Mir fiel auf, dass einige Männer, die ihre Fruchtbarkeit testen liessen, sehr massig waren. Sie versuchten, wirklich gewaltig auszusehen – wie der Gipfel der Evolution. Aber im evolutionären Sinne haben sie sich alle ziemlich unbrauchbar gemacht, denn sie hatten ohne Ausnahme keine Spermien in ihrem Ejakulat», erläutert Mossmann. Was sein Kollege und er beschreiben, ist als Mossman-Pacey-Paradoxon in die Medizingeschichte eingegangen.

Aufklärung nötig

Betroffen sind diejenigen, die ihren Körper mit Steroiden aufpumpen oder Mittel gegen ihre Glatze einnehmen. Die Chemikalien sorgen dafür, dass die Hirnanhangdrüse die Produktion zweier Hormone namens FSH und LH einstellt, die für die Spermaproduktion wichtig sind. Neben der Unfruchtbarkeit sind die Betroffenen in der Regel gar nicht mehr zu zeugen in der Lage – Erektionsstörungen sind eine weitere unerwünschte Wirkung.

Gölä mit Glatze: Wer auf dem Kopf kahl wird, sollte auf Haarwuchsmittel verzichten, wenn Kinder gewünscht sind.
Gölä mit Glatze: Wer auf dem Kopf kahl wird, sollte auf Haarwuchsmittel verzichten, wenn Kinder gewünscht sind.
Bild: Keystone

«Ich schätze, es werden mehr Steroid-Nutzer steril als man glaubt – es sind wahrscheinlich 90 Prozent», führt Professor Pacey im Gespräch mit der «BBC» aus. «Bei Kahlheit ist [das Ergebnis nicht ganz so eindeutig], aber die Verkäufe schiessen durch die Decke, und so wird das zu einem immer alltäglicherem Problem.» Anstatt die eigenen Gene weitergeben zu können, würden sich die Betroffenen mit ihrem Verhalten zu «evolutionären Nieten» machen.

Dass die Menschheit nun ausstirbt, steht aber nicht zu befürchten, beruhigen die Forscher. Ihm sei vor allem wichtig, über die Nebenwirkungen zu informieren, sagt Professor Pacey. Das könne jungen Männern, deren Kinderwunsch nicht in Erfüllung geht, «einiges Kopfzerbrechen» ersparen.

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