Wo im Haus am meisten Coronaviren stecken

uri

4.6.2020 - 16:01

Ein Forscher-Team hat in Haushalten mit Corona-infizierten Personen untersucht, wo sich die Erreger am ehesten finden lassen – und kam dabei zu überraschenden Ergebnissen.

Wissenschaftler gehen momentan davon aus, dass SARS-CoV-2 vor allem durch Tröpfcheninfektion und sogenannte Aerosole in der Luft übertragen wird. Schmierinfektionen über die Oberflächen von Gegenständen wurde zuletzt eher eine geringe Bedeutung zugemessen.

Dennoch finden sich Spuren der Viren in den Wohnungen von Infizierten teils in höherer Konzentration, wie ein Forscher-Team um die Bonner Hygienemedizinerin Ricarda Maria Schmithausen und den Virologen Hendrik Streeck herausfinden konnten.

Die Forscher haben im von der Pandemie besonders gebeutelten Gangelt 21 zufällig ausgewählte Haushalte untersucht, in denen mindestens eine Person wegen einer Infektion unter Quarantäne stand. Die Studie liegt derzeit erst als Pre-Print vor, wurde also noch nicht von anderen Wissenschaftlern begutachtet.

Höchste Konzentration in Abflüssen

Für die Studie suchten die Wissenschaftler in der Raumluft, dem Abwasser aus Waschbecken, Duschen und Toiletten, sowie auf verschiedenen Gegenständen nach dem Erbgut des neuartigen Coronavirus.

Während sämtliche Luftproben negativ auf das Virus SARS-CoV-2 getestet wurden, fanden sich dessen Erbgutspuren in beinahe jedem fünften der Abflüsse von Wachbecken und Duschen und noch in fast neun Prozent des Abwassers von Toiletten.

Die Oberflächen von Fernbedienungen, Türgriffen, Ofenabdeckungen etc. wurden lediglich zu knapp vier Prozent positiv getestet. Auf Lebensmitteln und Getränken, aber auch auf Tieren, Pflanzen und Kleidungsstücken wurden hingegen keinerlei Spuren des Erregers festgestellt.

Keine vollständige Entwarnung

Wie die Wissenschaftler berichten, versuchten sie aus den vorgefundenen Erbgutproben wieder Viren heranzuzüchten. Das könne «bestätigen, dass tatsächlich infektiöse Viren vorhanden sind», wie «Spiegel» schreibt. Das sei allerdings in keinem Fall geglückt. Eine «vollständige Entwarnung» bedeute das jedoch nicht, denn es sei denkbar, dass es «infektiöse Viren gab, aber ihre Nachzucht im Labor aus anderen Gründen missglückte».

Coronaviren (blau) docken unter dem Elektronenmikroskop an der Oberfläche einer Zelle an. (Archiv)
Bild: Keystone

Obwohl das Infektionsrisiko im Haushalt in der Untersuchung relativ gering erscheint, warnen die Forscher in ihrem Papier: «Da wir eine Übertragung durch Oberflächen nicht ausschliessen können, sind hygienische Verhaltensmassnahmen in den Haushalten von SARS-CoV-2-infizierten Personen wichtig, um eine mögliche Übertragung durch Oberflächen zu vermeiden.» Auch gehöre dazu, vor dem Spülen der Toilette den Deckel zu schliessen, um das Aufwirbeln von Aersolen zu verhindern.

Die Rolle der häuslichen Umgebung, insbesondere der Abwasserbelastung in Waschbecken und Duschen, bei der Übertragung von SARS-CoV-2 müsse jedoch noch weiter geklärt werden, so die Forscher.

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