Berner Stadtrat ringt um Schulstruktur-Reform und Tagesbetreuung

zc, sda

11.11.2021 - 20:41

In Bern sorgt die geplante Neuorganisation von Tagis und Tagesschulen für viel Gesprächsstoff. (Symbolbild)
Keystone

Die geplante Reform der Schulstrukturen stösst im Berner Stadtrat auf geteiltes Echo. Das zeigte sich am Donnerstag bei der ersten Lesung des teilrevidierten Schulreglements.

zc, sda

11.11.2021 - 20:41

Aus Sicht des Gemeinderats handelt es sich um eine moderate Reform. Auch in Zukunft soll es sechs Schulkreiskommissionen und zwei Sonderschulkommissionen geben. Als Dach soll darüber eine zentrale Volksschulkommission stehen. Geleitet würde diese von der Bildungsdirektorin.

Das Mitte-Rechts-Lager hält die nach jahrelangen Diskussionen vorgeschlagene Reform für fragwürdig. Die SVP etwa kritisierte, die Bildungsdirektion erhalte viel zu viel Macht. Bern wolle die «Stadt der Beteiligung» sein, mache hier aber genau das Gegenteil.

Die Mitte befand, in der städtischen Schulpolitik gebe es bereits genügend Baustellen, darunter den Mangel an Schulraum, die Schwierigkeiten bei Informatik-Projekten und die Personalprobleme im Schulamt. Eine Organisationsreform bringe nur zusätzliche Unruhe.

Beide Fraktionen wollten auf die Vorlage gar nicht eintreten, scheiterten aber mit ihren Anträgen deutlich. Die FDP tat sich ebenfalls schwer mit der Strukturreform, die überhaupt nicht dringlich sei. Die Zeit dränge bloss bei einem ganz anderen Punkt der Teilrevision – der Neuorganisation der Tagesbetreuung.

Stadt bei Tagis unter Zugzwang

Von einer Aufteilung der Vorlage in zwei Teile wollte eine Mitte-Links-Mehrheit aber nichts wissen. Die Sorge der Ratslinken gilt vor allem der geplanten Zusammenführung von Tagesstätten und Tagesschulen zu einem einheitlichen Angebot.

In den 13 städtisch geführten Tagesstätten werden heute rund 400 Kinder und Jugendliche umfassender betreut, dies auch in den Ferien. In der Regel sind Fachkräfte am Werk. In den Tagesschulen hingegen werden auch Studierende eingesetzt.

Die Stadt sieht sich zur Zusammenführung der Angebote gezwungen, weil ihr der Kanton künftig deutlich weniger Geld für den Betrieb der teureren Tagesstätten zahlt. Zudem ist die Stadt selber knapp bei Kasse.

Die Ratslinke will verhindern, dass durch die Neuorganisation die Qualität der Betreuung stark leidet. Sie will im Reglement unter anderem den Anteil des ausgebildeten Personals festschreiben, ebenso eine Angleichung der Löhne ans heutige Niveau der Tagesstätten. Über ihre Anträge wird erst in der zweiten Lesung entschieden.

zc, sda