Autobahnbau

Bieler Tunnelprojekt für A5-Westast wird beerdigt

SDA

5.11.2020 - 22:30

Demonstration gegen den Bau des A5-Westasts am 3. November 2018 in Biel.
Source: KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Bewegung beim Projekt des umstrittenen A5-Westasts bei Biel: Die Dialoggruppe empfiehlt, das bestehende Tunnelprojekt nicht weiterzuverfolgen. Das dürfte das Aus dieser Variante bedeuten.

Die Beratungen der sogenannten Dialoggruppe haben ergeben, dass das umstrittene Tunnelprojekt für die A5 westlich von Biel am besten begraben wird. Das hat der Leiter des Dialogprozesses, Verkehrsexperte Hans Werder, nach einer Sitzung der Gruppe bekanntgegeben.

Werder sagte am Donnerstagabend an einem Point de Presse nach der Sitzung, die Dialoggruppe sei gemeinsam zu diesem Schluss gekommen. Es bestehe auch der Konsens, dass der Port-Tunnel vom Auflageprojekt abgelöst werden solle. Dieser Port-Tunnel soll als Zubringer zum Ostast realisiert werden; dies im Rahmen eines verkehrlichen Gesamtprojektes.

Am Donnerstag ging es laut Werder um die langfristigen Lösungen zur Verbesserung der Verkehrssituation in Biel und Nidau. Wie aus einem am Abend verschickten Pressecommuniqué hervorgeht, will die Dialoggruppe langfristig eine «unterirdische Lösung»- aber eben nicht in Form des bestehenden Projekts.

Tunnellösung nicht vom Tisch

Werder sagte, die Dialoggruppe spreche sich nicht für eine «bestimmte präferierte Tunnelvariante» aus. Sie habe aber zuhanden der Behördendelegation Leitlinien für eine Tunnellösung formuliert. Diese Leitlinien gäben dieser Delegation Anhaltspunkte, in welche Richtung es gehen könne.

Am 15. Dezember muss die Dialoggruppe der Behördendelegation einen Schlussbericht abgeben. Laut Werder muss anschliessend die Behördendelegation bis Ende Jahr entscheiden, was sie dem Bund beantragen will.

Absturz war absehbar

Dass das bestehende Projekt für den A5-Westast kaum noch eine Chance haben würde, wurde bereits Mitte August klar.

Damals sagte der Bieler Stadtpräsident Erich Fehr an einer Medienkonferenz, er gehe nicht mehr davon aus, dass dieses Projekt in unveränderten Form durchgeboxt werden könne. Die Nidauer Stadtpräsidentin Sandra Hess widersprach aber einem Journalisten, welcher die These aufstellte, das Projekt sei «klinisch tot».

Werder sagte am Donnerstagabend, der Konsens, das bestehende Projekt fallen zu lassen, sei neu. Catherine Duttweiler, eine Gegnerin des bestehenden Projekts, sprach von eine guten Kompromiss, der gefunden worden sei.

«Auf bestem Weg»

Nur noch eine Person habe sich für das ursprüngliche Projekt ausgesprochen. Gegen 50 Personen nahmen an der Sitzung teil. Cécile Wendling, eine Befürworterin, sagte, man sei «auf dem besten Weg», einen Kompromiss zu finden.

Laut Werder braucht es noch gewisse Klärungen und Anpassungen. Schon im August hiess es, bei den kurz- und mittelfristigen Massnahmen sei man sich einig.

Der Schlussbericht der Dialoggruppe wird vier Teile enthalten: Erkenntnisse zu Ist-Zustand und Handlungsbedarf, Empfehlungen zu kurz- und mittelfristigen Lösungen, Empfehlungen zu langfristigen Lösungen und Empfehlungen zum Prozess und zur Finanzierung.

2,2-Milliarden-Projekt

Biels A5-Ostast ist seit drei Jahren in Betrieb, der A5-Westast hingegen seit Jahren heiss umstritten. Laut dem Ausführungsprojekt kostet der Bau 2,2 Milliarden Franken. Es sieht vor, dass die A5 an zwei Stellen als offene Autobahn durch die Stadt geführt wird.

Befürworter halten den A5-Westast für die einzig realistische Lösung zur Bewältigung des Verkehrsaufkommens. Die Gegner befürchten eine Verschandlung des Stadtbilds. Auf Antrag des Kantons Bern hat der Bund im März das Plangenehmigungsverfahren sistiert. Gegner und Befürworter sollten die Chance erhalten, sich zu einigen.

Kern des Dialogs ist eine Gruppe mit je vier Befürwortern und Gegnern sowie Vertretern der Gemeinden Biel und Nidau und einem Verkehrsexperten. Als übergeordnetes Gremium agiert die Dialoggruppe, welche aus Rundtischgesprächen hervorging.

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