Kanton Bern veröffentlicht digitale «Religionslandkarte»

sr, sda

29.10.2021 - 10:20

Mit einer digitalen «Religionslandkarte» will der Kanton Bern die Vielfalt der Religionen im Kanton Bern sichtbar machen. Er strebt damit auch an, die Beziehungen zu religiösen Gemeinschaften ausserhalb der Landeskirchen zu stärken. Am Freitag hat er die Karte auf der Internetseite des Kanton Bern aufgeschaltet.

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29.10.2021 - 10:20

Wer die Karte aufruft, sieht, wo welche Glaubensgemeinschaften im Kanton Bern Versammlungsorte haben. Diese Orte werden mit verschiedenfarbigen Punkten symbolisiert. Rund 630 Standorte von Gemeinschaften aus über zwanzig verschiedenen religiösen Traditionen sind zu finden. Aufgerufen werden können auch Kontaktdaten und allfällige Webseiten.

Zu finden ist die neue Karte auf dem Geoportal des Kantons Bern, wo die Kantonsverwaltung viele weitere Karten und Geodaten zugänglich macht. Das gab die für religiöse Angelegenheiten zuständige Berner Regierungsrätin Evi Allemann am Freitag in Bern bei der Präsentation der Karte vor den Medien bekannt.

Diese ist laut dem kantonalen Beauftragten für kirchliche und religiöse Angelegenheiten, David Leutwyler, die vierte dieser Art in der Schweiz. Auch die Waadt, Luzern und Genf verfügen laut Leutwyler über eine solche Karte. Über 90 Prozent der vom Kanton kontaktierten Gemeinschaften beteiligten sich an der Erfassung der Daten.

«Sichtbarkeit schafft Zugänglichkeit»

Allemann sagte vor den Medien, zu wichtigen Themen brauche es Kartenmaterial. Schon rein darum brauche es diese neue Religionslandkarte. Sie verschaffe eine Übersicht, und Sichtbarkeit schaffe Zugänglichkeit.

Der praktische Nutzen für Bürgerinnen und Bürger sei, dass sie dank der Karte nachschauen könnten, welche religiöse Gemeinschaften in ihrer Nähe aktiv seien. Der Nutzen der Karte für den Kanton Bern bestehe darin, dass er so die privatrechtlich organisierten Religionsgemeinschaften besser kennenlerne und diese umgekehrt den Kanton Bern.

Viele Religionsgemeinschaften sind als Vereine organisiert und unterstehen damit dem Vereinsrecht. Der Kanton Bern spricht von ihnen neu als «privatrechtlich organisierten» und nicht mehr von «öffentlich-rechtlich nicht anerkannten» Gemeinschaften. Öffentlich-rechtlich anerkannte Gemeinschaften sind die sogenannten Landeskirchen.

Auch die Gemeinschaften ausserhalb der Landeskirchen leisteten wichtige Beiträge im gesamtgesellschaftlichen Interesse und trügen zum religiösen Frieden bei, so Allemann. Und wenn beide Seiten vernetzt seien, erlaube das rasches Handeln sowohl im Alltag als auch im Krisenfall.

Die Kontakte dienten auch dazu, staatliche Ungleichbehandlungen zwischen Religionen leichter zu erkennen und wo möglich zu reduzieren, sagt Allemann.

Es gehe nicht darum, die Zahl der vom Kanton anerkannten Kirchen zu vergrössern. Der Grosse Rat habe aber bei der Beratung des Landeskirchengesetzes verlangt, dass der Kanton Bern andere Massnahmen zur Förderung von Religionsgemeinschaften, die gesellschaftlich relevante Leistungen erbringen, prüfe.

«Wenn wir hinschauen, können wir der Religionsvielfalt gerechter werden», sagt Allemann. Darin liege auch eine Form der gesellschaftlichen, nicht aber der rechtlichen Anerkennung dieser Akteure.

12 Prozent Gläubige privatrechtlich

Laut einer Berechnung des Bundesamts für Statistik waren vor zwei Jahren 47,5 Prozent der Bernerinnen und Berner über 15 Jahren evangelisch-reformiert und 15,4 Prozent römisch-katholisch.

24 Prozent sind konfessionslos und laut Leutwyler gehören etwa zwölf Prozent der über 15-jährigen Bernerinnen und Berner einer privatrechtlich-organisierten Religionsgemeinschaft an. Innerhalb dieser Gruppe bilden die «anderen christlichen Glaubensgemeinschaften», also beispielsweise Freikirchen, mit 6,6 Prozent die grösste Untergruppe.

Die islamischen Gemeinschaften bilden mit 4 Prozent die zweitgrösste Gruppe. Die Karte soll weiterentwickelt werden. Der Kanton Bern stellt sie am 23. November an einem «Vernetzungsanlass» den Landeskirchen und den weiteren religiösen Gemeinschaften vor.

sr, sda