Vereinspräsident Iseli: «Münster sollte wieder 'Lütkirche' werden»

sr, sda

9.3.2021 - 12:37

Für den Präsidenten des Vereins 600 Jahre Berner Münster, Thomas Iseli, sollte das Münster auf keinen Fall einfach ein Baudenkmal sein. Er möchte, dass dieses Gotteshaus ein sakraler Raum bleibt und wieder – wie früher – eine «Lütkirche» ist.

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9.3.2021 - 12:37

Bei einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA im wegen der Restaurierung des Mittelschiffgewölbes leeren Kirchenraum sagt Iseli, auf ihn übe das Münster eine «magnetische Sogwirkung» aus. Er sei nicht Mitglied der Münster-Kirchgemeinde, sondern gehöre der Nydegg-Kirchgemeinde an.

Das ist eine von zwölf Kirchgemeinden, welche zusammen die evangelisch-reformierte Gesamtkirchgemeinde Bern bilden. In der Nydeggkirche nehme er an Gottesdiensten teil. Immer wieder habe er aber das Gefühl, nun müsse er mal wieder ins Münster.

Für ihn sei dieses Gotteshaus «primär ein unglaublich schöner Raum» und ein Raum der Besinnung. Es sei zudem «das zentrale kirchliche Gebäude der Stadt Bern. Und ich merke, dass ich immer wieder stolz bin, dass wir es haben und dass es so prominent platziert ist.»

Identifikationsobjekt in Fusionsverfahren

Derzeit befinden sich die zwölf Kirchgemeinden der Stadt Bern und Bremgartens mitten im Verfahren um eine allfällige Fusion zu einer neuen Gesamtkirchgemeinde Bern. Das Münster ginge damit – wie die Kirchen der anderen Kirchgemeinden – von der Münster-Kirchgemeinde auf die neue Gesamtkirchgemeinde über.

Als zentrales Gebäude einer fusionierten Gesamtkirchgemeinde müsste das Münster ein Raum sein, welcher nicht nur für ein distinguiertes Publikum aus dem Kirchenfeldquartier da wäre, sagt Iseli, sondern für alle. Das Münster gelte heute in den übrigen Kirchgemeinden als etwas isoliertes Gotteshaus mit hohen Ansprüchen

Diese «splendid isolation», wie auch schon gesagt worden sei, müsse das Münster überwinden. Es müsse wieder zu einer «Lütkirche» werden – wie jene Kirche, welche vor dem Münster bestand. «Das war auch die Motivation dafür, dass ich das Amt übernahm», sagt der überzeugte Fusionsbefürworter Iseli.

«Das Jubiläum ist die Gelegenheit, der Stadtbevölkerung zu zeigen: Das ist unsere Kirche. Nun feiern wir sie.» Er glaubt, dass das Münster für alle Kirchenmitglieder des Raums Bern als Identifikationsobjekt dienen kann und seine Existenz insofern die Fusion unterstützt.

Höher als das Münster? Kein Problem

Bisher galt in Bern als tabu, ein Gebäude zu erstellen, das höher würde als der Turm des Berner Münsters. Dieser ist 100,6 Meter hoch. Nun will der Stadtberner Energiedienstleister Energie Wasser Bern (ewb) in Ausserholligen drei Hochhäuser bauen mit einer Höhe von bis zu 110 Metern.

Das störe ihn überhaupt nicht, sagt Iseli dazu. Die Berner Altstadt sei ja geschützt, so der 66-jährige ehemalige Sozialarbeiter und Leiter der Personalombudsstelle bei einer Schweizer Grossbank. In der Altstadt entstehe kein Hochhaus. In Ausserholligen oder Ostermundigen könnten für ihn hingegen höhere Gebäude entstehen: «Die Zeiten haben sich verändert».

sr, sda