Viele Aktionen, wenig Streik und ein verärgerter Bundesrat

SDA

14.6.2019 - 09:06

In Bern versuchten am 14. Juni 1991 Frauen den Zugang zum Bundeshaus zu blockieren.
Source: KEYSTONE/STR

Der erste Frauenstreik im Jahr 1991 mobilisierte auch in Bern tausende Frauen. Vor allem Aktionen dominierten das Geschehen. Auf dem Bundesplatz protestierten hunderte Frauen und brachten den Bundesrat in Rage.

Dieser beging am 14. Juni 1991 gerade den Tag der Internationalen Beziehungen im Rahmen der 700-Jahrfeier der Eidgenossenschaft. Im Bundeshaus wurde Politprominenz aus dem Ausland erwartet.

Die streikenden Frauen empfingen die ankommenden Gäste des Bundesrats mit Pfiffen und Sprechchören. Politiker wie der damalige deutsche Aussenminister Hans-Dietrich Genscher mussten das Bundeshaus durch die Hintertüre betreten.

«Unflätige» Frauen

Der Bundesrat reagierte geharnischt und liess die für die Ordnung auf dem Bundesplatz zuständigen Berner Stadtbehörden wissen, dass sich «derlei Vorfälle nie mehr wiederholen» dürfen. So etwas sei dem Ruf der Schweiz und ihrer Bundeshauptstadt umso abträglicher, als die geladenen ausländischen Gäste nichts mit dem Anlass der Demonstration zu tun hatten. Dabei seien die Gäste «in unflätiger Weise belästigt worden», liess sich der Bundesrat vernehmen.

In den Strassen und Gassen Berns wurden zahlreiche Aktionen durchgeführt, die die Gleichstellung thematisierten. Gestreikt wurde eher weniger, wie die Schweizerische Depeschenagentur damals nach einem Rundgang durch die Stadt bilanzierte.

Doch es gab auch Arbeitsausfälle an diesem Tag. Das Strassenverkehrsamt etwa hatte seine Schalter geschlossen, sehr zum Ärger der männlichen Kundschaft, wie aus einem Bericht des Schweizer Fernsehens vom 14. Juni 1991 hervorgeht.

Ein Kutscher mit Zylinder auf dem Kopf und Frauenstreik-Kleber auf der Brust fuhr Frauen durch die Stadt. Die Gerechtigkeitsgasse wurde für einen Tag in Hexenprozessgasse umgetauft.

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