Coronavirus – Schweiz

Beruhigung nach dem grossen Sturm im Basler Detailhandel

SDA

17.3.2020 - 14:09

Volle Regale, weniger Kundinnen und Kunden: Im Basler Detailhandel hat sich die Situation nach dem grossen Einkaufssturm am Tag eins der vom Bund ausgerufenen «ausserordentlichen Lage» etwas beruhigt.

Wo am vergangenen Samstag und Montag praktisch nur noch das Grün der leeren Kisten zu sehen war, dominierte am Dienstag wieder das bunte Gemisch von Früchten und Gemüsen: Die allermeisten Regale der Coop-Filiale Klybeck im Kleinbasel sind wieder prall gefüllt. Nur WC-Papier gibt es nach wie vor keines. «Wir erwarten aber eine Lieferung heute Nachmittag», sagt der Mitarbeiter, der wie mehrere Kolleginnen emsig am Nachfüllen der Regale ist.

Nach dem grossen Einkaufssturm ist am Tag eins nach der Verkündung der «ausserordentlichen Lage» durch den Bundesrat wieder etwas Ruhe eingekehrt. Die letzten Tage seien eine kleine Katastrophe gewesen, sagt der Mitarbeiter. Viele Menschen, die am Montag in Deutschland einkaufen wollten, aber zurückgewiesen wurden, hätten die Filiale gestürmt. Dabei hätten sich nicht alle Kundinnen und Kunden vorbildlich verhalten.

Vorbildlich heisst, Abstand halten. Bei den Kassen sind am Boden deutlich sichtbare Distanz-Markierungen angebracht, Plakate und Durchsagen über Lautsprecher weisen zusätzlich auf das Gebot des «Social Distancing» hin. Die Kassiererinnen tragen Gummihandschuhe und wirken an diesem Dienstag freundlich und entspannt.

Dass wieder Ruhe eingekehrt ist, kann die Mediensprecherin von Coop noch nicht bestätigen. «Da müssen wir erst die Berichte vom späten Nachmittag abwarten», sagt sie. Es könne durchaus sein, dass es je nach Entwicklung zu einem erneuten Ansturm kommen könne.

Plakate und Abgrenzungsmarkierungen sind Massnahmen die laut der Coop-Sprecherin auch dem Schutz des Personals dienen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien vor Wochen bereits speziell geschult worden. Ihnen stünden auch Desinfektionsmittel zur Verfügung. Ausserdem sei die Reinigungsarbeit namentlich bei den Selfservice-Kassen und den Einkaufswagen intensiviert worden.

Ähnliches ist auch von der Unternehmenskommunikation von Manor zu erfahren. Gefährdete Personen nach Definition des Bundesamts für Gesundheit seien aufgerufen, im Backoffice zu arbeiten oder zuhause zu bleiben, teilt die Mediensprecherin mit.

Auch bei Manor wird von grösseren Anstürmen in den vergangenen Tagen berichtet; Konflikte mit Kundinnen und Kunden seien aber keine bekannt. Obwohl die Frequenz der Manor-Supermärkte gut sei, würde man noch keine Eingangskontrollen wie in Italien durchführen, sagt die Mediensprecherin.

Keine Eingangskontrollen

Kontrolliert wird indes, dass die Absperrung des Nonfood-Bereichs mit dem Kosmetik-, Schmuck- und Accessoire-Ständen im Erdgeschoss nicht übertreten werden. Dabei gehe es auch darum, allfällige Diebstähle zu vermeiden, sagt ein Mitarbeiter, der Wache hält.

Nicht abgesperrt sind die Nonfood-Bereiche in den grossen Basler Migros-Märkten Claramärt und Dreispitz. Die relativ zahlreich anwesenden Kundinnen und Kunden decken sich aber hauptsächlich mit Lebensmitteln und Haushaltartikeln ein. Auf vielen Laufbändern an den Kassen sind grosse WC-Papierpakete und Kartons mit Fruchtsäften sowie Büchsennahrung zu sehen.

Zum Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Migros-Genossenschaften sollen in den nächsten Tagen an den Kassen Plexiglasscheiben montiert werden, heisst es in der Medienstelle. Derweil halten sich viele Kundinnen und Kunden beim Anstehen an der Kasse aber nicht an das auf Plakaten verkündete Gebot, Abstand zu halten.

Wie überall in der Schweiz hat die Warenhauskette Globus ihre «Delicatessa»-Lebensmittelabteilungen geschlossen. Lebensmittel würden nur noch über den Webshop vertrieben, heisst es auf der Website von Globus.

Kleinere Anbieter in Basel zeigen sich indes flexibel. So wird die Delikatessen-Bar Consum in der Rheingasse gegenwärtig zu einem Einkaufsladen umgebaut. Im Schaufenster wird mit grossen Buchstaben «Einkaufen wie früher» verkündet – in Anlehnung an die Vergangenheit des Lokals, das einst eine Filiale des Coop-Vorgängers «Allgemeiner Consum-Verein» war.

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