Neue zehn Gebote im Zürcher Schanzengraben versenkt

SDA

9.7.2020 - 15:22

Die beiden St. Galler Künstler Frank und Patrik Riklin haben am Donnerstagmorgen Steintafeln mit den «Zehn Geboten Vol. 2» im Zürcher Schanzengraben versenkt. Es ist der zweite Teil einer Kunstaktion, die vor rund zehn Tagen in St. Gallen begonnen hat.

Am Donnerstagmorgen transportierten Frank und Patrik Riklin zusammen mit Helfern zehn Steintafeln im Gewicht von rund einer Tonne von St. Gallen nach Zürich. Sie seien einfach in einen Bahnwagen eingestiegen, schilderte Patrik Riklin gegenüber Keystone-SDA die ungewöhnliche Reise.

Mitten im Zürich Finanzdistrikt und dort im Schanzengraben sollte eine öffentliche Kunstperformance ihr vorläufiges Ende finden, die am 23. Juni in der St. Galler Altstadt direkt neben der Kathedrale begonnen hat.

Eigenhändig meisselten die beiden Brüder – jeweils umringt von Zuschauern – ihre «Zehn Gebote, Vol. 2» in Sandsteintafeln. Eine Videokamera auf einer Holzlatten-Konstruktion lieferte einen Internet-Livestream. «Trust insanity and question the conventional» (Vertrau dem Wahnsinn und stell das Konventionelle in Frage) heisst eines der neuen Gebote.

Die Künstler schweigen

Mit ihrer Aktion wollen die Künstler die Gesellschaft zur Selbstreflexion und zur Suche nach Sinn animieren. Die Performance habe zum Ziel, «an der Schnittstelle zwischen Kunst, Religion, Philosophie und Wirtschaft» an den neu formulierten Werten zu meisseln, die es brauche, heisst es in der Medienmitteilung zur Aktion.

Am Donnerstagvormittag wurden die Tafeln vom Zürcher Hauptbahnhof durch die Bahnhofstrasse am Paradeplatz vorbei bis zum Schanzengraben transportiert. Dort fand dann die «Wässerung» statt, wie Patrik Riklin sagte. Im klaren Wasser seien die Aufschriften auf den Tafeln in rund 1.20 Meter Tiefe weiterhin gut lesbar.

Mit dieser unbewilligten Aktion haben die Brüder ihre Arbeit vorläufig beendet. Sie wollten es nun der Gesellschaft überlassen zu entscheiden, ob die Tafeln in Zürich bleiben könnten, sagte Riklin. Die neuen Gebote interpretieren wollen sie nicht: «Die Künstler schweigen», hiess es schon in St. Gallen.

Frank und Patrik Riklin gehen mit ihrem «Atelier für Sonderaufgaben» seit 20 Jahren der Frage nach, «inwieweit sich das Potenzial der Kunst erweitert, wenn sie den repräsentativen Rahmen verlässt und direkt in sozial-gesellschaftliche Realitäten eingreift». Bekannt wurden sie etwa durch ihre «Null-Stern-Hotels».

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