Schulsozialarbeit bleibt für Aargauer Gemeinden freiwillig

ga, sda

8.6.2021 - 11:05

Der Aargauer Grosse Rat tagte wegen der Corona-Pandemie erneut in einer Halle in Spreitenbach AG. (Archivbild)
Keystone

Im Kanton Aargau können die Schulen und Gemeinden weiterhin freiwillig eine Schulsozialarbeit anbieten. Der Grosse Rat hat am Dienstag in Spreitenbach AG eine Motion mit 66 zu 64 Stimmen knapp abgelehnt, die eine Pflicht für die Gemeinden erreichen wollte.

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8.6.2021 - 11:05

Der Regierungsrat wäre bereits gewesen, das Anliegen als unverbindlicheres Postulat entgegen zu nehmen. Das lehnten die Motionäre aus den Reihen von SP, Mitte, Grüne, GLP und EVP ab.

Diese Parteien forderten eine flächendeckende Einführung von Schulsozialarbeit. Auch sollte die Finanzierung neu geregelt werden. Derzeit bezahlen die Gemeinden das Angebot selbst.

90 Prozent aller Schülerinnen und Schüler verfügen gemäss Regierungsrat bereits über einen direkten Zugang zur Schulsozialarbeit. Einzig 60 kleine Primarschulen mit rund 10 Prozent aller Schülerinnen und Schüler stehe kein solches Angebot zur Verfügung, hiess es in einer Stellungnahme des Regierungsrats.

Die Schulsozialarbeit begleitet Kinder und Jugendliche beim Erwachsenwerden. Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter bieten direkt im Schulhaus Beratungen, präventive Angebote und Kriseninterventionen an und stehen Eltern bei erzieherischen Fragen bei.

Kanton lehnt Mitfinanzierung ab

Eine kantonale Einheitslösung erachtete der Regierungsrat nicht als zielführend. Die Gemeinden sollten zudem weiterhin alles selbst bezahlen: Man schliesse eine Kostenbeteiligung am finanziellen Aufwand für Personal und Betrieb der Schulsozialarbeit aus. Es gebe grosse Unterschiede zwischen den Gemeinden im Aargau, hielt Bildungsdirektor Alex Hürzeler (SVP) fest.

Die SVP-Fraktion war gegen die Pflicht, dass alle Gemeinden eine Schulsozialarbeit anbieten müssen. Die Gemeindeautonomie müsse respektiert werden, und der Kanton solle nicht alle Aufgaben an sich reissen. Man anerkenne die Bedeutung der Schulsozialarbeit, hiess es bei der FDP und sprach sich für den Vorstoss als Postulat aus.

Die Schulsozialarbeit sei für eine gute Schule unerlässlich, hiess es bei den Motionären. Die gesellschaftliche Entwicklung habe das Zusammenleben von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in den letzten Jahren stark verändert.

Es gebe Kinder, die Kameraden mobbten, rebellierende Jugendliche, Gewalt auf dem Pausenplatz sowie Lehrpersonen, die an ihre Grenzen stiessen und überforderte Eltern. Das Zusammenleben sei komplexer und spannungsreicher geworden. Die Beratungsstellen im Kanton seien ausgelastet, überlastet oder unterbesetzt.

Für ambulante Jugendhilfe

Der Grosse Rat überwies mit 73 zu 49 Stimmen ein Postulat, das die Schaffung von gesetzlichen Grundlagen für die ambulante Kinder- und Jugendhilfe fordert. Die SVP-Fraktion war dagegen. Den Vorstoss war von Mitgliedern aus den Reihen aller Parteien eingereicht worden.

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