Nach Einspruch von Freiburg

Wie es im Fall des Bayern-Wechselfehlers weitergeht

dpa

5.4.2022 - 09:31

Freiburg erhebt Einspruch wegen Bayerns Wechselfehler

Freiburg erhebt Einspruch wegen Bayerns Wechselfehler

Nach langer und intensiver Abwägung legt der SC Freiburg Einspruch gegen die Niederlage im Duell mit dem FC Bayern ein. Der Präzedenzfall wird nun vom DFB-Sportgericht aufgearbeitet.

04.04.2022

Ein Wechselfehler kann den FC Bayern München um drei Punkte in der Bundesliga bringen. Statt auf dem Platz wird die Partie nun sportjuristisch entschieden. Was das im Detail heisst, wird hier erläutert.

dpa

5.4.2022 - 09:31

Bayern München muss um die drei Punkte vom 4:1-Sieg beim SC Freiburg bangen. Die Breisgauer haben gegen die Wertung des Spiels Einspruch eingelegt, weil der deutsche Rekordmeister in der Partie am Samstag vorübergehend zwölf Spieler auf dem Platz hatte. Der Fall liegt nun in der Zuständigkeit des Sportgerichts des Deutschen Fussball-Bundes (DFB).



Was genau lief schief?

Bei der geplanten Auswechslung von Bayern-Spieler Kingsley Coman wurde die falsche Rückennummer angezeigt. Teammanagerin Kathleen Krüger zeigte versehentlich seine alte Nummer 29 statt 11 – der Franzose fühlte sich nicht angesprochen und blieb so beim Doppelwechsel auf dem Feld. Für 20 Sekunden standen also zwölf Bayern-Spieler auf dem Rasen, was vom Schiedsrichtergespann zunächst unbemerkt blieb. Erst als Freiburg-Spieler Nico Schlotterbeck die Unparteiischen darauf aufmerksam machte, wurde der Irrtum bemerkt. Der Schiedsrichter hielt den Vorfall im Spielbericht fest. 

Wie begründet Freiburg seinen Einspruch?

Die Freiburger wollen mit ihrem Einspruch eine sportrechtliche Bewertung des Präzedenzfalls herbeiführen und damit auch für andere Clubs künftig Rechtssicherheit in vergleichbaren Fällen schaffen. Zudem geht es dem Verein auch um die Wahrnehmung wirtschaftlicher und sportlicher Interessen. Der Tabellenfünfte kämpft um eine Teilnahme am internationalen Wettbewerb, die viel Geld einbringen würde. 

Mit dem Rekurs sichert sich Freiburg auch gegen allfällige Klagen aus den eigenen Reihen statt (zum Beispiel Sponsoren oder Mitglieder). Der Klub würde wirtschaftliche Schäden in Kauf nehmen, wenn er keinen Einspruch einlegt, so die Argumentation. Deshalb sei man «formal in der aktiven Rolle, die Vorgänge rechtlich überprüfen zu lassen», heisst es in einer Stellungnahme.

Reaktionen aus dem Bayern-Lager

Bayern-Vorstandschef Oliver Kahn meint: «Wir sind nicht überrascht, dass der SC Freiburg Einspruch eingelegt hat. Die Angelegenheit liegt nun in den Händen der Sportgerichtsbarkeit, der wir voll vertrauen.»

Bayern-Boss Oli Kahn sieht der Angelegenheit optimistisch entgegen.
Bild: Getty

Michael Gerlinger, Vizepräsident Sports Business und Competitions der Münchner, sagt: «Wir sind überzeugt, dass das DFB-Sportgericht nach den anwendbaren Regelungen nur zu einer Entscheidung kommen kann: Die Wertung unseres 4:1-Sieges bleibt erhalten.»

Gab es schon mal einen vergleichbaren Fall?

Wie «Bild» ausführt, sei im Oktober 2021 bei einem Spiel in der Oberliga nach einer Einwechslung ein Team ebenfalls – hier 16 Sekunden – mit zwölf Mann auf dem Platz gestanden. Der Einspruch der Wertung des Spiels wurde abgelehnt. So wurde unter anderem angeführt, der zwölfte Feldspieler habe nicht aktiv ins Spiel eingegriffen. Auch bei Bayern gegen Freiburg griff der eingewechselte Sabitzer nicht ins Spiel ein. Der noch auf dem Feld stehende Coman berührte zwar den Ball, hat aber kein Tor verhindert und auch kein Tor geschossen und dürfte somit keinen entscheidenden Einfluss auf das Spielgeschehen gehabt haben.

Was das DFB-Sportgericht ist

Das DFB-Sportgericht ist die erste sportrechtliche Instanz des deutschen Verbandes. Es ist zuständig für Verstösse von Vereinen, Spielern, Trainern, Funktionären sowie Schiedsrichtern gegen Rechtsvorschriften des DFB und der DFL im Zusammenhang mit Bundesspielen. Daneben bestehen weitere Zuständigkeiten, wie zum Beispiel für Einsprüche gegen die Spielwertung von Bundesspielen oder für finanzielle Streitigkeiten aus Anlass der Durchführung von Bundesspielen, heisst es auf der Homepage des DFB.

Wer über den Einspruch des SC Freiburg entscheidet

Vorsitzender des DFB-Sportgerichts ist Stephan Oberholz. Oberholz hatte auch den Vorsitz beim Verfahren wegen des Spielabbruchs der Partie VfL Bochum gegen Borussia Mönchengladbach, nachdem Schiedsrichterassistent Christian Gittelmann durch einen Becherwurf verletzt wurde. Neben Oberholz gehören weitere 35 Mitglieder dem Sportgericht an.



Wie es weiter geht

Das zuständige DFB-Sportgericht wird nun zunächst Stellungnahmen von den Verfahrensbeteiligten einholen. Nach Vorliegen und Auswertung der Stellungnahmen wird das Gremium über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden. Über den Zeitraum machte der Verband keine Angaben. Das Verfahren kann sowohl schriftlich als auch mündlich verhandelt werden.

Welche weiteren Instanzen gibt es

Binnen einer Woche nach Verkündung des Urteils gibt es die Möglichkeit der Berufung. Diese würde dann vor dem Bundesgericht verhandelt. Dessen Urteil ist verbandsintern abschliessend. 

Wie sind Freiburgs Erfolgschancen?

Gemäss Sportjuristen sind die Chancen auf einen Erfolg klein. Der Hauptfehler liege klar beim Schiedsrichtergespann, was das DFB-Sportgericht kaum ignorieren könne.

Stellvertretend hält Knut Kircher, Schiedsrichter-Beobachter des DFB fest:  «Das ist ein Fauxpas des Schiedsrichterteams, der so nicht passieren darf, wenn man die Spielleitung bis zum Ende konzentriert durchbringen will», so Kircher gegenüber «SWR Sport». «Die Auswechselvorgänge lagen nicht in der Zuständigkeit des FC Bayern, sondern das ist ein Auswechselvorgang, den das Schiedsrichtergespann zu überwachen hat.»

Eine Wertung am grünen Tisch scheint also unwahrscheinlich. Bis zur definitiven Klärung des Vorfalls beträgt das Polster der Bayern auf Verfolger Dortmund weiterhin komfortable sechs Punkte.

dpa