FCS-Coach Martin Andermatt

Murat Yakins Nachfolger war nur eine Notlösung – jetzt winkt der Aufstieg

Von Patrick Lämmle

10.5.2022

Martin Andermatt nimmt mit dem FC Schaffhausen den Aufstieg in die Super League ins Visier.
Bild: Keystone

Im September 2021 herrschte beim FC Schaffhausen ein grosses Trainer-Wirrwarr und auch sportlich lief es dem FCS alles andere als wunschgemäss. Acht Monate später präsentiert sich ein ganz anderes Bild.

Von Patrick Lämmle

10.5.2022

Martin Andermatt, assistiert von Hakan Yakin, kämpft mit Schaffhausen um den Aufstieg. Gewinnt der FCS am Dienstagabend in Thun (19:30 Uhr auf blue Sport), so stünde er zwei Runden vor Schluss an der Tabellenspitze. Und am kommenden Samstag folgt dann bereits das Spiel der Spiele gegen den FC Aarau, der am Montagabend dank eines Last-Minute-Sieges zumindest vorübergehend auf den Leaderthron kletterte. Auch Winterthur ist trotz drei Remis in Folge noch im Geschäft.


Dass Schaffhausen heute so gut dasteht, das war nach dem Saisonstart und den Turbulenzen rund um den Klub nicht vorhersehbar. Früh in der Saison musste Schaffhausen einen neuen Trainer suchen, da Murat Yakin das Amt des Nationaltrainers übernahm. Daraufhin herrschte erstmal grosses Chaos im Verein, dazu später mehr. Nach turbulenten Wochen übernahm schliesslich Martin Andermatt als Chefcoach. Zwar ist der 60-Jährige ein ausgewiesener Fussball-Fachman, dennoch kam seine Verpflichtung einer aus der Not geborenen Lösung gleich.

Keine Frage, Andermatt, der einst Eintracht Frankfurt coachte, kannte den Schweizer Fussball vor seinem Amtsantritt bestens. Er war schon Coach bei Wil, Vaduz, YB, Aarau und Bellinzona. Vor allem aber auch kannte er Hakan Yakin sehr gut. Bei YB und Bellinzona war während insgesamt rund drei Jahren dessen Trainer und zwischen 2014 und 2015 war Yakin Andermatts Assistent beim SC Zug 49. Als Andermatt zwischen 2016 und 2019 ein Beratermandat bei Hannover 96 übernahm, trennten sich die Wege.

Ein Bild aus dem Jahr 2013: Martin Andermatt (links, Trainer von Bellinzona) und sein damaliger Star-Spieler Hakan Yakin. 
Bild: Keystone

Man darf deshalb davon ausgehen, dass Yakin den Namen Andermatt ins Spiel brachte. Kein Wunder erhoben manche Konkurrenten rasch den Vorwurf, Andermatt sei in Schaffhausen mehr Platzhalter denn Trainer. Während sich der 60-Jährige an der Seitenlinie in der Anfangszeit vornehm zurückhielt, wies Assistenzcoach Hakan Yakin die FCS-Spieler lautstark an. Verboten ist dies allerdings freilich nicht. Und doch sitzt Yakin inzwischen bei den Spielen auf der Tribüne und nicht mehr auf der Spielerbank. Vielleicht ja auch deshalb, weil Andermatt inzwischen seine Spieler sowie die Stärken und Schwächen seines Teams bestens kennt. Das war nach seinem überstürzten Amtsantritt sicherlich noch nicht der Fall war.

Rückblick auf turbulente Tage

Die Saison 2020/21 beendete Schaffhausen im 4. Rang, punktgleich mit dem drittklassierten Stade Lausanne-Ouchy. Im März 2021 grüsste man gar vom Barrage-Platz, ehe eine schwächere Phase den FCS in der Tabelle weiter nach unten gespült hatte. Dennoch setzte man sich für die Saison 2021/22 hohe Ziele.

Doch bald schon herrschte grosse Unruhe. Trainer Murat Yakin, er war seit Juli 2019 Trainer bei Schaffhausen, verabschiedete sich nach nur drei Runden (2 Remis, 1 Niederlage) und wurde Nationaltrainer. Interimistisch übernahm Bruder Hakan Yakin, zuvor Assistent, den Chefposten.

Nach drei Spielen unter Hakan Yakin wurde am 1. September schliesslich Artim Shaqiri als neuer FCS-Coach vorgestellt. Das Problem dabei: Der Nordmazedonier hatte noch gar keine Arbeitsbewilligung erhalten. Und so stand Hakan Yakin am 10. September gegen Stade Lausanne-Ouchy doch wieder an der Seitenlinie. Ohne die nötige Uefa-Pro-Lizenz hätte er aber nur bis am 1. September als Haupttrainer amten dürfen. Da beim Spiel in Lausanne aber Shaqiri als Haupttrainer angegeben wurde, dieser wegen der fehlenden Arbeitsbewilligung aber nur auf der Tribüne sass, wurde schliesslich ein Verfahren gegen den Verein eingeleitet.

Nun musste es ganz schnell gehen und so zauberte Schaffhausen Martin Andermatt aus dem Hut. Am 17. September wurde er als Trainer vorgestellt, tags darauf führte er sein Team zu einem 11:0-Sieg im Cup gegen Zweitligist Bosporus. Was für ein Einstand, es ist bis heute der höchste Sieg der Vereinsgeschichte – am 7. März 1932 hatte Schaffhausen einst 11:1 gegen den FC Amriswil gewonnen. Vier Tage später galt es für Andermatt in Challenge League erstmals ernst, auch da gab es einen Sieg zu bejubeln (2:1 gegen Thun).

Die Hinrunde beendete Schaffhausen (27 Punkte) schliesslich hinter Vaduz (33), Aarau (31) und Winterthur (29) im 4. Rang. In der Winterpause hatte dann Andermatt erstmals wirklich Zeit, dem Team seine Vorstellungen vom Fussball einzuimpfen. Und wie man sieht, tat er dies mit Erfolg. Denn der FCS ist das beste Team der Rückrunde und könnte mit einem Sieg am Dienstag in Thun wie bereits erwähnt zu Leader Aarau aufschliessen. Aufgrund des dann besseren Torverhältnisses würde das Team von Andermatt auch gleich die Tabellenspitze übernehmen.

Zwei Runden vor Schluss wäre Schaffhausen dem Aufstieg ganz nah. Es wäre schon eine ziemlich verrückte Geschichte, sollte ausgerechnet Notnagel Andermatt den FCS in die Super League führen. Natürlich hätte auch Hakan Yakin seinen Verdienst daran. Yakin hofft übrigens darauf, dass er ab der kommenden Saison das nötige Diplom besitzt, um auf höchstem Niveau coachen zu dürfen.