Jan Neuenschwander: Eishockey-Profi trotz Diabetes

Martina Baltisberger

21.5.2020 - 08:30

Jan Neuenschwander hatte vier erfolgreiche Jahre beim EHC Biel. Nun wechselte er zum SC Bern.
Keystone

In einer sechsteiligen Serie erzählt «Bluewin» die Geschichten von Sportlern, die es trotz eines Handicaps weit gebracht haben. Teil 3: Jan Neuenschwander.

Jan Neuenschwander kurvt auf dem Eis herum, attackiert und nimmt auch immer wieder Checks seiner Gegner entgegen. Unter seiner Ausrüstung trägt der Eishockey-Profi jedoch eine Insulinpumpe. Das Gerät misst seinen Blutzucker. Kaum ist ein Drittel gespielt, muss Neuenschwander in der Kabine sofort seinen Blutzuckerspiegel kontrollieren. Denn das freigesetzte Adrenalin könnte für ihn gefährlich werden. Neuenschwander leidet an Diabetes Typ 1. Seit er vier Jahre alt ist, spritzt er sich Insulin. 

«Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, bei der bestimmte Zellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört werden, die das Hormon Insulin bilden», erklärt Neuenschwander die Krankheit. «Insulin ist notwendig, damit Zucker, der über die Nahrung ins Blut gelangt, von Zellen aufgenommen und verarbeitet werden kann.» Wenn zu wenig Insulin vorhanden ist, bleibt der Zucker im Blut und somit steigt der Blutzuckerspiegel. Durch einen Katheter und einer Injektionsnadel kann das nötige Insulin direkt in den Körper geleitet werden.



Deshalb muss Neuenschwander seinen Blutzucker 10 bis 15 Mal am Tag messen. «Ich muss auch auf meine Ernährung achten, sonst kann ich nicht meine beste Leistung abrufen», sagt der Stürmer in einem Video-Porträt von «Blick». Der 27-Jährige hat bisher 336 Spiele in der National League bestritten, in diesem Frühling wechselte er nach vier Jahren beim EHC Biel zum SC Bern. Ein grosses Hindernis sei die Krankheit in seiner Karriere aber nie gewesen, so der Center. «Ich habe noch nie gross daran gedacht, dass ich Diabetes habe. Es ist einfach ein Teil von mir.»

Und trotzdem nervt er sich ab und an über seine Krankheit: Wenn es ums Essen geht. «Wenn du vor Auswärtsspielen lange Car-Reisen hast, sind da meistens auch feine Esswaren, Süssigkeiten oder Sandwiches im Bus», sagt Neuenschwander der «Berner Zeitung». «Ich würde oft gern auch etwas davon zu mir nehmen, darf aber nicht.»

«Mit zehn Jahren war ich einmal so unterzuckert ...»

Wie beim EHC Biel werden auch die neuen Teamkollegen beim SC Bern am Anfang genauer hinschauen, welche Alltagsroutine Neuenschwander begleitet. «Wenn du neu in die Mannschaft kommst, oder ein Spieler neu zum Team dazu stösst, fragen am Anfang schon alle, was ich denn da machen müsse», erzählt Neuenschwander, wie es damals beim EHCB der Fall war. «Ich messe den Blutzuckerspiegel immer in der Garderobe, die Insulinpumpe sieht man beim Duschen auch gut. Dann erklärst du die Situation einmal und ab diesem Zeitpunkt ist es eigentlich kein Thema mehr.»



Beim HC Davos, den ZSC Lions und dem EHC Biel kam Neuenschwander noch nie in eine prekäre Situation. Der Bündner mit schwedischen Wurzeln erzählt: «Wenn etwas passiert ist, dann eher in der Nacht. Mit zehn Jahren war ich einmal so unterzuckert, dass ich nicht einmal mehr meinen Namen sagen konnte. Ich wusste zwar schon noch, wie ich heisse, konnte es aber nicht artikulieren.»

Im Frühling hat Neuenschwander, der mit dem Typ 1 laut Diabetes-Gesellschaft Schweiz weniger zur Risikogruppe gehört, auch das Coronavirus überstanden. Auskuriert kann er nun die Vorbereitungen mit seinem neuen Verein, dem SC Bern, in Angriff nehmen. 

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