Samuelsson: «Roman Josi muss auch mal Verteidiger spielen»

Luca Betschart

23.5.2019

Für Morgan Samuelsson muss die Schweiz gegen Kanada in der Offensive kontrollierter agieren.
Bild: Keystone

Nach der Gruppenphase trifft die Schweiz im WM-Viertelfinal heute auf die Grossmacht Kanada. Teleclub-Experte Morgan Samuelsson zieht eine Zwischenbilanz und erklärt auf, wo sich die Mannschaft verbessern muss.  

Mit vier souveränen Pflichtsiegen gegen schwächer einzustufende Mannschaften und drei knappe Niederlagen gegen die Eishockeymächte Schweden, Russland und Tschechien beendet die Schweiz die Gruppenphase erwartungsgemäss auf dem vierten Platz. Weil ein Exploit aber ausblieb, trifft man dort auf das grosse Kanada, den Sieger der Gruppe A.



Im Interview mit «Bluewin» zieht Eishockey-Experte Morgan Samuelsson nach den sieben Gruppenspielen eine Zwischenbilanz und macht klar, was die Mannschaft von Patrick Fischer gegen Kanada besser machen muss, um die Sensation zu schaffen. Ausserdem erklärt er, weshalb er weder auf Vincent Praplan noch auf Reto Berra setzen würde. 


Morgan Samuelsson, die Schweiz beendet die Gruppenphase nach souveränen Siegen gegen die kleinen Gegner auf Rang vier. Für einen Exploit gegen Schweden, Russland oder Tschechien hat es nicht gereicht. Ihre Bilanz?

Es war die Leistung, die man erwarten konnte – allerdings mit einem kleinen Pluspunkt. Die Mannschaft spielte mutig nach vorne und konstant auf gutem Niveau, es gab keine Schwankungen. 



Definitiv kein Pluspunkt ist das Schweizer Powerplay. In den letzten 22 Überzahlspielen erzielte man keinen Treffer. Was muss verbessert werden?

Bereits im letzten Spiel (gegen Tschechien, Anm. d. Red.) zeigte sich für mich eine Aufwärtstendenz, das Powerplay war druckvoller. Dank der Ankunft von Nino Niederreiter sind die Rollen besser verteilt, er steht jeweils vor dem Goalie. Gegen Tschechien brachten die Schweizer mehr Scheiben auf das Tor und kamen dem Treffer bedeutend näher. Auf internationalem Niveau muss die Scheibe einfach auf's Gehäuse, man muss sich das Glück und die Torchancen erzwingen. 

Trainer Patrick Fischer machte auch in der Defensive Verbesserungspotenzial aus, vor allem in den letzten Partien lief das Team mehrmals in Konter. Wie kann das verhindert werden?

Die Schweizer Mannschaft ist sehr offensiv eingestellt und ist mutig, das gefällt mir. Auch die Verteidiger gehen jeweils gut mit in den Angriff, aber das Ganze muss kontrollierter werden. Ein Roman Josi muss auch mal Verteidiger spielen und nicht mit jedem Einsatz das Tor suchen. Ab und zu muss man einfach nehmen was kommt, cool bleiben und nicht immer einen Treffer erzielen wollen. 

Leonardo Genoni oder Reto Berra – wer gehört gegen Kanada ins Tor?

Genoni, keine Frage. Das heisst überhaupt nicht, dass Berra schlechte Leistungen zeigte. Aber wenn jemand im WM-Viertelfinal gegen Kanada einen Sieg stehlen kann, dann ist es Leonardo Genoni. 



Samuelsson: «Wenn jemand im WM-Viertelfinal gegen Kanada einen Sieg stehlen kann, dann Genoni.»
Bild: Keystone

Als Patrick Fischer zu Beginn des Turniers Vincent Praplan in der Top-Linie mit Fiala und Hischier aufstellte, wählte er zuletzt mit Simon Moser oder Grégory Hofmann an deren Seite zwei neue Varianten. Welche bevorzugen Sie? 

Patrick Fischer kennt und spürt die Mannschaft am besten. Für mich wäre es aber sicher nicht Vincent Praplan, der in die Linie mit Fiala und Hischier gehört. Er ist ausser Form und wäre bei mir überzählig. Hofmann und Moser sind definitiv die besseren Varianten.

Am Mittwoch musste die Mannschaft von Bratislava nach Kosice umziehen – eine viereinhalbstündige Reise mit dem Zug. Sehen Sie darin einen Nachteil für das Spiel gegen Kanada?

Auch wenn sich das für einen Schweizer wie eine Weltreise anhört – aus meiner Sicht ist das gar kein Problem. Hockeyspieler sind sich solche Reisen gewohnt. Fünf Stunden mit dem Zug zu fahren, das ist ja ziemlich gemütlich. Man kann ein wenig Jassen oder TV schauen. 

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