Stockers Botschaft an den Trainer – der Druck auf Ciriaco Sforza steigt

sda

18.2.2021 - 17:33

Basels Ciriaco Sforza und Valentin Stocker sind nach der 2:6-Niederlage im Cup offenkundig bedient.
Basels Ciriaco Sforza und Valentin Stocker sind nach der 2:6-Niederlage im Cup offenkundig bedient.
Bild: Keystone

2:6 im Cup daheim gegen einen Unterklassigen, der davor drei Meisterschaftsspiele am Stück verloren hat. Der Mittwochabend wird sich in der Historie des FC Basel als Tiefpunkt eingravieren.

Der Mythos FC Basel wurde in den späten Sechzigerjahren begründet, in der Ära Helmut Benthaus. Unvergessliche Duelle mit dem FC Zürich in Meisterschaft und Cup, Odermatt gegen Kuhn, wurden zum Klassiker. Seit jener Zeit musste der FCB auch Talsohlen durchschreiten, bevor er in der Ära der Super League der alles überragende Klub wurde. Nach dem Abstieg 1988 benötigten die Basler sechs Jahre, um sportlich und wirtschaftlich auf die Beine zu kommen und ins Oberhaus zurückzukehren.

In der aktuellen Meisterschaft hat der FCB nach 20 von 36 Runden keine realistischen Chancen mehr, die klar dominierenden Young Boys seriös herauszufordern. Viel wahrscheinlicher ist es, dass der Rückstand – derzeit sind es 16 Punkte – sukzessive anwachsen wird. Aber der FCB ist immer noch Zweiter. Es bestünde kein Grund zu grosser Nervosität.



Die Leistung im Cupmatch gegen Winterthur förderte jedoch erschreckende Erkenntnisse zutage. Auf dem Platz scheinen die Spieler orientierungslos zu sein. Captain Valentin Stocker sagte gegenüber SRF, die Winterthurer hätten geschickt und mit einem klaren Konzept gespielt. Ein solches Konzept habe Basel «im Spiel nach vorne» nicht. Das «Spiel nach vorne» ist das Kerngeschäft des Fussballs. Man hat den Ball, will angreifen und Tore erzielen – die Grundidee dieses Sports. Der Mannschaft das entsprechende Konzept zu vermitteln, ist die Grundaufgabe des Trainers. Also waren Stockers unmissverständliche Worte eine Botschaft in Richtung Ciriaco Sforza.

Kein Basler Konzept erkennbar

Hat die Mannschaft am Ende sogar demonstrativ gegen den Cheftrainer gespielt? Valentin Stocker verneint dies vehement. Eine solche Demonstration der Unzufriedenheit würde der Grundhaltung jedes Fussballprofis widersprechen. Der Schweizer Cup war Basels zweite und letzte Chance auf einen Titelgewinn in dieser Saison. Kein Profi und schon gar nicht eine ganze Mannschaft würden diese Chance freiwillig hergeben.



In diesem denkwürdigen Match war im «Spiel nach vorne» tatsächlich kein Plan erkennbar. Und im ebenso wichtigen «Spiel ohne Ball», dem Verhindern von Gegentoren, waren die Basler komplett hilflos. Frappant war die Vorgeschichte des 0:3 kurz nach der Pause. Die Winterthurer liessen den Ball in der Basler Platzhälfte ungestört über 13 Stationen zirkulieren, bevor sie in die gewünschte Abschlussposition kamen und trafen. Hätte Basel gegen den Unterklassigen eine derartige Stafette zelebriert, würde man wohl sagen: Das ist normal, man sieht den Klassenunterschied. Aber das Umgekehrte muss für die Basler alarmierend sein.

Alarmierend war ebenso der Gesichtsausdruck von Schlüsselspieler Pajtim Kasami am Mittelkreis vor dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Kasami offenbarte nicht nur Resignation, sondern sogar Angst. Auch für einen Fussballer ist die Angst das schlimmste Gefühl. Die Angst verlangsamt, lähmt, blockiert. Der Spieler ist nicht mehr fähig zu zeigen, was er zeigen möchte. Gerade Kasamis Leistung war im ganzen Match sehr schwach.

Unerwartete Umstellung zum Dauerzweiten

Macht sich unter den Spielern mittlerweile Angst breit, ist es das Ergebnis zahlreicher Enttäuschungen, die sich seit Saisonbeginn zusammengeläppert haben: die Serie von unterdessen sechs sieglosen Heimspielen, das ebenfalls schon historische 1:4 gegen Zürich und vieles mehr.

Die Young Boys hatten ab 2003 14 Jahre Zeit, sich daran zu gewöhnen, meistens Zweiter, aber nie Meister zu werden. Für den FCB kam die Umstellung vom Serienmeister zum Dauerzweiten auf die Saison 2017/18 unvermittelt und unerwartet. Der ganze Klub scheint seither in einem Schockzustand zu verharren. Und seither gibt es im Sportlichen unter dem Strich keine Fortschritte. Befeuert wird der Misserfolg durch eine ungeschickte, bisweilen chaotische Klubführung auf allen Etagen. Mit der blamablen Darbietung im Cup-Achtelfinal ist der Klub an einem sportlichen Tiefpunkt angelangt, wie er seit dem Abstieg 1988 nicht mehr registriert wurde.

Es ist zu bezweifeln, dass ein Aufschwung einsetzen kann, solange Ciriaco Sforza an der Linie das Rufen hat. Als es bereits im Herbst nicht rund lief, führte Sforza wiederholt ins Feld, er habe viel zu wenig Zeit gehabt, um die Mannschaft zu formen und die Saison seriös vorbereiten. In der Winterpause hatte er die Zeit und die Möglichkeit, alles nachzuholen. Aber im neuen Jahr spielen die Basler meistens noch schlechter.

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