Fussball-Talk Heimspiel: «YB hat sich den Schiedsrichter-Bonus erarbeitet»

3.12.2018 - 10:03, jar

Nach dem 3:1-Sieg in Basel hat YB schon 18 Punkte Vorsprung auf die Konkurrenz. Im Teleclub Fussball-Talk Heimspiel werden die grosse Dominanz der Berner und die anhaltenden Probleme des FCB unter die Lupe genommen.

Eine Stunde lang sah es am Sonntag danach aus, als hätte der FC Basel endlich ein Rezept gefunden, um den Young Boys auf Augenhöhe zu begegnen. Doch dann ging dem Team von Marcel Koller einmal mehr die Puste aus, was YB konsequent auszunutzen wusste und den Bebbi nach dem 7:1 im September die nächste Ohrfeige verpasste. Die Meisterschaft scheint endgültig entschieden – schon nach dem 16. Spieltag.

Begünstigt wurde der Erfolg der Berner auch durch einen umstrittenen Schiedsrichter-Entscheid vor dem zwischenzeitlichen Ausgleich: Taulant Xhaka ging nach einem Zweikampf mit Christian Fassnacht zu Boden, statt auf Freistoss für Basel entschied der Unparteiische Fedayi San aber auf Eckball für YB – schon hiess es 1:1. Und wenig später 1:3.

Noch vor wenigen Monaten haderten immer wieder die Gegner des FC Basel mit den Entscheidungen der Schiedsrichter. Nun sind es in dieser Saison mehr und mehr die Bebbi selbst, die sich über die Leistungen der Unparteiischen beklagen. In den sozialen Netzwerken ist derzeit oft vom «YB-Bonus» die Rede. Die Berner würden von den Schiris begünstigt, so die Überzeugung vieler FCB-Fans – etwas, das den Baslern früher selbst vorgeworfen wurde.

Existiert tatsächlich ein «Meister-Bonus»? Teleclub-Experte Daniel Gygax ist davon überzeugt. «Was mich erstaunt, ist der Schiedsrichter-Bonus. Den hat sich YB erarbeitet», so der ehemalige FCZ-Profi. Bei umstrittenen Szenen habe der Referee früher meistens für Basel entschieden, heute sei es umgekehrt. Gygax: «Mit diesem Bonus und der Kontinuität ist es beeindruckend, was die Young Boys zurzeit zeigen.»

Die Gründe für die Krise des FC Basel

Auch Rolf Fringer lobt die Berner für ihre Konstanz, macht aber auch deutlich, dass er «von Basel etwas mehr erwartet» habe. Die Gründe für die Misere des Ex-Serienmeisters sieht der ehemalige Nati-Trainer in den grossen Veränderungen, die der FCB in den letzten 18 Monaten vorgenommen habe. «Mit den vielen Abgängen hat Basel an Qualität und Persönlichkeit verloren», sagt Fringer. «Seit Akanji im letzten Winter verkauft wurde, hat der FCB in der Defensive grosse Probleme. In den letzten 22 Ligaspielen kassierte Basel immer mindestens ein Gegentor, das ist eigentlich wahnsinnig.»

Auch der Trainerwechel zu Beginn der Saison hat sich (bisher) nicht gelohnt. Marcel Koller hat eine schlechtere Bilanz als sein Vorgänger Raphael Wicky. Fringer will Koller aber nicht die Schuld an der Krise geben: «Man hat ihm ja alle Spieler verkauft. Im Sommer hat man wichtige Spieler verloren, nachdem im letzten Winter schon fünf Transfers gemacht wurden. Just in der Phase, als der FCB wieder nahe an YB dran war. Das war total falsch und hat alles durcheinander gebracht. Mit diesem Fehler haben die Basler heute noch zu kämpfen.»

Der Mann, der all diese Transfers getätigt hat, heisst Marco Streller. Dass sich der Sportchef um seinen Job sorgen muss, glaubt Fringer aber nicht. «Man muss auch mal Verständnis für eine Situation haben. Nun gilt es, eine neue Mannschaft aufzubauen und Vertrauen zu geben.»

Folgt also die nächste grosse Transferoffensive beim FCB? Der Basler Sportjournalist Christoph Kieslich meint, dass die Bebbi herausfinden müssten, was dem Team fehle und wie es verstärkt werden könne: «Ich bin gespannt, ob sie in der Winterpause schon zuschlagen. Seien wir ehrlich: Eigentlich braucht es das jetzt gar nicht, die Meisterschaft ist für den FC Basel ohnehin schon gelaufen.»

Heimspiel – Der Fussball-Talk in voller Länge:

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