Herr Streller, wer steigt in dieser Saison in die Challenge League ab?

Jan Arnet

16.9.2020 - 08:30

Spricht mit «Bluewin» über seine Erwartungen für die anstehende Super-League-Saison: Teleclub-Experte Marco Streller.
Keystone

Vor dem Auftakt der neuen Super-League-Saison am Samstag hat «Bluewin» mit Teleclub-Experte Marco Streller gesprochen. Hier lesen Sie den zweiten Teil des Interviews.

Wer wird nächste Saison die Überraschungsmannschaft?

Das ist schwierig vorherzusehen, aber es gibt drei, vier Spieler, die mir letzte Saison speziell aufgefallen sind. Weil sie ihre Mannschaft extrem prägen oder geprägt haben. Stevanovic von Servette zum Beispiel finde ich hochinteressant. Weil er schon 30-jährig ist, kommt er wohl für einen Spitzenklub nicht mehr infrage, aber mit seiner Art passt er sehr gut nach Genf. Servette finde ich eine sehr spannende Mannschaft und Alain Geiger einen sehr spannenden Trainer. Wenn sie ihre Leistungsträger wie Stevanovic halten können, können sie oben sicher wieder ein Wörtchen mitreden. Ein anderer, der mich fasziniert, ist Basil Stillhart.

Der ist aber mit Thun abgestiegen.

Und jetzt ist er zu St. Gallen gewechselt. Stillhart ist einer, den ich auch bei YB oder Basel gesehen hätte. Ein toller Fussballer mit einem unglaublichen Auge. Da kann man dem FCSG zu diesem Transfer nur gratulieren. Das war ein kluger Schachzug, auch wenn er mit seinen 26 Jahren auch nicht mehr der Allerjüngste ist.

Wer hat Sie in der letzten Saison sonst noch überzeugt?

Pajtim Kasami. In Form gehört er zu den besten Spielern der Super League, er ist auch einer für die Nati. Ich bin sehr gespannt, wohin es ihn ziehen wird. Er wäre in der Schweiz für jede Mannschaft eine Verstärkung. Für Sion ist sein Abgang ein herber Verlust. Der Vierte, den ich erwähnen will, hat eine Energie, wie ich sie noch selten bei jemandem gesehen habe: Pascal Schürpf. Er hat in Luzern nicht immer brillante Spiele, aber er hängt sich immer voll rein und hat einen unglaublichen Einfluss auf seine Mitspieler. Ich vergleiche ihn mit meinem ehemaligen Mitspieler Davide Callà, der auch immer positiv war, auf und neben dem Platz. Solche Spieler liebe ich – echte Mentalitätsmonster. Sie können eine ganze Mannschaft mitreissen.

Sion hat mit Kasami und Trainer Tramezzani die beiden Retter der letzten Saison verloren. Sind die Walliser jetzt ein Abstiegskandidat?

Aber Sion hat mit Serey Dié einen Spieler geholt, der eben auch so ein Mentalitätsmonster ist. Heute schaut jeder nur noch auf die Schnelligkeit und Technik, aber die Spieler, welche die anderen besser machen, darf man nicht vernachlässigen. Mentalität schlägt Qualität – ein Fünfliber ins Phrasenschwein, aber das ist einfach so. Serey Dié zu holen – das war kein schlechter ‹Move› von Christian Constantin.

Mit Fabio Grosso hat Constantin mal wieder einen grossen Namen auf die Trainerbank geholt. War das auch ein guter ‹Move›?

Tramezzani hat im Abstiegskampf eine brutale Energie reingebracht. Warum man sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnte, da kann ich beide Seiten nicht verstehen. Ich glaube, das hätte gepasst. Grosso hat einen grossen Namen, aber er kennt den Schweizer Fussball nicht. Gerade in dieser kurzen Pause finde ich es nicht verkehrt, wie der FCB jetzt auf einen Schweizer zu setzen, der den Markt kennt. Nichtsdestotrotz bin ich gespannt auf Sion und glaube, dass alles möglich ist – in beide Richtungen.

Nach drei Jahren ist Vaduz völlig überraschend wieder in der Super League. Aber für viele auch der Abstiegskandidat Nummer 1.

Trainer Mario Frick ist bestimmt nicht unglücklich, wenn alle glauben, dass Vaduz direkt wieder absteigt. Meiner Meinung nach hat es Vaduz aber absolut verdient, in der Super League zu spielen. Das Team ist definitiv eine Bereicherung für diese Liga. Meistens hat man in der ersten Saison nach dem Aufstieg Rückenwind und es geht einfacher als in der zweiten Spielzeit. Aber natürlich gehört Vaduz auch zu meinen Abstiegskandidaten.

Wer gehört sonst noch dazu?

Wen ich definitiv nicht unten sehe, ist der andere Aufsteiger. Hätte Lausanne Dan Ndoye nicht verloren, wäre das Team – nicht zuletzt auch dank des grossen Investors im Rücken – sogar ein Kandidat für die Top 4 gewesen. Luzern sehe ich auch nicht unten. Dann haben wir noch den FCZ, der immer eine Wundertüte ist. Sehr schwierig zu sagen, wen es in dieser Saison treffen wird. Wenn ich mich festlegen muss, sage ich: Vaduz und Lugano sind am meisten gefährdet.

Wie schätzen Sie die Chancen der Schweizer Teams im Europacup ein? YB spielt in der CL-Quali gegen Midtjylland und würde in den Play-offs auf Slavia Prag treffen. Ein gutes Los für die Berner?

Ein super Los! Seit drei Jahren hören wir, wie schwierig es für die Schweizer Klubs jetzt wird, in die Champions League zu kommen. Come on! Natürlich werden das schwierige Spiele, aber YB muss sich vor diesen Teams nicht verstecken. Die Chancen, dass sich YB für die Champions League qualifiziert, sind absolut intakt. Ich glaube, dass es die Berner packen werden.

Basel trifft in der 2. Runde der Europa-League-Quali auf Osijek, Servette auf Stade Reims. Und St. Gallen spielt in der 3. Runde gegen AEK Athen. Wer schafft's am Ende in die Gruppenphase?

Der FCB hat mit Osijek ein unangenehmes Los gezogen, vor allem, weil man auswärts antreten muss. Auf dem Papier ist Basel aber Favorit. Und wenn du in der letzten Saison im Viertelfinal warst, wirst du auch gegen die nächsten Gegner Favorit sein. Bei Basel und YB bin ich sehr zuversichtlich. Auch Servette und St. Gallen traue ich die Qualifikation zur Europa League zu, es wird aber schwierig.

Den ersten Teil des Interviews, in dem Marco Streller unter anderem über die Baustellen beim FC Basel spricht, lesen Sie hier.


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