Führt schon wieder ein Trainer-Entscheid zum Rücktritt des Sportchefs?

Jan Arnet

18.8.2020 - 16:51

Ruedi Zbinden ist als Sportchef des FC Basel zurückgetreten.
Bild: Keystone

Vor etwas mehr als einem Jahr trat Marco Streller als Sportchef des FC Basel zurück, weil er nicht den Trainer bekam, den er wollte – und so den Machtkampf gegen Präsident Bernhard Burgener verlor. Jetzt zieht sich auch Strellers Nachfolger Ruedi Zbinden zurück. Erlebt er ein Déjà-vu?

Ein Rückblick: Es ist Anfang Juni 2019. Die Saison, in welcher der FCB am Schluss 20 Punkte Rückstand auf YB hat, ist erst gerade zu Ende gegangen, da laufen die Vorbereitung auf die neue Spielzeit bereits auf Hochtouren. Eines scheint aber bereits entschieden: Trainer Marcel Koller muss den Verein verlassen. Dies teilt Sportchef Marco Streller dem Coach am 12. Juni dann auch mit, worauf Koller seinen Spind räumt. Aarau-Trainer Patrick Rahmen soll als Nachfolger bereits feststehen. Dann die Wende: Präsident Burgener spricht ein Machtwort – und Koller darf doch bleiben. Stattdessen gibt Streller am 14. Juni seinen Rücktritt bekannt.

14 Monate später steht der FC Basel an einem ähnlichen Punkt. Wieder steht Marcel Koller im Mittelpunkt – und wieder gibt der Sportchef seinen Rücktritt bekannt: Ruedi Zbinden teilt am Montag mit, dass er nach der Saison nur noch als Chefscout beim FCB tätig sein will und dies dem Präsidenten auch so mitgeteilt habe.



Anders als im Vorjahr scheint der Sportchef diesmal aber nicht unbedingt einen Trainerwechsel zu wollen – zumindest stärkte Zbinden Koller, dessen Vertrag Ende Monat ausläuft, erst vor einer Woche noch den Rücken. Ein Verbleib des Trainers scheint trotzdem ausgeschlossen, sonst hätten dies die Bebbi bestimmt längst verkündet. Doch warum schmeisst Zbinden nun als Sportchef hin?

Der «Blick» nennt die Differenzen mit CEO Roland Heri als einen der Gründe. Ausserdem würden dem FCB zurzeit die Mittel fehlen, um den aktuellen Kader grossartig zu verstärken – für einen Sportchef natürlich nicht die schönste Ausgangslage, soll doch endlich wieder der Meistertitel her. Spekuliert wird auch, dass Zbinden der neue Job zu anstrengend gewesen sei. Als Chefscout kann er sich nun wieder auf die Sache konzentrieren, die ihm am besten liegt und wohl auch am meisten Spass macht. 

Der Sportchef steht mitten im Machtkampf der Besitzer

Nur sind das alles Dinge, die Zbinden schon vor seinem Amtsantritt erwarten musste. Womit er aber nicht rechnen konnte: Dass sich David Degen im September 2019 mit 10 Prozent beim FCB einkauft – und Gerüchten zufolge anstrebt, den Klub irgendwann ganz zu übernehmen. Und dass Burgener seine Anteile nun offenbar an englische Investoren verkaufen will, was weder die Fans, noch Degen wollen.

Brachte die Trainer-Diskussion das Fass bei Zbinden nun zum Überlaufen? Alex Frei – seit 2016 beim FCB im Nachwuchs tätig – gilt als Klublegende eigentlich als logische Lösung für die Koller-Nachfolge. Aber Burgener könnte etwas dagegen haben, weil er Degens Position im Klub nicht stärken will. Frei und Degen spielten jahrelang gemeinsam für den FCB und für die Schweizer Nati, gelten als gute Freunde.



Zbinden steht mitten im Machtkampf zwischen Burgener und Degen. Und er hat vielleicht auch gemerkt, dass man als Sportchef des FC Basel nicht so viel entscheiden kann, wie dies bei anderen Vereinen der Fall ist. Vielleicht wollte Zbinden auch mit Koller weitermachen, was inzwischen wohl für Burgener keine Option mehr ist, nachdem er im Juni öffentlich den Meistertitel gefordert hatte («Er soll jetzt Meister werden»). Der Präsident soll sich auch bereits mit anderen Trainern beschäftigt haben und sei insbesondere von FCL-Coach Fabio Celestini «angetan», wie die «Luzerner Zeitung» zuletzt berichtete. 

Wie auch immer: Der FCB teilt am Dienstag mit, dass man «Verständnis für den Entscheid von Ruedi Zbinden» habe. Man freue sich «auf die weitere Zusammenarbeit mit ihm». Und: «Über die Nachfolgeregelung in der sportlichen Führung des Klubs wird der FCB zur gegebenen Zeit informieren.»

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