Vom Cuphelden zum Buhmann in sechs Monaten

Von Luca Betschart

23.11.2021

Schon zu oft in dieser Saison musste Luzerns Trainer Fabio Celestini den Platz enttäuscht verlassen
Für Fabio Celestini ging es nach dem Cupsieg mit dem FCL steil abwärts.
Bild: Keystone

Die Pleite in Lugano und der Absturz ans Tabellenende ist für Fabio Celestini der eine Fehltritt zu viel. Seine Entlassung beim FC Luzern provoziert er zuletzt aber mit seinem eigenen Verhalten.

Von Luca Betschart

23.11.2021

Im Tessin liefert der FC Luzern am Sonntag den nächsten enttäuschenden Auftritt ab. Die verdiente 1:3-Niederlage gegen den FC Lugano ist gleichbedeutend mit dem Absturz ans Tabellenende, nach 14 Saisonspielen hat der FCL bloss einen Sieg und 10 Punkte vorzuweisen.

Nach dem Schlusspfiff verzichtet Präsident Stefan Wolf auf Rückendeckung für den angezählten Trainer. «Da bin ich ehrlich. Wenn man zu wenig Punkte hat und die Leistungen über eine so lange Zeit nicht stimmen, dann ist der Trainer ein Thema», sagt der 50-Jährige im Interview mit blue Sport.

Offensichtlich ist aber auch, dass die Zweifel nicht nur auf die sportlichen Leistungen zurückzuführen sind. Mit getätigten Aussagen in den Medien sorgt Celestini in den letzten Wochen mehrmals für Stirnrunzeln und trägt so seinen Teil dazu bei, dass der Cupheld beim FCL innert sechs Monaten zum Buhmann avanciert.



Der Cup-Triumph

Im Februar dieses Jahres verlängert der FC Luzern den Vertrag mit Cheftrainer Fabio Celestini, der das Amt seit Januar 2020 ausübt, bis im Sommer 2023. In der Innerschweiz ist man überzeugt, den richtigen Mann gefunden zu haben. Prompt beschert Celestini dem FCL mit dem Cupsieg im Mai den ersten Titel seit 29 Jahren und entfacht eine Euphorie, die allerdings nicht lange anhält.

Ein schlecht getimtes Interview 

Nach einem enttäuschenden Saisonstart lässt Celestini Anfang November in einem Interview mit «Le Matin Dimanche» durchsickern, von höheren Aufgaben zu träumen. «Es heisst immer, man müsse in der Schweiz etwas gewinnen, um den Schritt ins Ausland machen zu können. Das habe ich», so der Lausanner. Und weiter: «Also ja, mein Wunsch ist es, im Ausland zu trainieren. Ich bin bereit für diese Herausforderung.»

Die Aussagen werfen hohe Wellen, auch weil Celestini mit seinem Team zu diesem Zeitpunkt mit nur einem Sieg aus zwölf Partien auf dem vorletzten Tabellenplatz zu finden ist.

Ein Angriff auf die Klubführung?

Beim FCL hofft man auf den Befreiungsschlag nach der Nati-Pause. Doch bereits vor dem Anpfiff in Lugano sorgt Celestini höchstpersönlich für Unruhe. «Remo Meyer (Sportchef) kann machen, was er will. Stefan Wolf (Präsident) kann machen, was er will. Ich brauche sie und den Vorstand nicht, konzentriere mich nur auf meine Mannschaft», sagt Celestini in der «Luzerner Zeitung». 

Der FCL-Führung stösst das wenig überraschend sauer auf, was Stefan Wolf aber erst am Sonntag nach der Partie in Lugano bestätigt. «Es hat uns überhaupt nicht gepasst. Das war auch völlig unnötig. Ich wollte das vor dem Match aber nicht ansprechen, damit sich die Mannschaft in Ruhe vorbereiten kann.» 

Der Fehltritt in Lugano

Nichtsdestotrotz muss der FCL gegen Lugano den nächsten Rückschlag hinnehmen, verliert nach schwacher Leistung mit 1:3 und rutscht ans Tabellenende ab. Eine Reporterfrage bringt Celestini im Anschluss in Rage. «Denkst du, du musst jetzt eine Frage wegen eines neuen Trainers stellen? Damit sagst du, dass ich nicht professionell bin», schnauzt der Coach den blue-Reporter an. «Ich ernähre meine Familie mit meinem Vertrag beim FCL. Du kannst mir diese Frage nicht stellen. Ich bin ein Profi, da geht es nicht darum, ob ich glücklich oder unglücklich bin.» Eine Kampfansage, die Wende mit dem FCL doch noch zu schaffen, klingt anders.

Der Schlussstrich

Wenige Stunden später zieht der FCL am Montagnachmittag die Reissleine. Neben der unbefriedigenden Punkteausbeute liefert der Klub in der Medienmitteilung einen zweiten Grund für Celestinis Entlassung: «Ein unwiederbringlich verlorenes Vertrauensverhältnis aufgrund von öffentlichen Äusserungen des bisherigen Cheftrainers.»

Diese zeigen, dass sich Celestini nicht mehr mit dem Klub und seinen Mitarbeitern identifizieren kann, wie Präsident Wolf ausführt. «Die Entscheidungsgremien des Klubs – Aktionäre, Verwaltungsrat und sportliche Leitung – missbilligen diese nicht loyalen, öffentlichen Äusserungen des bisherigen Cheftrainers und lesen sie als Treuebruch.» Im Gespräch mit blue Sport erklärt Wolf, warum man Celestinis Verhalten nicht mehr habe akzeptieren können. 

FCL-Präsident Wolf: «Celestinis Äusserungen konnten wir nicht akzeptieren»

FCL-Präsident Wolf: «Celestinis Äusserungen konnten wir nicht akzeptieren»

Im Gespräch mit blue Sport nimmt FCL-Präsident Stefan Wolf Stellung zur Entlassung von Trainer Fabio Celestini.

23.11.2021