Nati-Noten: Grossartig gekämpft, mutig gespielt und doch verloren

Von Patrick Lämmle

3.7.2021

Fabian Schär (links) und Ruben Vargas würden am liebsten im Erdboden versinken.
Bild: Getty

Vor dieser Nati ziehen wir den Hut. Sie lässt sich weder von dem unglücklichen Eigentor, noch von der harten Roten Karte aus dem Konzept bringen. Erst im Penaltyschiessen geht die Luft aus.

Von Patrick Lämmle

3.7.2021

Bewertungsschlüssel
6 Sackstark
5 Gut
4 Genügend
3 Schwach
2 Sehr schwach
1 Unterirdisch

Torhüter

Portrait von Yann Sommer, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  6

Torhüter

Yann Sommer

Lange wird unser Schlussmann kaum geprüft, beim frühen Gegentor, dem Ablenker von Zakaria in der 8. Minute, ist er machtlos. In der Verlängerung läuft er dann zu Höchstform auf und rettet die Schweiz mit mehreren Glanztaten ins Penaltyschiessen. Dort hält er den dritten Elfer der Spanier, der erste klatschte an den Pfosten. Und doch reicht es nicht zum Sieg, weil die Schweizer drei Versuche versemmeln.


Verteidiger

Portrait von Nico Elvedi, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  6

Innenverteidiger (rechts)

Nico Elvedi

Elvedi zeigt eine nahezu perfekte Leistung. Er gewinnt gefühlt jeden Zweikampf, strahlt extrem viel Sicherheit aus und übernimmt auch Verantwortung im Aufbauspiel. Sein erster und einziger grobe Fehler unterläuft ihm in der 118. Minute – ein Fehlpass direkt in die Füsse des Spaniers, der den gefährlichen Konter lanciert. Wir blenden das aus, denn insgesamt zeigt Elvedi eine sackstarke Leistung.


Portrait von Manuel Akanji, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  5.5

Innenverteidiger

Manuel Akanji

Viel Lob gibts auch für Akanji, er macht über 120 Minuten einen hervorragenden Job in der Defensive und mit ein bisschen Glück hätte er in der 34. Minute nach einer Ecke zum 1:1 eingenickt. Einen kleinen Abzug gibt es nur für den verschossenen Elfer. Gegen Frankreich hat er verwandelt, doch heute hat sein «eingesprungener» Elfer den Weg ins Tor nicht gefunden. Da sieht man dann immer ein bisschen alt aus. Dennoch, Hut ab für eine starke EM-Kampagne.


Portrait von Ricardo Rodriguez, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  6

Innenverteidiger (links)

Ricardo Rodriguez

Was für eine Leistungssteigerung. In den ersten vier Spielen war Rodriguez nicht schlecht, aber er war definitiv kein Antreiber. Gegen Spanien macht er aber ein überragendes Spiel, das ihm einige Türen öffnen wird. Der 28-Jährige ist immer auf der Höhe, gewinnt Zweikämpfe und weiss auch mit dem Ball am Fuss zu überzeugen. Er spielt auch viel mutiger als in den vorangegangenen Spielen. Brillant ist sein Tackling in der 110. Minute, mit dem er einen sichergeglaubten Gegentreffer verhindert. Dieses Spiel wird ihm enorm gut tun mit Blick auf die neue Saison. Er ist wieder der Alte.


Mittelfeldspieler

Portrait von Silvan Widmer, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ø
  5

Rechter Aussenläufer

Silvan Widmer

Der einzige Super-League-Spieler in der Startelf macht erneut Werbung in eigener Sache. Er läuft die Linie rauf und runter, holt mehrere Eckbälle heraus und sorgt gleichzeitig für Stabilität in der Defensive. Gegen Ende der regulären Spielzeit scheint er auf dem Zahnfleisch zu laufen, er beisst aber noch bis zur 100. Minute auf die Zähne und gibt alles fürs Team.


Portrait von Remo Freuler, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  5

Zentraler Mittelfeldspieler

Remo Freuler

Schon in der ersten Halbzeit lanciert er Shaqiri mit einem öffnenden Pass aus dem Halbfeld, doch der Angriff versandet. Doch Freuler ist überall anzutreffen und so erstaunt es nicht, dass er in der 68. Minute plötzlich im gegnerischen Sechzehner auftaucht und das Tor von Shaqiri mit einem klugen Pass vorbereitet. Keine zehn Minuten später fliegt er mit Rot vom Platz, doch wir können ihm dafür keinen Vorwurf machen. Es ist zwar ein hartes Foul, doch die Rote Karte ist noch viel härter.

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05.07.2021


Portrait von Denis Zakaria, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  5

Zentraler Mittelfeldspieler

Denis Zakaria

Der Druck, der auf seinen Schultern lastete, war gross, denn er rückte für den gesperrten Captain Granit Xhaka in die Startelf. Und dann fälscht ausgerechnet er in der 8. Minute einen Schuss unhaltbar ins Tor ab – einfach nur Pech, nichts sonst. Danach zeigt er aber eine engagierte Leistung, erobert viele Bälle, wirkt spritzig. Schade, dass er nach einer Ecke den Ball am Tor vorbeiköpft, er hätte sich den Treffer verdient. Als die Schweizer nur noch zu zehnt spielen, da geht bei ihm langsam der Saft aus. In der 100. Minute wird er ausgewechselt. Das Beste aus seiner Sicht: Die Absenz von Xhaka ist nach dem Spiel nicht das ganz grosse Thema, denn viel besser hätte die Nati nicht auftreten können.


Portrait von Steven Zuber, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  5

Linker Aussenläufer

Steven Zuber

Ein weiterer Assist kommt nicht hinzu, aber erneut macht er ein gutes Spiel. In der 64. Minute setzt er sich mit aller Kraft durch, spielt dann einen Doppelpass mit Vargas und kommt zum Abschluss – der Winkel ist allerdings spitz und so kann der Goalie den Ball ohne grössere Probleme zur Ecke klären. Nach 90 Minuten wird er ausgewechselt. Was an Zuber besonders gefällt: Er lässt sich nie fallen, auch wenn sich die Chance dazu bietet. Diesen Mann müsstest du regelrecht zu Boden prügeln, dass er sich mal hinlegt.


Angreifer

Portrait von Breel Embolo, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø 

Stürmer (rechts)

Breel Embolo

Was ist das bitter. Da holt Embolo in der 19. Minute mit vollem Einsatz eine Ecke heraus, dabei zwickt es ihm in den Oberschenkel. Auf die Zähne beissen, das funktioniert bei dieser Art von Verletzung nicht, Embolo muss raus.


Portrait von Xherdan Shaqiri, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  5.5

Hängende Spitze

Xherdan Shaqiri

Mit der Captain-Binde am Arm führt er die Schweizer Nati aufs Feld. Es ist nicht so, dass er Chance um Chance kreiert, aber einmal mehr ist es Shaqiri, der in einem wichtigen Spiel trifft. Seine erste und einzige Chance nutzt er in der 68. Minute eiskalt – und das mit seinem schwächeren rechten Fuss (nicht zum ersten Mal an dieser EM übrigens). In der 81. Minute wird er ausgewechselt, da die Schweiz in Unterzahl agiert. Und so ehrlich muss man sein: Shaqiri ist mit ganz viel Talent gesegnet, aber Defensivarbeit zu leisten, das ist keine Stärke von ihm.


Portrait von Paris Seferovic, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  4.5

Stürmer (links)

Haris Seferovic

Man kann Seferovic nicht viel vorwerfen, er gibt Einsatz und arbeitet auch nach hinten, so klärt er etwa in der 59. Minute einen gefährlichen Bicicletta-Knaller mit dem Rücken zur Ecke. Aber von einem Stürmer erwartet man natürlich auch, dass er im gegnerischen Sechzehner Unruhe stiftet. In den letzten Spielen ist ihm das auch richtig gut gelungen, gegen Spanien bleibt er diesbezüglich aber unauffällig. In der 81. Minute macht er Gavranovic Platz.


Eingewechselte Spieler

Portrait von Ruben Vargas, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  5

Ab 23. Minute für Embolo

Ruben Vargas

Der 22-Jährige kommt viel früher ins Spiel als geplant. Er gibt alles für die Mannschaft und sorgt in der Offensive das eine oder andere Mal für Gefahr. Herrlich sein Pass in der 64. Minute – nach einem doppelten Übersteiger schiebt er den Ball zwischen den Beinen des Spaniers auf Zuber, der zum Abschluss kommt. Wie schon gegen Frankreich läuft er als Penaltyschütze auf, doch dieses Mal drischt er den Ball über den Kasten. Danach ist er untröstlich und weint bittere Tränen. Fühl dich gedrückt Ruben, wir stehen hinter dir.


Portrait von Djibril Sow, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  5

Ab 81. Minute für Shaqiri

Djibril Sow

Er kommt in die Partie, da spielt die Schweiz bereits in Unterzahl. Er fügt sich gut ein und ist Teil einer Kämpfertruppe, die sich – mit einer guten Portion Glück – ins Penaltyschiessen rettet. Job erledigt.


Portrait von Mario Gavranovic, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø  5

Ab 81. Minute für Seferovic

Mario Gavranovic

«Gavra» sieht kaum einen Ball, denn die Schweiz rennt den Spaniern in Unterzahl nur noch hinterher. Aber Gavranovic rennt mit. Erneut läuft er als erster Penaltyschütze der Schweizer an und erneut versenkt er ohne mit den Wimpern zu zucken.


Portrait von Christian Fassnacht, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø 

Ab 90. Minute für Zuber

Christian Fassnacht

Zu kurz für eine Benotung.


Ø 

Ab 100. Minute für Zakaria

Fabian Schär

Zu kurz für eine Benotung. Wie Vargas und Akanji hat auch er seinen Elfmeter verschossen. Gegen Frankreich hatten alle drei noch getroffen.


Portrait von Kevin Mbabu, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Ø 

Ab 100. Minute für Widmer

Kevin Mbabu

Zu kurz für eine Benotung.


Portrait von Vladimir Petkovic, der Schweizer Fussballnationalmannschaft, aufgenommen am 22. Maerz 2021 in Abtwil (SG). (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ø
  🇨🇭

Nati-Coach

Vladimir Petkovic

Was wurde dieser Mann nach den letzten Turnieren jeweils kritisiert, man hätte fast meinen können, er sei die ultimative Fehlbesetzung. Nach dieser EM wird kaum jemand eine Kampagne gegen Vladimir Petkovic fahren. Wir sagen danke und zollen dem Coach grössten Respekt.


Telegramm

Schweiz – Spanien 1:1 (1:1, 0:1) n.V. – Spanien siegt 3:1 im Penaltyschiessen

Arena St. Petersburg. – 24'764 Zuschauer. – SR Oliver (ENG). – Tore: 8. Zakaria (Eigentor) 0:1. 68. Shaqiri (Freuler) 1:1.

Penaltyschiessen: Busquets (Pfosten), Gavranovic 1:0; Olmo 1:1, Schär (Simon hält); Rodri (Sommer hält), Akanji (Simon hält); Moreno 1:2, Vargas (drüber); Oyarzabal 1:3.

Schweiz: Sommer; Widmer (100. Mbabu), Elvedi, Akanji, Rodriguez; Zakaria (100. Schär), Freuler; Embolo (23. Vargas), Shaqiri (81. Sow), Zuber (90. Fassnacht); Seferovic (81. Gavranovic).

Spanien: Simon; Azpilicueta, Laporte, Pau Torres (113. Thiago), Jordi Alba; Koke (90. Llorente), Busquets, Pedri; Ferran Torres (91. Oyarzabal), Morata (54. Moreno), Sarabia (46. Olmo).

Bemerkungen: Schweiz ohne Xhaka (gesperrt) und Mehmedi (verletzt). 21. Embolo verletzt ausgeschieden. 77. Platzverweis Freuler (Foul). Verwarnung: 67. Widmer (Foul). 90. Laporte (Foul). 120. Gavranovic (Ballwegschlagen).