Vladimir Petkovic und die vier Fragezeichen vor dem Kracher gegen Italien

sda

15.6.2021 - 07:00

Drängen sich nach dem 1:1 gegen Wales für das zweite EM-Spiel vom Mittwoch gegen Italien Wechsel auf im Schweizer Team? Ein paar Fragen gehen Vladimir Petkovic mit Sicherheit durch den Kopf.

sda

15.6.2021 - 07:00

Nationalcoach Vladimir Petkovic verrät die Aufstellung nie im Voraus. Um die Spannung hochzuhalten, sagt er jeweils. «Ich habe die Mannschaft im Kopf, will aber nochmals eine Nacht darüber schlafen, bis ich mich definitiv entscheide.» Er ist kaum je aufgewacht und hat dann Spieler und Öffentlichkeit überrascht, denn neun oder zehn Spieler waren eigentlich sowieso immer gesetzt.

Und doch gibt es Positionen, bei deren Besetzung sich Petkovic gewiss die eine oder andere Frage mehr durch den Kopf gehen lässt. Das kann physische, taktische oder mentale Gründe haben. Bringt er hier die offensivere Variante oder dort einen Spieler mit mehr Spielpraxis? Oder denkt er schon an das übernächste Spiel? Vor dem Duell gegen Italien gibt es vier Fragezeichen.

Ricardo Rodriguez oder Steven Zuber?

Am 11. Oktober 2011 spielte Rodriguez erstmals von Beginn weg für die Schweiz. Seither ist er Stammspieler, und dies so unbestritten wie kaum ein anderer. Das sagt zumindest die Statistik. In 48 Pflichtspielen hat ihn Petkovic ein einziges Mal auf die Bank gesetzt. Doch Rodriguez hat schwierige Monate hinter sich, weil er bei Torino kaum gespielt hat. Gegen Wales blieb er blass und nach vorne ohne Wirkung.

Das könnte im linken Couloir die Chance von Zuber sein, der immer mal wieder für Tore gut ist. So wie im WM-Eröffnungsspiel gegen Brasilien. Zuber wäre die offensivere und risikoreichere Variante. Vielleicht bringt Petkovic diesen Mut gerade gegen Italien auf. Im Wissen, dass die Defensive mit einer soliden Dreierabwehr abgesichert ist.



Kevin Mbabu oder Silvan Widmer?

Auf der rechten Seite gibt es keinen Stammspieler. Er werde von Spiel zu Spiel entscheiden, sagte Petkovic unlängst. Gegen die defensiven Waliser bevorzugte er Mbabu. Der Romand zeigte einen ähnlichen Auftritt wie Rodriguez. Ohne grosse Fehler hinten, ohne grosse Wirkung vorne. Er hatte eine gute Chance zum 2:0, die er kläglich vergab.

Gegen die offensiven Italiener könnte Widmer an der Reihe sein. Er ist nach fünf Jahren und 131 Serie-A-Einsätzen mit Udinese taktisch gut geschult. Dass er auch nach vorne Akzente setzen kann, bewies er mit seinem Tor beim 1:1 in der Nations League in Basel gegen Deutschland. Apropos Basel: Mit dem FCB spielt Widmer in der Super League auf tieferem Niveau als Mbabu mit Wolfsburg in der Bundesliga. Internationale Erfahrung bringt Widmer trotzdem mit: Vor einem Jahr stand er mit dem FCB immerhin in den Viertelfinals der Europa League.

Xherdan Shaqiri oder Denis Zakaria?

Shaqiri ist nicht in Form. Diese Befürchtung hat sich im Spiel gegen Wales bestätigt. Ihm fehlt der Rhythmus, weil er in der letzten Saison für Liverpool ein einziges Mal über 90 Minuten gespielt hat. In den letzten zwei Monaten kam er in der Premier League zu zwei Teileinsätzen. Shaqiri bleibt für Petkovic aber der wichtigste Spieler in der Offensive. Sogar gegen Wales hatte er beim einzigen Tor seine Füsse im Spiel. Petkovic wird auf ihn nur dann verzichten, wenn es ganz wichtige taktische Gründe gibt.



Dies könnte gegen Italien der Fall sein. Braucht es gegen die spielstarken Italiener wirklich drei Stürmer? Wäre es nicht ratsam mit dem robusteren Zakaria das Mittelfeld zu stärken? Die Schweiz wird in Rom nicht über 60 Prozent Ballbesitz haben. Shaqiri gegen Italien nur auf der Bank? Es wäre atmosphärisch ein mutiger Entscheid von Petkovic. Aber im Hinblick auf den weiteren Turnierverlauf nachvollziehbar: Die Schweiz braucht einen ausgeruhten und fitten Shaqiri vor allem im dritten Vorrundenspiel gegen die Türkei.

Haris Seferovic oder Mario Gavranovic?

Bei Benfica Lissabon schiesst Seferovic Tore wie am Fliessband. Im Nationalteam wird er meist dafür gelobt: Für seine Qualität, Räume zu öffnen und den Ball zu halten. Für einen Mittelstürmer ist das nicht nur ein gutes Zeichen. Elf Turnierspiele in Folge ohne Treffer sind kein Empfehlungsschreiben. Mario Gavranovic hat die besseren Werte. Er schiesst im Nationalteam alle 98 Minuten ein Tor, Seferovic ist nur alle 233 Minuten erfolgreich.

Aber es herrscht im SFV auch die Meinung vor, dass Gavranovic zu sehr ein Stürmer ist, der von den Toren lebt und der Mannschaft nur auf diese Weise hilft. Etwas überspitzt formuliert: Wenn er nicht trifft, spielt sein Team in Unterzahl. Es ist das Problem der Schweiz, dass es keine Mischung aus Seferovic und Gavranovic gibt. Und wenn beide gemeinsam von Beginn weg spielen würden? Das hat Petkovic mit Erfolg beim 3:3 gegen Deutschland ausprobiert. Gavranovic schoss zwei Tore. Trotzdem sieht der Trainer die beiden nicht als komplementär.

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sda