Wer wird Weltmeister? Die Tipps der Sportredaktion

13.6.2018 - 21:55, Teleclub

Wer wird den brühmtesten Pokal der Sportwelt am 15. Juli Richtung Himmel heben?
Bild: Getty Images

Wer wird Weltmeister? Titelverteidiger Deutschland, Rekordchampion Brasilien, Top-Favorit Spanien – oder schafft die Schweiz die Sensation? Hier sind die Tipps der Redaktion.

Martin Abgottspon: «Schweiz? Endstation Achtelfinal»

Sorry, liebe Spektakel-Freunde, aber diese WM wird weniger Überraschungen bereithalten, als sich viele erhoffen. Vielleicht kann sich der eine oder andere vermeintliche Aussenseiter noch in die Achtelfinals retten, doch da trennt sich dann die Spreu vom Weizen. Den WM-Titel werden ab den Halbfinals Fussballgrössen wie Frankreich, Brasilien oder Deutschland unter sich ausmachen.

Wer dann tatsächlich Weltmeister wird, hängt stark vom Turnierverlauf ab. Eigentlich hätte ich ja Spanien gute Chancen eingeräumt, doch der überraschende Rausschmiss von Neo-Real-Trainer Julen Lopetegui werden die Spanier wohl nicht so einfach verkraften, daher sehe ich Frankreich und Deutschland in der Frontreihe.

Für die Schweiz ist die Hürde Deutschland im Achtelfinal definitiv zu hoch, weshalb wie schon bei der letzten WM an dieser Stelle Endstation sein wird.

Frederic Ruffiner: «Deutschland wird es wieder machen»

Wie sagte Messi: «Deutschland hat keinen Star, aber eine sehr starke Mannschaft.» Und genau dies ist der Schlüssel zum Erfolg bei unserem nördlichen Nachbarn. In Sachen mannschaftliche Geschlossenheit, Disziplin und Selbstvertrauen macht dem DFB-Team niemand etwas vor. 23 Spieler, welche dem Titel alles unterordnen. Wohl auch deshalb findet der etwas egozentrisch angehauchte Sané keinen Platz in diesem Kollektiv.

Deutschland wird den Titel verteidigen, daran glaubt auch die ganze Bevölkerung. Voller Überzeugung. Da gibt es keinen Mittelweg, kein Grau zwischen Schwarz und Weiss. «Wir werden Weltmeister!» und so wird es kommen.

Jan Arnet: «Argentinien wird früh scheitern»

Die grosse Enttäuschung des Turniers wird Argentinien sein. Der WM-Finalist von 2014 hat überragende Einzelspieler, aber kein Team. Das war in der Quali ersichtlich und zuletzt auch im März beim Testspiel gegen Spanien (1:6!). Spätestens im Achtelfinal ist für Messi und Co. Endstation, wenn Argentinien als Gruppenzweiter auf Frankreich trifft.

Aber auch die Franzosen werden nicht Weltmeister, sondern Spanien im Final gegen Brasilien. Trotz der kurzfristigen Entlassung von Trainer Julen Lopetegui. «La Furia Roja» hat die richtige Mischung aus spielerischem Talent, Aggressivität und unbedingtem Siegeswillen – und darüber hinaus mit David De Gea den zurzeit weltbesten Goalie im Tor. Andrés Iniesta wird der Welt sein Können ein letztes Mal unter Beweis stellen und sich mit seinem zweiten WM-Titel endgültig unsterblich machen. 

Geht Lionel Messi auch in Russland leer aus?
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Patrick Lämmle: «Ich habe eine Vision»

Eigentlich würde ich lieber keinen Tipp abgeben, denn es gibt zu viele Mannschaften, die den Titel holen können. Und vieles kann man nicht voraussehen. Oder doch? Ich habe eine Vision: Frankreich schliesst die Gruppe nur als Zweiter ab, weil Pogba im letzten Gruppenspiel gegen Dänemark einen Elfmeter verschiesst, deshalb kommt es im Achtelfinale zum Kracher gegen Argentinien. Abwehrchef Varane liegt mit Fieber im Bett, dann verletzt sich Griezmann in der 12. Minute am Knöchel. Zu allem Übel leistet sich Torhüter Loris auch noch einen fatalen Fehlgriff, Mbappé trifft in der 89. Minute aus nächster Nähe nur den Pfosten und verpasst den späten Ausgleich. Und schon ist mein Topfavorit aus dem Turnier ausgeschieden.

Ja, Frankreich ist aktuell meine Nummer 1, knapp vor Deutschland und Spanien. Allerdings habe ich die Serben in meinen ärgsten Albträumen auch schon jubeln gesehen, nicht nur gegen die Schweiz, sondern auch im Achtelfinal gegen den amtierenden Weltmeister. Den WM-Titel traue ich den Serben dann aber doch nicht zu. Wenn es ein «Aussenseiter» schaffen kann, dann noch am ehesten die mit Stars gespickten Belgier. Ach, wie ich diese Tipperei hasse.

Roman Müller: «Neuauflage, aber andersrum»

Total verrückt! Der WM-Final 2018 wird exakt derselbe sein wie vor vier Jahren – nur wird der Sieger ein anderer sein. Aber alles der Reihe nach. Viele Teams stehen unter enormen Erfolgsdruck. Genau dies wird bereits im Achtelfinal Frankreich und Spanien zum Verhängnis. Damit ist im oberen Teil des Tableaus der Weg frei für den Halbfinal-Klassiker Brasilien – Argentinien.

Das einzige Team, das mit dem Erfolgsdruck umgehen kann, ist Deutschland. Deshalb wird sich die Löw-Elf durch die K.o.-Runde knorzen, gegen Gegner, die ihnen einfach liegen – sprich die Schweiz, England und Kroatien. Im Final wird diesmal das erneut aufopfernd kämpfende Argentinien die Nase vorne haben, angeführt von einem unwiderstehlichen Lionel Messi, der damit seiner Karriere die Krone aufsetzt.

Jüri Christen: «Träumen sei erlaubt»

Brasilien hat Neymar wieder, Ägypten kann auf Salah zählen. Das sind für mich bereits zwei Highlights der bevorstehenden WM. Natürlich wünsche ich mir in erster Linie ein gutes Abschneiden unserer Nati-Jungs, besonders gegen die Samba-Kicker. In zwei Wochen werden sich dann aber nur noch die üblichen Verdächtigen um den Pokal streiten. Mit Neymar zählt Brasilien für mich zu den heissesten Kandidaten. Mein Favorit bleibt dennoch Island – träumen sei erlaubt.

HU! Schaffen die Isländer an der WM eine Sensation?
Keystone

Martina Baltisberger: «Brasilien wird sich revanchieren»

Die 1:7-Niederlage gegen Deutschland bleibt für Brasilien unvergesslich. Dies wird mit Sicherheit auch an dieser WM wieder mehrmals thematisiert, was für die Psyche der Spieler nicht schlecht sein muss. Denn aus einer solchen Schmach, die die Brasilianer 2014 im Halbfinal der Heim-WM erlebt haben, lernt man und man kommt stärker zurück. Auch Neymar, der in jenem besagten Spiel verletzt fehlte, will sich für sein Volk revanchieren. Wenn im Final Spanien wartet, wäre das grossartig, weil dann zwei offensive Mannschaften aufeinander treffen würden. Hauptsache, es gibt im Final mehr Tore als in den Endspielen der letzten EM und WM, die jeweils mit einem 1:0 (nach Verlängerung) endeten.

PPK (Name der Redaktion bekannt): «Die Schweiz wirft Deutschland raus»

Anders als für meine Redaktionskollegen sind Fussball-Weltmeisterschaften für mich nicht das höchste aller Gefühle und ich bin der Tipp-Muffel in Person. Trotzdem (und nur auf Druck von aussen) hier meine Prognose: Wenn ich schreibe, die WM lässt mich kalt, stimmt das nur bedingt. Natürlich drücke ich der Schweiz die Daumen und ich gebe es zu, ich warte sehnlichst auf einen Exploit der Nati, warum nicht im Achtelfinale gegen Deutschland. Und ja, ich glaube daran, dass das Team von Vladimir Petkovic jetzt reif ist, den nächsten Schritt zu machen. Die Mischung stimmt, die Qualität sowieso. Mit dem Glauben an die eigene Stärke und der totalen Überzeugung schafft die Schweiz den Einzug ins Viertelfinale.

Meine Favoriten auf den Titel sind die üblichen Verdächtigen. Brasilien, Spanien, Frankreich und Deutschland – wobei: die Jogi-Elf fliegt ja im Achtelfinale gegen uns raus. 😄 Spanien ist nach dem kurzfristigen Trainerwechsel zu stark verunsichert für den grossen Wurf. Bleiben Brasilien und Frankreich. Brasilien ist hungrig nach dem Debakel im eigenen Land, hat von vorne bis hinten eine ausgesprochen ausgeglichene Mannschaft und einen Trainer, den die Spieler lieben. Die vielleicht interessanteste Truppe hat in meinen Augen Frankreich, gut möglich allerdings, dass das Turnier in Russland für die Mbappés und Dembélés dieser Welt noch zu früh kommt.

Gelingt der Schweizer Nati eine Überraschung?
Keystone

Die fadengerade Prognose unseres Tessiner Redaktionskollegen N.F. mit Hilfe von Google Translate (nach unten scrollen für die «Übersetzung», sollte Ihnen das zu lange dauern):

Sechzehn Jahre nach der ersten Teilnahme an einer Weltmeisterschaft hat Senegal einen Platz in der Endphase der Weltmeisterschaft verdient. Ja, ich weiß, du hast Recht, es scheint nicht möglich zu sein, dass so viele Jahre vergangen sind, seit die Teranga Nationalmannschaft die ganze Welt bei den Weltmeisterschaften in Südkorea und Japan überrascht hat. Mit einem nahezu unbekannten Nationalspieler gelang es den Senegalesen, ins Viertelfinale einzuziehen, wo sie später aufgrund einer Niederlage gegen die Türkei in der Verlängerung das internationale Rampenlicht begrüßen mussten.

In dieser Runde wird Senegal jedoch in Russland mit einer Firma vertreten, die alles andere als mysteriös ist. Die meisten der Spieler, die für diese Weltmeisterschaft ausgewählt werden, sind in der Tat Mannschaften, die zu den besten europäischen Ligen gehören: hauptsächlich Premier League, Serie A und Liga 1.

Um nur ein paar Namen man denke nur Kalidou Koulibaly, Felseninnenverteidiger Neapel, die Mittelfeldspieler Cheikhou Kouyaté und Badou Ndiaye in England begangen, wo Spieler sich herausstellen für ihre jeweiligen Club (West Ham und Stoke City) entscheidend. Denn wenn es sich um die Angriffszone handelt, ist die Entscheidung nur peinlich. Der Star ist zweifellos Sadio Mané, ein offensiver Mittelfeldspieler, aber auch an der Seite von Liverpool, mit der er als Hauptdarsteller das Champions-League-Finale erreichte. Vor den Senegalesen auf der jungen Spitze M'Baye Niang, jetzt unter dem ehemaligen Mailand nach Turin, nicht zu unserem alten Freund zu erwähnen, Moussa Konaté, die ehemaligen Sion sniper zählen.

Der Trainer Aliou Cissé, vielleicht hat jemand ihn als Mittelfeldspieler und Führer von Senegal Wunder des Jahres 2002 erinnern werden, sobald es in Kaluga gelandet, liegt eine Stadt, 200 Kilometer von Moskau entfernt, wo der African National seine Basislager in Russland etabliert hat, nicht haben Angst, ihre Gefühle und Gefühle zu offenbaren. «Ich habe die gleichen Gefühle, die ich vor 16 Jahren erlebt habe, als ich als Spieler mit meinen Teamkollegen der Nationalmannschaft zu den Weltmeisterschaften in Südkorea und Japan gegangen bin». Ein zusätzlicher Pfeil in dem bereits gut gespeisten Köcher der Senegalesen? Meiner Meinung nach haben die Teranga Lions alle notwendigen Pfeile, um mindestens das Halbfinale zu erreichen, ein Ziel, das bei einer Weltmeisterschaft nie von einer afrikanischen Nationalmannschaft erreicht wurde.

Und wenn Senegal im Halbfinale vor unserer Schweizer Nationalmannschaft steht? Die Möglichkeit ist weit entfernt, solange es gelang, die für Deutschland verantwortlichen Weltmeister auszuschalten.

Hier die «Übersetzung»:

Erinnert ihr euch noch? 16 Jahre ist es her, als Senegal zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft angetreten ist. Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, als die «Teranga» bei der WM in Südkorea und Japan die ganze Welt überrascht hat. Erst im Viertelfinal konnten die mehrheitlich unbekannten Senegalesen gestoppt werden. Die Türkei gewann in der Verlängerung.

Dieses Jahr wird es anders sein. Die Truppe besteht aus vielen Stars der europäischen Ligen. Um nur ein paar Namen zu nennen:
- Kalidou Koulibaly, Innenverteidiger von Napoli
- Cheikhou Kouyaté, Mittelfeldspieler von West Ham
- Badou Ndiaye, Mittelfeldspieler von Stoke City
- Sadio Mané, Stürmer von Liverpool

Erwähnenswert ist aber auch, dass es Ex-Sion-Spieler Moussa Konaté ins WM-Kader geschafft hat. Ausserdem spricht für Senegal, dass der Trainer Aliou Cissé beim Wunder von 2002 als Mittelfeldspieler dabei war. «Ich habe die gleichen Gefühle wie vor 16 Jahren», sagt Cissé emotional. Ein gutes Omen.

Der Coach der Senegalesen ist nur die Kirsche auf der Torte, denn neben ihm verfügen die «Teranga Lions» auch spielerisch die Mittel, um an dieser WM bis in den Halbfinal vorzustossen. Ein Ziel, das bei einer WM noch nie von einer afrikanischen Nationalmannschaft erreicht wurde. Und wenn Senegal im Halbfinal gegen unsere Schweizer Nati spielt? Die Chancen stehen gut, denn ich glaube, dass die Schweiz Deutschland im Achtelfinal ausschaltet.

René Weder: «Möge der Sport gewinnen»

Übersteht die Nati die Gruppenphase? Werden die Franzosen, Spanier, Brasilianer oder Deutschen ihren Rollen und Ansprüchen gerecht? Reisen die Engländer nach der Gruppenphase nach Hause? Wozu ist Geheimfavorit Belgien fähig? Welcher Spieler drückt dem Fussball-Fest seinen Stempel auf? Welche Sterne und Marktwerte steigen, welche Karrieren knicken? Schnüffelt Jogi wieder an seinen Fingern? Entsteht in den abgeschotteten WM-Quartieren so etwas wie ein Team-Spirit? Wie steht es um Doping-Kontrollen? Hooligan-Probleme? Menschenrechte?

Nur ein Dutzend von geschätzten eintausend Fragen, die uns in den kommenden Wochen beschäftigen werden. Je nach Sichtweise wäre es weder professionell noch fair, diese schon jetzt zu beantworten. Deshalb überlasse ich die Prognosen meinen Kollegen und verfolge des Geschehen je nach Duell neugierig, entspannt, gestresst, euphorisch, teilnahmslos, elektrisiert, wütend, entfesselt und hoffentlich in guter Gesellschaft. Das ist WM. Deshalb die grösste aller Platitüden: Möge der Sport gewinnen.


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