Danke Valon

Deine legendären Nati-Auftritte werde ich nie vergessen

Von Patrick Lämmle

28.5.2022

Valon Behrami setzt Lionel Messi Schachmatt.
Getty Images

Heute erreicht uns die Nachricht, dass Valon Behrami seine Fussballschuhe an den Nagel hängt. Er tut es ohne grosses Tamtam, das war ja auch auf dem Platz nie sein Ding. Zum Glück – denn es gibt viel zu wenig Spieler, die aus seinem Holz geschnitzt sind.

Von Patrick Lämmle

28.5.2022

83 Länderspiele hat Valon Behrami absolviert, dabei hat er zwei Tore erzielt und vier weitere vorbereitet. Für einen Mittelfeldspieler, auch für einen defensiv orientierten, sind das keine überragenden Werte. Ein sogenannter Unterschiedsspieler müsste, so könnte man meinen, ganz andere Skorerwerte aufweisen. Aber vergiss solch wenig aussagekräftigen Statistiken. Denn Behrami war genau das: Einer, der den Unterschied ausmachen konnte.

Er hat die Offensivspieler glänzen lassen, indem er Drecksarbeit ohne Ende verrichtete, und die Gegner mit seiner kompromisslosen Spielweise an den Rand der Verzweiflung trieb. Ausgezeichnet hat den 37-Jährigen zudem, dass er immer auf den Punkt bereit war. Je wichtiger das Spiel, desto mehr Einfluss nahm Berhami, desto stärker wurde er. Du hast dich schon immer gefragt, was ein Mentalitätsmonster sein soll? Die Antwort lautet Behrami!

Lächelnder Behrami schaltet Neymar aus

Unvergessen sein Auftritt an der WM 2018. Die Schweiz muss im ersten Gruppenspiel gegen die hochgelobten Brasilianer antreten. Das Spiel endet 1:1, ein grosser Erfolg. Und Behrami hat grossen Anteil am erfreulichen Spielausgang. Er ist es, der Neymar über die komplette Partie aus dem Verkehr zieht. Der brasilianische Edeltechniker, dem rund um den Globus Millionen von Fan-Herzen entgegenfliegen, weiss nicht, wie ihm geschieht. Neymar kann keinen Schritt machen, ohne den Atem Behramis im Nacken zu spüren. Noch heute dürfte der Posterboy schweissgebadet aufwachen, wenn er im Traum von Valon verfolgt wird.

Switzerland's midfielder Valon Behrami, second left, reacts next to Brazil's forward Neymar, right, as Referee Cesar Ramos, left, gives a yellow card during the FIFA soccer World Cup 2018 group E match between Switzerland and Brazil at the Rostov Arena, in Rostov-on-Don, Russia, Sunday, June 17, 2018. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)
Valon Behrami hat nur ein müdes Lächeln übrig für den am Boden liegenden Neymar.
Keystone

Monster-Tackling, Hechtrolle, Sieg

Mindestens so genial wie die Neymar-Neutralisation war sein monströser Auftritt an der WM 2014 im ersten Gruppenspiel gegen Ecuador. Es läuft bereits die Nachspielzeit als die Südamerikaner brandgefährlich in den Sechzehner vorstossen, Behrami verhindert mit einem lehrbuchmässigen Tackling den K.o.-Schlag.

Aber es kommt noch besser. Blitzschnell wieder auf den Beinen sprintet er mit dem Ball am Fuss los, wird einige Meter weiter vorne umgesäbelt und steht nach einer Hechtrolle trotzdem schon wieder auf den Beinen, den Ball wieder in den Füssen. Schliesslich spielt Behrami auf Höhe der Mittellinie einen unspektakulären Pass auf den freistehenden Haris Seferovic. Der wiederum spielt einen wunderbaren Diagnoalpass auf Ricardo Rodriguez, der schliesslich mit seiner Hereingabe wieder den wie von der Tarantel gestochen in den Sechzehner sprintenden Seferovic findet, der eiskalt zum 2:1 einschiebt. Eine Klasse Aktion aller Beteiligten, aber mindestens 80 Prozent der Aktien am Siegtreffer hält Behrami.

Die unschöne Ausbootung aus der Nati

Valon Behrami war immer eine Bereicherung für die Schweizer Nati. Die Ausbootung nach der WM 2018 per dreiminütigem Telefonat seitens des damaligen Nati-Trainers Vladimir Petkovic hat ihn zutiefst verletzt. Behrami wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Einfach so. So zumindest lautete Behramis Version der Geschichte, die sich von jener des Nationaltrainers in wesentlichen Punkten unterschied.

Vielleicht war alles ein riesengrosses Missverständnis. Wie sehr Behrami im Stolz verletzt war, zeigte sich aber in einem Interview, das er rund ein Jahr nach seinem Nati-Rauswurf gab: «Ich sehe in ihm (Petkovic) bloss noch den guten Trainer. Als Mensch hat er mich enttäuscht. Solche Menschen will ich in meinem Leben nicht haben. Da will ich keine Beziehung haben. Ich will Menschen, die anders sind. Die mutig sind. Zum Glück muss ich nicht mehr mit ihm arbeiten.» Kein schönes Kapitel, ein Tulggen im Reinheft. Doch die Geschichte ist eben auch Ausdruck davon, wie Behrami tickt. Fühlt er sich ungerecht behandelt, so ist mit ihm nicht gut Kirschen essen. Begegnet man ihm mit Respekt, so wird er für dich durchs Feuer gehen.

Nebengeräusche nach seinem Karriereende dürfte es nun aber keine geben. Wie Tessiner Medien schreiben, wird Behrami bei Brescia bleiben und in Zukunft dem Sportdirektor Francesco Marroccu unter die Arme greifen.

Wir wünschen Dir nur das Beste für Deine Zukunft und bedanken uns für all die schönen Momente, die Du uns geschenkt hast.