Deutsche Top-Klubs wollen 20 Millionen Euro finanzieren

tbz / dpa

26.3.2020 - 11:29

Rudi Völler, Hans-Joachim Watze, Karl-Heinz Rummenigge und Markus Krösche wollen sich für die finanziell schwächer gestellten Vereine einsetzen.
Bild: Keystone

Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen wollen finanziell schwächer gestellten Klubs aus der 1. und 2. Bundesliga unter die Arme greifen. Dafür verzichten sie auf Fernsehgelder und stellen insgesamt 20 Millionen Euro zur Verfügung.

Wie die «Bild» berichtet, haben sich vergangene Woche Vertreter der vier deutschen Champions-League-Teilnehmer Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen getroffen und entschieden, gemeinsam einen weiteren solidarischen Schritt zu gehen.

Sollte es dazu kommen, dass die DFL Rücklagen in Höhe von 45 Millionen Euro an die Bundesliga-Klubs austeilt, so wollen die vier Top-Klubs auf ihren Anteil in Höhe von 12,5 Millionen Euro verzichten. Dazu spenden sie je weitere 7,5 Millionen Euro in einen Rettungs-Topf, der somit 20 Millionen Euro schwer würde.

Dieses Geld soll dann von der DFL je nach Bedürftigkeit an die finanziell schwächer gestellten Klubs verteilt werden. Es wäre ein weiterer Schritt in einer vorbildlichen Solidaritätskampagne, die aktuell von verschiedenen Bundesliga-Klubs ausgeführt wird. Die bisherigen Massnahmen in der Übersicht.


FC Bayern München

Die Stars und Verantwortlichen des FC Bayern verzichten auf 20 Prozent ihrer Gehälter. «Wir Profifussballer sind eine besonders privilegierte Berufsgruppe, für die es eine Selbstverständlichkeit ist, finanzielle Abstriche zu machen, wenn Not herrscht», sagte Kapitän Manuel Neuer den Tageszeitungen «tz». Mit der Massnahme sollen auch drohende Nachteile für die Mitarbeiter des deutschen Rekordmeisters vermieden werden. Der FC Bayern ist der finanzstärkste Bundesligaverein. In der vergangenen Double-Saison wiesen die Münchner für den Gesamtkonzern einen Umsatz von 750,4 Millionen Euro aus. Der Personalaufwand der FC Bayern München AG betrug 336,2 Millionen Euro.


Borussia Dortmund

Der BVB spart dank der Bereitschaft der Profis, auf Teile ihres Gehaltes zu verzichten, nach eigenen Angaben einen zweistelligen Millionenbetrag ein. Diese Summe werde «dabei helfen, den BVB als einen der grössten Arbeitgeber Dortmunds während der Corona-Krise abzusichern und zu schützen», heisst es in der Erklärung des Tabellenzweiten. Auch «die Verantwortlichen des Klubs sowie der Trainerstab» schlossen sich den Sparmassnahmen an. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wertete den Verzicht «als wertvolles Zeichen der Solidarität sowohl nach aussen als auch an unsere 850 Mitarbeiter».


RB Leipzig

Nationalspieler Marcel Halstenberg unterstützt in der Corona-Krise eine Hilfsaktion von Kollegen – und wäre auch zu weiteren Schritten bereit. «Klar, würde ich auf mein Gehalt verzichten, um Mitarbeiter des Vereins zu unterstützen, wenn es zu so einer heftigen Krise kommt», sagte der Verteidiger der «Bild». Der RB-Profi sagte, er werde die Hilfsaktion von Leon Goretzka und Joshua Kimmich #WeKickCorona mit einer Spende unterstützen. Auch sein Mitspieler Lukas Klostermann unterstützt die Aktion.


Borussia Mönchengladbach

Sportdirektor Max Eberl freut sich über die Bereitschaft der Profimannschaft, auf Gehalt zu verzichten, wenn sie damit dem Klub und den Mitarbeitern helfen kann. «Ich bin sehr stolz auf die Jungs», erklärte Eberl. Er wertete diesen Schritt als klares Signal und schloss sich an: «Wir stehen zusammen für Borussia, in guten wie in schlechten Zeiten. Sie wollen etwas an Borussia zurückgeben und damit auch an all die Fans, die uns unterstützen. Der Trainerstab hat sich dem angeschlossen, genau wie unsere Direktoren und Geschäftsführer.»


FC Schalke 04

Insbesondere nach der schlechten Jahresbilanz 2019 mit einem Fehlbetrag von 26,1 Millionen Euro wurde das Thema freiwilliger Gehaltsverzicht schnell aktuell. Der Mannschaftsrat signalisierte, mit Kürzungen von bis zu 30 Prozent einverstanden zu sein. Auch das Trainerteam um David Wagner und der dreiköpfige Vorstand mit Alexander Jobst, Peter Peters und Jochen Schneider ist zu Einschnitten bereit. Beschlossen ist bis jetzt aber noch nichts.


Bayer Leverkusen

Führung und Spieler sind laut Sport-Geschäftsführer Rudi Völler angesichts der Corona-Krise zu einem Gehaltsverzicht bereit. Darüber hat Völler am Montag mit Kapitän Lars Bender gesprochen. «Wir machen uns Gedanken und die Spieler auch, das Signal hat Lars mir gegeben. Alle sind gefordert, um dem eigenen Verein zu helfen. Jeder muss seinen Beitrag leisten – und das gilt natürlich auch für die Verantwortlichen», sagte Völler der «Bild».


VfL Wolfsburg

Beim VfL Wolfsburg befindet sich die sportliche Leitung zu dem Thema im Austausch mit der Mannschaft und dem Mannschaftsrat. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.


SC Freiburg

Beim SC Freiburg ist über einen Gehaltsverzicht der Profis noch keine Entscheidung getroffen worden. Dieser Punkt sei intern im Gespräch, sagte ein Sprecher des Klubs.


TSG 1899 Hoffenheim

Gehaltsverzicht ist laut Sportchef Alexander Rosen derzeit kein Thema, der Klub sieht sich finanziell für die Krise gut aufgestellt. Spieler und Mäzen Dietmar Hopp beteiligen sich nach Vereinsangaben aber an einem Hilfsfonds der TSG. Hopp ist via privater Investitionen zudem auf der Suche nach einem Impfstoff gegen SARS-CoV-2.


1. FC Köln

Nach Einschätzung von Geschäftsführer Alexander Wehrle sind die Kölner Profis bereit, auf Teile ihres Gehaltes zu verzichten. «Jeder Verein muss da zwar seinen eigenen Weg finden, aber wir haben verantwortungsvolle Jungs bei uns, denen der Ernst der Situation bewusst ist. Sie wissen um ihre privilegierte Stellung. Ich habe unsere Spieler so kennengelernt, dass sie im Fall der Fälle bereit wären, auch ihren Beitrag zu leisten», sagte Wehrle. Gespräche kündigte er «zu gegebener Zeit» an.


Union Berlin

Die Profis des 1. FC Union Berlin verzichten wie das Trainerteam und Mitarbeiter auf Gehalt. «Diese Bereitschaft kann man allen Beteiligten gar nicht hoch genug anrechnen», sagte Präsident Dirk Zingler. «Wir werden die Herausforderungen der nächsten Monate als Verein meistern und am besten gelingt das, wenn wir uns in der Unionfamilie solidarisch verhalten.» Das Team der Lizenzspielerabteilung erklärte sich dabei zu einem Gehaltsverzicht bereit. Führungskräfte und Mitarbeiter stimmten Kurzarbeitsregelungen zu.


Eintracht Frankfurt

Sportvorstand Fredi Bobic will sich bei dem Thema nicht treiben lassen. Die Hessen wollen erst untersuchen, wie gross der noch nicht absehbare finanzielle Schaden am Ende sein wird. «Ich glaube, dass auch bei uns jeder seinen Beitrag leisten wird», sagte Bobic unlängst dazu. «Die Spieler selbst haben von sich aus bereits positive Signale gesendet.»


Hertha BSC

Auch beim Berliner Klub wird das Thema Gehaltsverzicht diskutiert. Es seien intern darüber Gespräche geführt worden, sagte Sport-Geschäftsführer Michael Preetz zuletzt. «Letztlich wird sicher jeder bei Hertha BSC einen Beitrag leisten, damit wir als Verein und Gemeinschaft geschlossen durch diese Krise kommen.» Der Verein ergreift im Zuge der Coronavirus-Krise mehrere finanzielle Massnahmen. Neben einem Reise- und Kontaktstopp gebe es auch einen «Investitions- und Ausgabestopp», berichtete Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller. Es wurden Betriebsferien bis einschliesslich 3. April angeordnet.


FC Augsburg

Konkrete Entscheidungen gibt es bei dem Thema noch nicht. Manager Stefan Reuter hatte aber erklärt, dass ein Verzicht «kein No-Go» sein dürfe. Alle Beteiligten wollten schliesslich, dass es mit dem deutschen Fussball nach Corona weitergehe. «Da wird auch jeder seinen Beitrag dazu leisten, wenn die genauen Zahlen auf dem Tisch liegen», sagte Reuter zuletzt.


FSV Mainz 05

Von der sportlichen Führung über die Profis bis zu den Trainern und Betreuern werden alle im Verein auf Teile ihres Gehalts verzichten. Es gebe eine «unglaublich hohe Solidarität», sagte Sportvorstand Rouven Schröder. «Als wir im Mannschaftsrat darüber gesprochen haben, war es kein Thema, nicht auf Gehalt zu verzichten. Das war ein richtig schönes Zeichen.» Selbst nicht zu den Grossverdienern zählende Angestellte wie der Zeugwart beteiligen sich an den Sparmassnahmen.


Fortuna Düsseldorf

Der Bundesliga-Drittletzte will den finanziellen Folgen der Corona-Krise mit einem Massnahmenpaket begegnen. Daran sollen sich auch die Profis beteiligen. Ein Mittel sei «natürlich auch, dass wir auf die Lizenzspieler zugehen und über Prämien und Gehälter sprechen – mit einem klaren Konzept und Ideen, die angemessen sind und die Spieler nicht überfordern werden», sagte Vorstandschef Thomas Röttgermann der «Bild». Medienberichten zufolge soll der Verzicht bei 20 Prozent liegen.


Werder Bremen

Die Profis und Verantwortlichen von Werder haben dem Verein einen freiwilligen Gehaltsverzicht angeboten. «Der Mannschaftsrat ist auf uns zugekommen, proaktiv», hatte Sport-Geschäftsführer Frank Baumann am Montagabend gesagt. «Wir haben Spieler, die sich mit Werder, den Mitarbeitern und den Fans absolut identifizieren – gerade in schwierigen Zeiten. Deswegen kann jeder davon ausgehen, dass Spieler, Trainerteam und Geschäftsführung mit gutem Beispiel vorangehen und den Verein und vor allem die Mitarbeiter unterstützen.»


SC Paderborn

Konkrete Massnahmen in puncto Gehaltsverzicht gibt es noch nicht, es wird aber darüber beraten. «Natürlich ist das bei uns auch ein Thema», sagte Verteidiger Luca Kilian, der mit dem Coronavirus infiziert war. «Unser Mannschaftsrat ist da gerade in Gesprächen mit der sportlichen Leitung. Ich denke, das sollte kein Problem sein.»

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